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Unternehmungsnetzwerke in strukturationstheoretischer Perspektive

  • Jörg Sydow
  • Arnold Windeler
  • Michael Krebs
  • Achim Loose
  • Bennet van Well
Chapter
Part of the Schriftenreihe der ISDN-Forschungskommission des Landes Nordrhein-Westfalen book series (SINW)

Zusammenfassung

Unabhängige Versicherungsvermittler sind wie alle Organisationen, und insbesondere wie alle Intermediäre (z.B. Handelshäuser, Immobilienmakler), eingebunden in ein Geflecht von Beziehungen, das sie zu anderen Organisationen, hier vor allem Versicherungsunternehmungen und Kunden, aber auch sonstigen Akteuren unterhalten. Diese Beziehungen, die unter noch zu kennzeichnenden Bedingungen als Netzwerkbeziehungen bezeichnet werden sollen, sind einerseits Ergebnis praktischen Handelns dieser Vermittler, zum Beispiel der Deckung eines bestimmten Versicherungsbedarfes bei einem Versicherer und einer vorgängigen Risikoanalyse beim Kunden, andererseits beeinflussen sie genau dieses Handeln. Die sozialen Praktiken der Versicherungsvermittlung, die diese Netzwerkbeziehungen hervorbringen, durch sie aber auch beeinflußt sind, stehen im Zentrum dieser Untersuchung. Versicherungsvermittler unterhalten allerdings neben diesen Beziehungen zu Versicherern und Kunden vielfach auch Beziehungen zu anderen Vermittlern. Daneben unterhalten auch Versicherer und Kunden direkte Beziehungen, auch wenn diese einmal durch Intermediäre zustandegekommen sein sollten. Versicherungsvermittler sind, mit anderen Worten, in ein Geflecht oder Netzwerk von Beziehungen eingebettet, das sie durch ihr praktisches Tun reproduzieren. Die überwiegend intentionale Gestaltung dieser Netzwerke, mit anderen Worten, die Organisation von Netzwerken bildet den Gegenstand dieser Untersuchung.

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Referenzen

  1. 1.
    Auf Kapitalbeziehungen (z.B. Beteiligungen) oder weitere Voraussetzungen, die einen faktischen Konzern (z.B. Stimmbindungsverträge, personelle Verflechtungen) bzw. einen Vertragskonzern (z.B. Beherrschungsvertrag) begründen, kommt es dabei ausdrücklich nicht an.Google Scholar
  2. 2.
    Obwohl in dieser Untersuchung auf diese Begrifflichkeit Granovetters noch mehrfach rekurriert wird, ist zweierlei kritisch anzumerken. Erstens zählt das Ökonomische in strukturationstheoretischer Lesart zum Sozialen, kann also eigentlich nicht in das Soziale eingebettet sein. Zweitens, und dies ist von mindestens ebenso großer Bedeutung, reduziert sich für uns in dieser Lesart die “social embeddedness” nicht — wie bei Granovetter — auf die Einbettung ökonomischen Handelns in personale Netzwerke.Google Scholar
  3. 3.
    Ein umfassender Überblick über die vorliegenden Studien findet sich bei Sydow/Windeler (1993).Google Scholar
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    Der Begriff der Reproduktion schließt bei Giddens die Möglichkeit der Veränderung der Struktur immer mit ein.Google Scholar
  5. 5.
    Für das hier vorgestellte Konzept des Beziehungskapitals ließe sich eine lange Ahnenreihe anfhren, da, wenn auch unter anderem Namen, ähnliche Problemstellungen vor allem in der Familien- und Gruppensoziologie, aber auch der ökonomischen und politischen Soziologie seit langem Thema sind. Konkret standen neben den Arbeiten von Giddens die Überlegungen von Pierre Bourdieu (1985) über “ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital” und die von James Coleman (1988) über “soziales Kapital” Pate. Auf eine Abgrenzung des Beziehungskapitals zu diesen Kapitalformen wird an dieser Stelle ebenso verzichtet wie auf eine Abgrenzung zum Konzept des “Organisationskapitals”, das Dieter Sadowski (1991), auf Coleman (1988) bezugnehmend, in die betriebswirtschaftliche Diskussion eingebracht hat.Google Scholar
  6. 6.
    Die kapitalistisch-marktwirtschaftliche Ordnung beispielsweise stellt in diesem Sinne selbst für mächtigste Versicherungsunternehmungen ein strukturelles Constraint dar. Rückversicherungskapazitäten, um ein zweites Beispiel zu nennen, stellen zwar nicht unbedingt für diese Unternehmungen, wohl aber fir die meisten unabhängigen Vermittler ein strukturelles Constraint dar.Google Scholar
  7. 7.
    Fligstein (1990, S. 293 ff.) argumentiert ähnlich, wenn auch ohne Bezugnahme auf die Strukturationstheorie.Google Scholar
  8. 8.
    Zu den unterschiedlichen in der Managementlehre diskutierten Effizienzkonzepten vgl. z.B. Staehle (1994, S. 418 ff.).Google Scholar
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    So argumentieren zum Beispiel der Transaktionskostenansatz (Williamson 1985) sowie organisationsökologische Ansätze (z.B. Aldrich 1979; Hannan/Freeman 1984).Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Jörg Sydow
  • Arnold Windeler
  • Michael Krebs
  • Achim Loose
  • Bennet van Well

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