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Strategien, Strukturen und Netzwerke britischer Versicherungsvermittler: Ein Blick auf einen ‘Maklermarkt’

  • Jörg Sydow
  • Arnold Windeler
  • Michael Krebs
  • Achim Loose
  • Bennet van Well
Chapter
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Part of the Schriftenreihe der ISDN-Forschungskommission des Landes Nordrhein-Westfalen book series (SINW)

Zusammenfassung

Die vorangegangenen Kapitel haben gezeigt, daß unabhängige Vermittler im bundesdeutschen Versicherungsmarkt vielfältige Initiativen horizontaler Vernetzung entwickelt haben, um ihre Position in den Versicherungsnetzwerken zu stärken. In anderen europäischen Ländern, aber auch in den USA, haben unabhängige Vermittler traditionell eine weitaus stärkere Position in den Netzwerkbeziehungen — selbst im Privatgeschäft, das in der Bundesrepublik immer noch dominant über Generalagenten vermittelt wird. Ein Blick auf die Strategien, Strukturen und Netzwerke unabhängiger Versicherungsvermittler in Großbritannien, das Land mit dem wohl ausgeprägtesten ‘Maklermarkt’, wo immerhin 70 Prozent der gesamten Versicherungen über unabhängige Vermittler vertrieben werden (vgl. Cockerell 1990, S. 233), lohnt aus mindestens drei Gründen: Erstens sollte deutlich werden, welche strukturellen Merkmale einem von unabhängigen Vermittlern dominierten Versicherungsgeschäft förderlich sind. Immerhin — so eine zentrale These — obliegt in Großbritannien häufiger als in der Bundesrepublik unabhängigen Vermittlern die strategische Netzwerkführerschaft. Zweitens weist der britische Versicherungsmarkt, der ob seines Deregulierungsgrades gern mit dem bundesdeutschen kontrastiert wird, schon heute strukturelle Merkmale auf, denen sich die bundesdeutsche Versicherungswirtschaft — trotz aller im Kapitel 5 geäußerten Vorbehalte — zumindest ein Stück weit annähern wird.

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Referenzen

  1. 1.
    Etwa zwei Drittel davon sind bei der FIMBRA, ein Drittel beim IBRC registriert. Genaueren Zahlen lohnt es nicht nachzuspüren, weil eine unbekannte Menge unabhängiger Vermittler bei beiden Institutionen (zu deren Funktionen s. weiter unten) registriert ist und weil die Trennlinien zwischen Versicherungsvermittlem und anderen ‘independent financial advisors’ unscharf sind.Google Scholar
  2. 2.
    Eine ähnliche Situation besteht im niederländischen Versicherungsmarkt, der auch als Maklermarkt zu kennzeichnen ist. Grundsätzlich unterscheidet sich der niederländische Versicherungsmarkt von dem deutschen hinsichtlich des Aufsichtssystems und einer rechtlichen Regulierung der Vermittlertypen (vgl. Kamphuisen 1991, S. 35 ff.). So gibt es in Holland freie ‘Vermittler’, die in einem offiziellen Register eingetragen sind und nur dadurch die Berechtigung zur Zusammenarbeit mit Versicherern haben; letztere dürfen nur bei Registereintragung Courtagen zahlen, die der deutschen Gratifikationspraxis entsprechen. Die Vorrangstellung der freien Vermittler, die sich aufgrund einer klaren Berufsregelung in drei Gruppen einteilen lassen (vgl. Kamphuisen 1991, S. 38 ff.), wird allein schon anhand des Marktanteils deutlich. Im Privatkundengeschäft erfolgen 63 Prozent der Vermittlung über freie Vermittler, im Industriegeschäft sogar 80 Prozent. Selbst im Privatkundengeschäft beträgt der Anteil, der über Einfirmenvertreter vermittelt wird. in den Niederlanden nur 4 Prozent.Google Scholar
  3. 3.
    Hierbei handelt es sich allerdings in Großbritannien zumeist um Generalagenten, weil Mehrfachagenten zumindest für den Geltungsbereich des Financial Services Act (FSA) seit 1986 nicht mehr erlaubt sind. Letztere firmieren — statt als ‘insurance broker’ — nunmehr als ‘insurance consultant’ oder ‘fmancial advisor’.Google Scholar
  4. 4.
    Oder aber sie meinen, ohne die früher von den Versicherern gewährte, nach dem FSA aber nicht mehr erlaubte, technische, personelle und organisatorische Unterstützung, nicht weiter existieren zu können.Google Scholar
  5. 5.
    Gegenwärtig befindet sich die FIMBRA in einer existenzbedrohenden Finanzkrise. Diese ist dadurch verursacht, daß die bei den unabhängigen Vermittlern erhobenen Mitgliedsbeiträge den Finanzbedarf dieser SRO nicht decken. Zwar sind die Versicherer vor einiger Zeit eingesprungen, um diese Finanzlücke zu schließen. Nun aber verlangen sie ein entsprechendes Mitspracherecht in der FIMBRA, das ihnen bisher nicht zugestanden wurde. Wahrscheinlich erscheint für die nahe Zukunft eine letztlich — finanzpolitisch motivierte — Fusion beider SROs unter dem Dach einer noch zu schaffenden Personal Investment Authority (PIA), zu deren Finanzierung auch die Banken einen Beitrag leisten sollen. Unwahrscheinlich scheint, daß eine finanzpolitisch motivierte Fusion die breit beklagte, letztlich wohl personell und organisatorisch begründete Ineffektivität dieser SROs überwinden hilft. Clare Dobie (1992, S. 25) sieht deshalb die Möglichkeit, daß “the days of the SROs are numbered”.Google Scholar
  6. 6.
    Die Gewährung weiterer Franchisen wird von Swinton bewußt als Anreizinstrument eingesetzt.Google Scholar
  7. 7.
    Die Kontrollspanne der ‘franchising support manager’ ist — wie aus organisationsökonomischer Sicht zu erwarten (vgl. Sydow 1994a) — mit durchschnittlich 33 Outlets allerdings deutlich größer als die der für die Überwachung der Filialen zuständigen ‘area managers’, die durchschnittlich 22,5 Outlets zu betreuen haben.Google Scholar
  8. 8.
    Anders als bei der Entwicklung des GDV-Standards in der Bundesrepublik waren in Großbritannien unabhängige Vermittler von Anfang an der informationstechnischen Entwicklung beteiligt.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Jörg Sydow
  • Arnold Windeler
  • Michael Krebs
  • Achim Loose
  • Bennet van Well

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