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Kranke im häuslichen Kontext

  • Jens Lachmund
  • Gunnar Stollberg

Zusammenfassung

Für die Zeit um 1800 ist es charakteristisch, daß selbst im Falle schwerer Erkrankungen der Kranke innerhalb seiner häuslichen Lebensverhältnisse verbleibt. Was kennzeichnet die Situation des Kranken? Wie bestimmt sie seine Beziehungen zu Angehörigen usw.? Was sind die Probleme, die das Kranksein um 1800 stellt, und welches sind die Ressourcen, die dem Kranken zu ihrer Bewältigung zur Verfügung stehen? Krankheit wird vorwiegend innerhalb der Familie oder zumindest in familienanalogen Sozialzusammenhängen bewältigt. Die Hospitalisierung bleibt dagegen, wie im fünften Kapitel zu zeigen sein wird, bis ins späte 19. Jahrhundert eher eine Ausnahme. Von „der“ Familie als einem einheitlichen Muster sozialen Zusammenlebens kann in dieser Zeit allerdings noch nicht die Rede sein. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein ist die Familie für den größten Teil der Bevölkerung noch kaum als eigenständiger Sozialraum gegenüber anderen Handlungszusammenhängen ausgegrenzt. Die Lebensform, die heute gemeinhin mit diesem Begriff verbunden wird, ist eine Erfindung des Bürgertums und eng mit dessen Lebensbedingungen verbunden. Im 18. Jahrhundert entsteht hier das Leitbild einer Familie, das Rosenbaum durch drei hervorstechende Merkmale charakterisiert. Erstens durch die Intensivierung und Intimisierung der Ehebeziehungen, zweitens durch die zentrale Bedeutung der Kinder und ihrer Erziehung: „Kindheit“ als ein besonderes Lebensalter grenzt sich aus, und drittens durch die Abschottung der Familie als privater Sphäre von den anderen Lebensbereichen (vgl. Rosenbaum 1982, 251).

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Jens Lachmund
  • Gunnar Stollberg

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