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Industrie- und Umweltgerüche als Umweltstressoren

  • Brigitte Steinheider

Zusammenfassung

In drei Felduntersuchungen in fünf Städten in Nordrhein-Westfalen konnten statistisch bedeutsame Zusammenhänge zwischen der Exposition durch Industrie- bzw. Umweltgerüche und subjektiven Reaktionen gezeigt und Prädiktoren dieser Wirkungen identifiziert werden. Damit wurde belegt, daß das Konzept der Geruchsstunde geeignet ist, Belästigungsreaktionen vorherzusagen. In diesen Untersuchungen erklärte die Geruchsbelastung lediglich 6 bis 11% der Reaktionsvarianz, was mit den Ergebnissen von Cavalini (1992), der Ausbreitungsmodelle verwendete, vergleichbar ist. Durch die Geruchsbelastung kann deutlich weniger Varianz erklärt werden als durch den Schallpegel in der Lärmwirkungsforschung, der auf individueller Basis etwa 20 bis 25% der Reaktionsvarianz aufklärt (Guski, 1987). Die Ergebnisse der dritten Untersuchung in Nettetal deuten jedoch darauf hin, daß bei sehr hohen Belastungen individuelle Unterschiede abnehmen, da in dieser Untersuchung etwa 60% der Varianz der Belästigungsreaktion durch die Entfernung vom Emittenten erklärt werden konnte. Neben diesen Belästigungsreaktionen können Geruchsbelastungen auch mit sozio-emotionalen und verhaltensbezogenen Wirkungen verbunden sein, die sich jedoch nur in Duisburg signifikant nachweisen ließen und durch die Belästigung mediiert wurden. Dies steht im Einklang mit anderen Untersuchungen, die auch nur einen indirekten Zusammenhang zwischen der Geruchsbelastung und diesen Wirkungen feststellten (Pfeiffer et al., 1990; Cavalini, 1992). Bei extrem starker Belastung sind Geruchsbelastungen dagegen mit geruchsspezifischen somatischen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Ekel, die sich nicht auf die Belästigung zurückführen lassen, verbunden. Darüber hinaus wurden auch vermehrt unspezifische somatische Symptome wie Magenbeschwerden und körperliches Unwohlsein genannt. Diese Befunde zeigen, daß Geruchsbelastungen auch mit über die Belästigung hinausgehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbunden sein können. Dies wurde auch durch andere Untersuchungen bestätigt (National Academy of Sciences, 1979; Winneke & Kastka, 1984; Neutra et al., 1991).

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Copyright information

© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1997

Authors and Affiliations

  • Brigitte Steinheider

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