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Einführung

  • Johannes Rüegg-Stürm
Part of the Organisation und Gesellschaft book series (OUG)

Zusammenfassung

Versuche, das Phänomen der Ordnungsbildung in Unternehmungen aus einer systemischkonstruktivistischen Perspektive zu verstehen, haben besonders an der Universität St. Gallen eine solide Tradition, wo Hans Ulrich mit seinen Schülern Walter Krieg, Peter Gomez, Fredmund Malik, Gilbert Probst und Thomas Dyllick in den siebziger und achtziger Jahren systematisch eine systemtheoretische Managementlehre aufzubauen begann.3 Ausgehend von einer erkenntnistheoretischen Wende in der Systemtheorie4 bestand ein Ergebnis dieser Forschungsarbeiten darin, dass das Phänomen Organisation weniger als Instrumentalvariable in der Hand von Experten zu begreifen ist, sondern vielmehr als „vernetzter, kontinuierlicher Prozess der Ordnungsbildung, -aufrechterhaltung und — entwicklung“ (Probst 1987, 148).5

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Literatur

  1. 3.
    Vgl. hierzu H. Ulrich 1968, 1978, 1984, 1985a, 1989; H. Ulrich/Krieg 1972; H. Ulrich/Probst 1988; Krieg 1971; Gomez/Malik/Oeller 1975; Gomez 1978, 1981, 1983; Malik 1981, 1984; Probst 1981, 1987; Dyllick 1982, 1989. Unterstützt wurde diese wissenschaftliche Denkrichtung auch von Peter Dachler (1984, 1985a, 1985b) und Markus Schwaninger (1989).Google Scholar
  2. 4.
    Probst (1987, 148) spricht diesbezüglich von einem „Umbruch im wissenschaftlichen Denken und Forschen“, der von Hans Ulrich wie folgt umschrieben wird:Google Scholar
  3. Man muss sich … bewusst sein, dass sich die Systemtheorie, auf erkenntnistheoretischer Ebene betrachtet, mehr und mehr von eher ontologischen Vorstellungen gelöst hat und sich heute weitgehend als eine bestimmte Art menschlicher Wahrnehmung versteht. Deshalb neigen viele Systemtheoretiker heute zum Konstruktivismus, d.h. jener Auffassung, wonach das, was wir als ‘Wirklichkeit’ bezeichnen, Konstruktionen des menschlichen Erkenntnisapparates sind, was nicht heisst, dass die Existenz einer realen Welt ausserhalb des erkennenden Menschen geleugnet wird oder dass der Wissenschaftler als Konstrukteur von Wirklichkeiten der Aufgabe enthoben wird, den Realitätsbezug seiner Modelle zu prüfen.“ (H. Ulrich 1989, 16 )Google Scholar
  4. Diese interpretative Wende, d.h. die Annahme einer sinnhaften Konstitution der sozialen Welt, ist heute ganz allgemein ein zentrales Thema der neueren Sozialwissenschaften (vgl. hierzu ausführlich Reckwitz 1997, 317).Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. hierzu vor allem H. Ulrich 1985a, 1989; Gomez/Probst 1985; Probst 1986, 1987; von Krogh et al. 1994; von Krogh/Roos 1995. In der Zwischenzeit wird auch im Bereich der Organisationspsychologie intensiv auf der Grundlage konstruktivistischen Denkens gearbeitet (vgl. hierzu beispielsweise Baitsch 1993; Gergen 1992, 1994a; Kirsch 1992 und Hosking et al. 1995 ).Google Scholar
  6. Ähnlich früh wie Hans Ulrich hat sich Karl Weick (1969, 1979) auf der Grundlage von systemtheoretischen Denkvorstellungen mit dem Phänomen Organisation auseinandergesetzt. Im Unterschied zu H. Ulrich hat sich Weick allerdings nicht auf Arbeiten der klassischen Systemtheoretiker und Kybernetiker, sondern auf sozialpsychologische Untersuchungen abgestützt.Google Scholar
  7. 6.
    Vgl. zum Begriff der Unverfügbarkeit der Organisation Baecker 1993, 117, 119, 197Google Scholar
  8. 7.
    Im folgenden wird auf eine weitere Verwendung des Begriffs Unternehmenskultur verzichtet. Im Forschungsfeld ist nämlich der Eindruck entstanden, dass der Begriff Kultur durch die Akteure in der Praxis in vielen Zusammenhängen sozusagen als „Residualvariable“ benutzt wird, im Sinne von: „Verstehen Sie, das ist eben unsere Kultur!“ Zur Unternehmenskultur werden dabei vor allem Phänomene gezählt, die sich nicht spontan irgendeinem bekannten Begriff oder Modell zuordnen lassen oder nicht ohne weitere Schwierigkeiten kausal zu erklären sind. Mit anderen Worten hat sich der Begriff Unternehmenskultur alltagssprachlich als ein höchst diffuses Konzept offenbart (vgl. zu dieser Problematik auch Klimecki/Probst 1990, 46 ).Google Scholar
  9. 8.
    Vgl. auch zu Knyphausen-Aufsess 1995, 27; in Orgland (1995, 3f) sind verschiedene Studien aufgeführt, welche diesen Befund belegen; in Greipel (1988, 33ff, 218ff) findet sich schliesslich eine differenzierte Ursachenanalyse.Google Scholar
  10. 9.
    Vgl. hierzu auch Klimecki/Probst 1990, 45Google Scholar
  11. 10.
    Dieser Eindruck wird z.B. beim Lesen von Kobi/Wüthrich (1987) erweckt. In deutlichem Kontrast dazu haben beispielsweise P. Ulrich (1984), Finney und Mitroff (1986), Greipel (1988) und Mittmann (1991) energisch vor der (impliziten) Verbreitung derartiger Machbarkeitsmythen gewarnt.Google Scholar
  12. Die Analyse der Unternehmenskultur ist kaum lediglich mit einer Mitarbeiterbefragung zu erledigen, sondern ein Prozess des Bewusstmachens und ‘Verstehens’ der eigenen Kultur, ihrer Entstehungs-und Wandlungsimpulse, ihrer Biographie (’Lebenszyklus’) sowie ihrer internen und externen Träger und Bedingungen.“ (Mittmann 1991, 162f; kursiv: IRS)Google Scholar
  13. 11.
    Vgl. hierzu Maturana 1982, 141f, 158, 184fGoogle Scholar
  14. 12.
    Kein Wunder, dass ein Organisationstheoretiker wie Karl Weick dazu auffordert, „Substantive einzustampfen“ (1985, 67; vgl. ähnlich auch 52f und 64f sowie 1995, 187f). Ebenso erachtet es Luhmann (1984, 115) als eine derGoogle Scholar
  15. schlimmsten Eigenschaften unserer Sprache (und die Gesamtdarstellung der Systemtheorie in diesem Buche ist aus diesem Grunde inadäquat, ja irreführend), die Prädikation auf Satzsubjekte zu erzwingen und so die Vorstellung zu suggerieren und schliesslich die alte Denkgewohnheit immer wieder einzuschleifen, dass es um ‘Dinge’ gehe, denen irgendwelche Eigenschaften, Beziehungen, Aktivitäten und Betroffenheiten zugeschrieben werden. Das Dingschema (und entsprechend: die Auffassung der Welt als ’Realität’) bietet aber nur eine vereinfachte Version der Sachdimension.“Google Scholar
  16. 13.
    Vgl. hierzu das Kapitel zur „Tyrannei der sprachlichen Konditionierung“ in Selvini Palazzoli et al. 1977; vgl. hierzu auch Simon 1993, 156ff. Selvini Palazzoli et al. (1977, 56ff) beschreiben dabei eindrücklich, dass das grösste Hindernis im Umgang mit komplexen Phänomenen in unserer Sprache, in unserem Sprachgebrauch wurzelt:Google Scholar
  17. Da der Gedanke sich durch die Sprache formt, erleben wir die Realität entsprechend dem sprachlichen Modell, das auf diese Weise für uns mit der Realität zusammenfällt. Die Sprache ist jedoch nicht die Realität. Tatsächlich ist die Sprache linear,während die lebendige Realität zirkulär ist…. Jedenfalls setzt uns die absolute Unvereinbarkeit der beiden herrschenden Systeme, in denen sich menschliches Sein vollzieht, gefangen: Wir sitzen fest zwischen dem lebendigen System, das dynamisch und zirkulär ist, und dem symbolischen System (der Sprache), das beschreibend, statisch und linear ist.“ (Selvini Palazzoli 1977, 56f; kursiv: JRS)Google Scholar
  18. 14.
    Vgl. hierzu auch H. Ulrich 1984Google Scholar
  19. 15.
    Ähnliche Aspekte werden in den Arbeitsdefinitionen von Probst (1987, 9, 13), H. Ulrich (1989, 22ff) und von Baecker (1993) hervorgehoben. Hans Ulrich versteht unter Unternehmensorganisation die Ordnung, d.h. die Strukturiertheit eines nicht-trivialen, lebensfähigen Systems (1985a, 10 und 1989, 19), d.h. eine Eigenschaft eines Unternehmens. Weil diese Ordnung charakteristisch ist, versteht Dirk Baecker unter der Unternehmensorganisation die Verkörperung eines Unternehmens ( 1993, 116f ).Google Scholar
  20. 16.
    Diese Überlegungen lehnen sich stark an Vorstellungen an, wie sie auch bei Buschor (1996) zu finden sind. Insbesondere die Begriffe Wirklichkeitskonstruktion und Wirklichkeitsordnung werden in der gleichen Weise verwendet.Google Scholar
  21. 17.
    Vgl. hierzu Luhmann 1988b, 168Google Scholar
  22. S Dieser Aspekt kommt vor allem in Karl Weicks Beschreibung der Tätigkeit des Organisierens zum Ausdruck. Weick definiert Organisieren als: „durch Konsens gültig gemachte Grammatik für die Reduktion von Mehrdeutigkeit mittels bewusst ineinandergreifender Handlungen. Organisieren heisst, fortlaufende unabhängige Handlungen zu vernünftigen Folgen (Prozessen) zusammenfügen, so dass vernünftige Ergebnisse erzielt werden.“ (Weick 1985, 11; kursiv im Original, Klammeranmerkung: JRS)Google Scholar
  23. 19.
    Diese Wortergänzung „in-Bewegung“ bringt zum Ausdruck, dass soziale Wirklichkeit letztlich immer im Fluss ist, auch wenn unsere unmittelbare Beobachtung „der” Wirklichkeit ein hohes Mass an Stabilität vortäuscht. Alle Ordnungsformen menschlichen Zusammenlebens wie z.B. Sprache, Recht, Sitten sind stets kontingent und mehr oder weniger in Bewegung.Google Scholar
  24. The general theory of autopoietic systems postulates a clear distinction between autopoiesis and observation.“ (Luhmann 1986c, 179; kursiv: IRS)Google Scholar
  25. Vgl. hierzu Maturana 1982, 240f; Varela 1984, 25; Gomez/Probst 1985, 23Google Scholar
  26. 20.
    Maturana und Varela (1987, 222; vgl. auch Luhmann 1988a, 332) bezeichnen diese Unterscheidung als logische Buchhaltung (clean epistemological accounting). Der Prozess der Wirklichkeitskonstruktion vollzieht sich somit auf zwei verschiedenen Ebenen.Google Scholar
  27. The general theory of autopoietic systems postulates a clear distinction between autopoiesis and observation.“ (Luhmann 1986c, 179; kursiv: IRS)Google Scholar
  28. 21.
    Vgl. hierzu Maturana 1982, 240f; Varela 1984, 25; Gomez/Probst 1985, 23Google Scholar
  29. 22.
    Vgl. zur zentralen Bedeutung von Kontingenzerfahrung Luhmann 1984, 170fGoogle Scholar
  30. 23.
    Vgl. hierzu Baitsch et al. 1996, 8Google Scholar
  31. 24.
    Giddens 1992, 33, 398; vgl. auch Galtung 1978, 96ff, 128Google Scholar
  32. 25.
    Was wichtige Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen beiden „metatheoretischen Bezugsrahmen“, d.h. zwischen Luhmanns Theorie (autopoietischer) sozialer Systeme und Giddens’ Theorie der Strukturierung,betrifft, sei auf Neuberger (1995, 320) und Reckwitz (1997) verwiesen.Google Scholar
  33. 26.
    In der Sprache von Pettigrew (1990, 282f) handelt es sich bei den entwickelten Bausteinen und beim Bezugsrahmen des Wandels um ein „meta level analytical framework“. Es dient dabei als Ordnungsraster für die Erfassung der Phänomene im Forschungsfeld. Umgekehrt haben überhaupt erst die beobachteten Phänomene (Rüegg-Stürm 2001) zur Entwicklung dieses Bezugsrahmens geführt. Im Rahmen seiner Forschungsarbeit zum Wandel von ICI hat Pettigrew (1985) in ähnlicher Weise seinen Bezugsrahmen mit den Dimensionen Content, Process und Context entwickelt.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2001

Authors and Affiliations

  • Johannes Rüegg-Stürm
    • 1
  1. 1.St. GallenDeutschland

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