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Feminisierung von Religion und Kirche im 19. und 20. Jahrhundert

  • Irmtraud Götz v. Olenhusen
Part of the Veröffentlichungen der Sektion „Religionssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie book series (DGSRELIGION, volume 4)

Zusammenfassung

Die Feminisierung von Religion und Kirche war eine Folge grundlegender Wandlungen der christlichen Kultur. Die ‚vormodernen ‘Gesellschaften des christlichen Abendlandes waren durch patriarchalische Macht- und Mentalitätsstrukturen geprägt, in denen Frauen in aller Regel von männlichen Klerikern dominiert wurden. Bis in die jüngste Vergangenheit waren die Amtskirchen aller christlichen Konfessionen reine Männerbünde, in denen Frauen als aktive Kirchenmitglieder erst im 20. Jahrhundert schrittweise Mitbestimmung erlangten. Im Zuge der Trennung von Staat und Kirche — mit dem entsprechenden Machtverlust der Kirchen auf der säkularen Ebene — füllten Frauen tendenziell in dem Maße ‚Leerstellen ‘kirchlich gebundener Frömmigkeit, in dem sich Männer sukzessive aus dem Raum der Kirche zurückzogen bzw. durch Säkularisation und die Entmachtung der Kirchen zurückgedrängt wurden. Umgekehrt war es für Frauen seit dem Beginn der Frauenemanzipationsbewegungen — im Umfeld der Französischen Revolution — fast nur möglich bzw. akzeptabel, wenn sie im Bereich von Caritas, Kirche und Religion die nun privaten Räume von Haushalt und Familie verließen und öffentlichkeitswirksam aktiv wurden.

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Authors and Affiliations

  • Irmtraud Götz v. Olenhusen

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