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Wege an den Rand der Arbeitsgesellschaft — der Verlust der Erwerbsarbeit und die Gefahr sozialer Ausgrenzung

  • Berthold Vogel
Part of the Reihe „Sozialstrukturanalyse“ book series (SSA, volume 15)

Zusammenfassung

Wenn heute von Arbeitslosigkeit und ihren Folgen die Rede ist, dann immer häufiger unter dem Aspekt gesellschaftlicher Ausgrenzung. Der Verlust des Arbeitsplatzes wird in der politischen Publizistik und der wissenschaftlichen Debatte weit stärker als noch zu Beginn der 90er Jahre als ein Phänomen kollektiver Verdrängungsprozesse diskutiert, das bestimmte Gruppen der Erwerbsbevölkerung in besonders scharfer Form trifft und auf diese Weise neue Formen sozialer Ungleichheit schafft. In diesem Zusammenhang ist von den „Überflüssigen“ oder den „Entbehrlichen“ die Rede, deren Arbeitskraft unter den veränderten Verwertungsbedingungen einer kapitalistischen Dienstleistungsökonomie drastisch an Wert verloren hat (vgl. Bude 1998, Vogel 2001, Willisch 1999). Das Wirtschaftsleben bedarf ihrer bestenfalls aushilfsweise, und sie geraten sukzessive in eine dauerhafte Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen. Der Zugang zur Erwerbsarbeit und ihren materiellen, sozialen und kulturellen Gratifikationen bleibt dieser „Nicht-Klasse von Nicht-Arbeitern“ (Gorz) weitgehend versperrt. Der Verlust der Erwerbsarbeit droht in sozialer Ausgrenzung zu enden (vgl. Kronauer 2000). Die Arbeitslosigkeit repräsentiert kein periodisches Problem wirtschaftlicher Wachstumskrisen mehr, das von seiten des Staates mit finanzstarken Sonderprogrammen zur Arbeits- und Beschäftigungsförderung erfolgreich überbrückt und bekämpft werden kann. Die Integrationskraft des industriellen Erwerbsarbeitssystems hat spürbar nachgelassen. Zugleich gewinnen prekäre, brüchige und verwundbare Beschäftigungsformen in nahezu allen Wirtschaftsbranchen an Bedeutung — nicht dramatisch, aber kontinuierlich. Kurzum, sowohl die Strukturen und Formen der Erwerbsarbeit haben sich im Spannungsfeld von Deindustrialisierung und „new economy“ gewandelt als auch das Gesicht der Arbeitslosigkeit.

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© Leske + Budrich, Opladen 2001

Authors and Affiliations

  • Berthold Vogel

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