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Religiosität von Frauen und Männern im internationalen Vergleich

  • Robert Kecskes
Part of the Veröffentlichungen der Sektion „Religionssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie book series (DGSRELIGION, volume 4)

Zusammenfassung

Folgt man den Ergebnissen der empirischen Forschung in Deutschland, scheinen Frauen deutlich religiöser zu sein als Männer (siehe z.B. Fuchs, 1985; Köcher, 1988). Köcher geht in ihrer Interpretation der Ergebnisse sogar so weit zu behaupten, daß im Gegensatz zu anderen Bereichen die Unterschiede hinsichtlich der Religiosität seit Jahrzehnten konstant geblieben seien und keine Annäherung zwischen den Geschlechtern stattgefunden hätte.1 Vergessen wird dabei allerdings, daß in vielen Bereichen, trotz einer Annäherung zwischen den Geschlechtern, auch heute noch teilweise erhebliche Unterschiede existieren. So weisen Frauen nach wie vor im Mittel eine geringere (Berufsaus-) Bildung als Männer auf und sind seltener berufstätig. Da beides ebenfalls Merkmale sind, die auf die Religiosität wirken, müssen diese bei der Analyse der Religiosität von Männern und Frauen berücksichtigt werden. Wird dies getan, sind die Unterschiede schon nicht mehr so eindeutig. So verschwindet sowohl in einer Studie mit Daten aus der Schweiz (Voll, 1993: 237f.) als auch in einer Arbeit, die australische Daten verwendet (de Vaus und McAllister, 1987), der Geschlechterunterschied in bezug auf die Religiosität weitgehend, sobald nach der Berufstätigkeit kontrolliert wird. Auch die Ergebnisse einer Kölner Studie von Kecskes und Wolf (1994; 1996) zeigen, daß die Geschlechterunterschiede differenzierter analysiert werden müssen. Sie fassen ihre Ergebnisse wie folgt zusammen (Kecskes und Wolf, 1994: 10, 12):

„Die Angleichung von Frauen und Männern bezüglich der Kirchgangshäufigkeit ist in Großstädten weiter fortgeschritten als in kleineren Orten. Ebenso können wir feststellen, daß die Geschlechterunterschiede mit zunehmender Schulbildung tendenziell geringer werden und unter Abiturienten unabhängig von der Wohnortgröße verschwinden. Ebenso bestehen keine Unterschiede zwischen konfessionslosen Frauen und Männern....

Der christliche Glaube nimmt zwar insgesamt sowohl bei Frauen als auch bei Männern mit zunehmender Wohnortgröße ab, in der Gruppe der Frauen jedoch im stärkeren Maße als in der Gruppe der Männer. Damit sind in Kleinstädten lebende Frauen (zur Zeit noch!?) religiöser als die dort lebenden Männer, in Großstädten jedoch nicht.“

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2000

Authors and Affiliations

  • Robert Kecskes

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