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Organisation von Unternehmungsnetzwerken — Strukturelle Besonderheiten

  • Jörg Sydow
  • Arnold Windeler
  • Michael Krebs
  • Achim Loose
  • Bennet van Well
Chapter
Part of the Schriftenreihe der ISDN-Forschungskommission des Landes Nordrhein-Westfalen book series (SINW)

Zusammenfassung

Die Organisation von Unternehmungsnetzwerken schließt in institutioneller wie in funktionaler Hinsicht an der Organisation von Unternehmungen an (vgl. dazu etwa Kieser/Kubicek 1992; Frese 1993; Staehle 1994, S. 388 ff.). Die Organisation von Unternehmungsnetzwerken wirft aber zusätzliche Fragen und Probleme auf. Selbst im Fall des strategischen Netzwerkes, der klassischen hierarchischen Strukturen soziotechnischer Systeme noch am nächsten kommt, gilt es, die Beziehungen, die Unternehmungen zueinander unterhalten, zu organisieren. Dies geschieht beispielsweise durch Fixierung der interorganisationalen Arbeitsteilung, durch die interorganisationale Allokation von Ressourcen und durch Festschreibung der Regeln des Leistungs- und Informationsaustausches zwischen den Netzwerkunternehmungen.

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Referenzen

  1. 1.
    Zum Beispiel mit Blick auf die Frage, ob sich auch zwischen unabhängigen Versicherungsvermittlern untereinander und zu entsprechenden externen Experten eine regionale Vernetzung nachweisen läßt (s. dazu vor allem Abschnitt 11 und 12).Google Scholar
  2. 2.
    Dies wird am Beispiel des Ruhrgebietes in sehr überzeugender Weise von Grabher (1993b) demonstriert, der nicht nur ein funktionales ‘lock-in’, sondern auch ein kognitives sowie ein politisches ‘lockin’ für die Verfestigung der Industriestrukturen des Ruhrgebiets verantwortlich macht.Google Scholar
  3. 3.
    Dies zeigt zum Beispiel der Fall Benetton, wo regionale Netzwerke kleinerer Textilproduzenten in ein weltumspannendes Franchisingnetzwerk eingebunden sind.Google Scholar
  4. 4.
    Der Begriff der Kontrolle, wie er auch in dem für die strukturationstheoretische Betrachtung von Kontrolle zentralem Konzept des ‘stratification model of the agent’ als ‘reflexive monitoring’ angelegt ist, versteht Kontrolle im Sinne von ‘control’ und dessen Bedeutung im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch. Der Begriff der Kontrolle wird hier und im folgenden also in einem relativ umfassenden Sinne verwendet.Google Scholar
  5. 5.
    Konsens ist dabei als Gegenbegriff zu Konflikt zu nehmen und nicht, wie etwa Powell (1990, S. 305) es vorschlägt, mit Akzeptanz oder Harmonie gleichzusetzen. Viel eher zielt der Begriff Konsens auf die bedingte, praktische und/oder diskursive Anerkennung von Geltungsansprüchen und Viabilität. Akteure können in ihren Augen bestimmte Strukturen bzw. Formen der Ausgestaltung von Interorganisationsbeziehungen als unter den gegebenen Umständen akzeptabel einstufen und sie praktisch als akzeptabel handhaben, ohne daß dies gleich Harmonie oder Einverständnis mit einschließen muß. Konflikt zielt dagegen sowohl auf personaler Akteursebene als auch auf der Netzwerkebene auf Widerspruch. Dieser verweist auf zumindest punktuelle Inkompatibilitäten, die Abwesenheit von Viabilität und in der Regel auf die Verletzung von Interessen am Netzwerk beteiligter Akteure und damit auf das Aufflammen von Auseinandersetzungen.Google Scholar
  6. 6.
    Der Begriff der doppelten Kontingenz meint bei Luhmann (1971, S. 62 f.) bekanntlich folgendes: Alles “auf andere Menschen bezogene Erleben und Handeln [...] [ist] darin doppelt kontingent, daß es nicht nur von mir, sondern auch vom anderen Menschen abhängt, den ich als alter ego, daß heißt als ebenso frei und ebenso launisch wie mich selbst begreifen muß. Meine an einen anderen adressierten Erwartungen erfüllen sich nur, wenn ich und er die Voraussetzungen dafür schaffen.”Google Scholar
  7. 7.
    Aber auch das Gegenteil ist natürlich möglich (vgl. zu entsprechenden Beispielen Coleman 1991, S. 232 ff.). Zucker (1986, S. 75 ff.) spricht in ihrer historischen Analyse der Institutionalisierung von Vertrauen bestimmten Personen und Organisationen die Fähigkeit zu, Vertrauen zu produzieren und zu vermarkten.Google Scholar
  8. 8.
    Dieser Transformationsprozeß beginnt “mit einem Vertrag oder Übereinkommen, worin die Bedingungen für den Verkauf der Arbeitskraft durch den Arbeiter und die ihres Kaufes durch den Unternehmer geregelt werden” (Braverman 1980, S. 50). Der Umfang aber, indem diese Fähigkeiten dann mengenund zeitmäßig ein- und umgesetzt wird, verbleibt zumindest teilweise im Verfügungsbereich des einzel- nen (seine Arbeitskraft verkaufenden) Arbeiters. Die konkrete Transformation dieses Arbeitspotentials in Arbeitsleistung bleibt für den Unternehmer eine permanente Unsicherheitszone und damit ein immer neu zu lösendes Problem. Die hierzu relevanten Diskussionsbeiträge der Industriesoziologie und der Radical Economics (vgl. zum Überblick z.B. Hildebrandt/Seltz 1987; Schienstock 1993) stellen daher Kontrollstrategien und -formen in den Mittelpunkt ihrer Argumentation und betrachten diese als die Antwort auf das Transformationsproblem. Sie betonen, daß es für den Unternehmer grundlegend wichtig ist, “daß die Kontrolle über den Arbeitsprozeß von den Händen des Arbeiters in seine eigenen übergeht” (Braverman 1980,S. 54)Google Scholar
  9. 9.
    Auch Giddens (1990, S. 33) widmet diesem Zusammenhang eine klärende Bemerkung: “[T]he prime condition of requirements for trust is not lack of power but lack of full information.”Google Scholar
  10. 10.
    Natürlich wirkt dieser “moralische Druck” nur neben anderen Formen und Mechanismen der Verhaltenverpflichtung. Ein- oder gegenseitige Abhängigkeiten, weitere gemeinsam geteilte Normen sowie emotionale Gebundenheit können ebenso die Entwicklung von Vertrauensbeziehungen unterstützen.Google Scholar
  11. 11.
    Der Begriff der kontrollierten Autonomie wurde von Jürgens (1986) und Wotschak (1987) in die Diskussion um die Veränderung der Arbeitsorganisation eingeführt, um damit besondere Ausprägungen des Zusammenhangs zwischen Arbeitsautonomie und leistungsbezogener Arbeitskontrolle vor dem Hintergrund der durch Informationstechnik zusätzlich erwachsenden Kontrollpotentiale zu beschreiben. Ortmann et al. (1990, S. 517) schlagen eine Verwendung des Begriffs kontrollierter Autonomie auf der Ebene der Unternehmungsorganisation vor, um organisatorische Änderungen im Verhältnis von zentralen und dezentralen Organisationseinheiten zu charakterisieren. Gleichzeitig zielt in ihrer Verwendung der Begriff der kontrollierten Autonomie “stärker als auf die direkte Überwachung von Personen auf die Überwachung und Steuerung von ganzen Prozessen” (Ortmann et al. 1990, S. 517). In dieser erweiterten Verwendung beziehen wir den Begriff der kontrollierten Autonomie in dieser Untersuchung auf die Interorganisationsebene.Google Scholar
  12. 12.
    Dabei kommt es nicht darauf an, ob es sich eher um intendierte, formale oder aber, wie auch auf der Basis von Theorien der Selbstorganisation zu erwarten (vgl. z.B. Luhmann 1984; Probst 1987; Willke 1987; verschiedene Beiträge in Staehle/Sydow 1991), um eher emergente, informale Strukturen handelt.Google Scholar
  13. 13.
    Anders als beispielsweise in Japan, wo Geschäftsbeziehungen von den Akteuren im allgemeinen mit personalen Beziehungen gleichgesetzt werden (vgl. Dore 1983).Google Scholar
  14. 14.
    Der Begriff des ‘elektronischen Netzwerkes’ erscheint uns eine sinnvolle Ergänzung der mittlerweile in der Wirtschaftsinformatik etablierten Redeweise von ‘elektronischen Märkten’ und ‘elektronischen Hierarchien’ (vgl. auch Klein 1993). Der Begriff der ‘elektronischen Hierarchie’ wird unseres Erachtens überdehnt, wenn er — wie zum Beispiel von Hubmann (1989) — auf den interorganisationalen oder unternehmungsübergreifenden Informationstechnikeinsatz ausgedehnt wird. Der Begriff des ‘elektronischen Marktes’ sollte auf eine informationstechnische Unterstützung tatsächlich marktförmiger Austauschprozesse, die eine weitgehende Standardisierung der Informationstechnik zur Voraussetzung haben, beschränkt bleiben. Das große Spektrum des interorganisationalen Informationstechnikeinsatzes zwischen Markt und Hierarchie, das zudem von großer praktischer Relevanz ist (vgl. z. B. Holland/Lockett 1993), bezeichnen wir als ‘elektronisches Netzwerk’.Google Scholar
  15. 15.
    Bei Giddens (1984, S. 246) sowie auch bei Granovetter (1978) wird das Problem der kritischen Masse (für sozialen Wandel) unter dem Begriff ‘kritische Schwellen’ angesprochen.Google Scholar
  16. 16.
    strategische Management bzw. die Unternehmungspolitik für relevant erklärt werden (vgl. insbes. Ulrich 1988).Google Scholar
  17. 17.
    Nicht erfaßt werden beispielsweise die in der Kalkulationspraxis der Akteure gegebenenfalls bei der Organisation von Netzwerkbeziehungen durchaus relevanten Opportunitätskosten und ‘switching costs’.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Jörg Sydow
  • Arnold Windeler
  • Michael Krebs
  • Achim Loose
  • Bennet van Well

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