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Zur Entwicklung der Kirchlichkeit von Männern und Frauen 1953 bis 1992

  • Christof Wolf
Part of the Veröffentlichungen der Sektion „Religionssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie book series (DGSRELIGION, volume 4)

Zusammenfassung

Die bundesdeutsche Religionssoziologie hat, wie viele andere Bereiche der Soziologie auch, ihre Fragestellungen nur selten an einer explizit geschlechtsspezifischen Perspektive orientiert. So findet sich in der wohl vollständigsten Übersicht der religionssoziologischen Forschung der Bundesrepublik, die 1990 von Feige vorgelegt wurde, keine einzige Arbeit, die das Thema der Geschlechterdifferenz in den Mittelpunkt stellt.1 Eine genauere Untersuchung der geschlechtsspezifischen Unterschiede scheint auch überflüssig, zeigen die empirischen Befunde doch regelmäßig, daß Frauen religiöser sind, häufiger in die Kirche gehen und seltener aus der Kirche austreten als Männer. Da Religion und Kirche eine „Domäne der Frauen“ (Köcher, 1988: 149) ist und die „höhere kirchliche Beteiligung der Frauen ... bereits für Anfang des Jahrhunderts empirisch belegt“ ist (Daiber, 1995: 162), erscheint auch die Frage nach der Entwicklung der geschlechtsspezifischen Unterschiede der Religiosität und Kirchlichkeit überflüssig. Dabei zeigen historische Analysen, daß die Anteile von Männern und Frauen, die am kirchlich-religiösen Leben teilnahmen, sich erst im 19. Jahrhundert zugunsten der Frauen verschoben haben. Diese beteiligten sich insbesondere dort, wo Männer sich anderen Wirkungskreisen zuwandten, immer stärker am kirchlichen Leben und füllten so das entstandene Vakuum.2 Die Rückbesinnung auf diesen historischen Prozeß läßt es unwahrscheinlich erscheinen, daß die Verschiebungen der geschlechtsspezifischen Kirchlichkeit nun zu einem Stillstand gekommen sein sollen. Dieser Beitrag geht daher der Frage nach den relativen Veränderungen der Religiosität und Kirchlichkeit von Frauen und Männern seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach. Weil uns diese Veränderungen genaueren Aufschluß über zukünftige Entwicklungsrichtungen von Religiosität und Kirchlichkeit geben, ist ihre empirische Untersuchung für die Religionssoziologie von besonderem Interesse.

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  • Christof Wolf

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