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„Kirche ... ist irgendwo so ein geschützter Raum“ Weiblichkeitskonstruktionen in den Berufsstrukturen der katholischen Kirche

  • Walburga Hoff
Part of the Veröffentlichungen der Sektion „Religionssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie book series (DGSRELIGION, volume 4)

Zusammenfassung

Auf den ersten Blick scheint es müßig, sich mit dem Geschlechterverhältnis im Berufsfeld katholischer Seelsorgsarbeit zu beschäftigten, da Frauen bislang der Zugang zum zentralen Seelsorgeberuf, dem Priesteramt verwehrt bleibt. Eine geschlechtsspezifische Segregierung offenbart sich jedoch auch in den wichtigsten pastoralen Laienberufen, Gemeindereferent/in und Pastoralreferent/in1, die Frauen zugänglich sind. Dabei liegt der Schwerpunkt im Beruf der Gemeindereferentin in der Unterstützung des kirchlichen Amtes und umfaßt die Mitarbeit in den drei Grunddiensten Liturgie, Verkündigung und Diakonie. Voraussetzung dazu ist ein abgeschlossenes sechssemestriges Studium an einer Fachhochschule (vgl. Die Deutschen Bischöfe, 1987: 7ff.). Im Unterschied dazu bezieht sich der Dienst der Pastoralreferentin auf die Kategorialseelsorge, d. h. auf ein spezifisches Sachgebiet wie beispielsweise die Jugendseelsorge. Pastoralreferentinnen haben ein Hochschulstudium absolviert und arbeiten in ihrem Arbeitsbereich eigenverantwortlich (vgl. ebd., 33ff). Im zuarbeitenden Beruf der Gemeindereferentin sind Frauen mit einem Anteil von ca. 80 % vertreten, während im formal eigenständigen Beruf der Pastoralreferentin nur ca. 32 % Frauen arbeiten.2 Damit bilden sich, auch ohne geschlechtsspezifische Zugangsbeschränkungen, weibliche und männliche Domänen im Berufsfeld katholischer Laienseelsorge aus, wobei sich Frauen auf Tätigkeitsfelder konzentrieren, die sie auf eine untergeordnete Position festlegen. Die geschlechtsspezifische Segregierung in kirchlichen Handlungsfeldern verweist auf das allgemein hierarchisch strukturierte Geschlechterverhältnis.

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© Leske + Budrich, Opladen 2000

Authors and Affiliations

  • Walburga Hoff

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