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Gesellschaftliche Ordnung, staatliche Regelung und kollektive Arbeitsbeziehungen im Wandel: Die Entwicklung seit den siebziger Jahren

  • Wolfgang-Ulrich Prigge
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Part of the DUV Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Bis zum Ende der siebziger Jahre war es in Belgien gelungen, die Akteure der Arbeitsbeziehungen erfolgreich in eine gesellschaftliche Konfliktregelung einzubinden. Diese Einbindung gelang vor allem auf der Grundlage einer staatlichen Steuerung, die den in Säulen eingebundenen Richtungsgewerkschaften auf dem Wege der Bestimmung von Repräsentativität weitreichende Kompetenzen und Privilegien einräumte.

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Literatur

  1. 55.
    Hellemans verweist auf den CVP-Slogan: „Gemeinschaftlichkeit ... omdat mensen belangrijk sijn“ (1990: 237); vergl auch Vanderstraeten, der die Betonung solcher „Formen der Wertegeneralisierung zur Instandhaltung ... der verschiedenen Säulen“ als Versuch interpretiert, eine theoretisch konsistente Erklärung im Rahmen der Versäulungstheorie zu leisten (1999: 303).Google Scholar
  2. 56.
    Hellemans zufolge verlegen sich die Organisationen „... op de professionalisering en op de uitbreiding en anpassing van het dienstaanbod...“ (1990: 234) Somit entsteht in Belgien eine cliëntelistische binding, die im gesamten „corporatieve kanal (onderwijs, gezondheidszorg, vakbondswerking)“ anzutreffen ist.Google Scholar
  3. 57.
    Hellemans verwendet ebenfalls die Bezeichnung neo-zuilen, um auf die Veränderungen in den Interorganisationsbeziehungen innerhalb der (ehemaligen) Säulen aufmerksam zu machen.Google Scholar
  4. 58.
    „black box van de canapé-politick“ (Huyse 1987: 51)Google Scholar
  5. 59.
    Vanderstraeten macht in seiner „funktionalen Analyse“ (1999: 310) zwar auf ähnliche Prozesse aufmerksam, ist aber der Ansicht, daß die in Säulen zusammengefaßten Organisationen zunehmend ihre Autonomie beanspruchen und auch gegen die Säulen durchsetzen. Die „Enttraditionalisierung“ sei durch „Wertegeneralisierung“ nicht aufzuhalten. Nur bei professionellen Dienstleistungen biete sich noch die Möglichkeit, einer ideologischen Färbung, weil sie einen direkten Kontakt zwischen Trägern von Leistungsrollen (Professionellen) und Komplementärrollen (Laien, Klienten) voraussetzten. Allerdings verselbständigten sich die Träger von Leistungsrollen im Zuge ihrer Professionalisierung. Ebenso entzögen sich andere Funktionssysteme (Wirtschaft, Wissenschaft) dem Zugriff der Säulen, weil sie eine andere „operationale Logik“ aufwiesen. Vanderstraeten veranschaulicht seine Ausfiihrungen am Beispiel der katholischen Säule. Für eine Auseinandersetzung zwischen einer „funktionalen Analyse“ und der „Versäulungstheorie“ wäre eine Untersuchung weiterer Säulen hilfreich. Dies gilt insbesondere für die These von der unzureichenden Kontrollierbarkeit wirtschaftlicher Funktionssysteme durch säulenspezifische Regelungsformen.Google Scholar
  6. 60.
    Die unterschiedliche Betroffenheit der verschiedenen Landesteile durch die Wirtschaftskrise resultierte aus der unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur der Landesteile, auf die bereits hingewiesen wurde. Die vorrangig in Wallonien ansässigen Industriezweige (Bergbau, Stahlindustrie und metallverarbeitende Industrie) wurden von der Krise besonders nachhaltig getroffen. Flanderns Wirtschaft konnte den Krisensymptomen besser begegnen. Sie erlangte eine größere wirtschaftliche Bedeutung als die Wirtschaft Walloniens: „... la Flandre devenait la première région industrielle dans le cadre national, offrant en fm de compte un profil plus diversifié que la Wallonie“ (Mabille 1997: 371).Google Scholar
  7. 61.
    „communauté de destin économique“ (Mabille 1997: 373)Google Scholar
  8. 62.
    So stellt Rudd fest, daß sich die wirtschaftliche und die sprachlich-kulturelle Konfliktlinie teilweise überlagern und hieraus ein Wandel in der Rangordnung der Konfliktlinien resultiert „... a partial coincidence of the economic and community cleavages ... a change in the cleavage configuration ... a change in the hierarchy of salient cleavages“ (1986: 136 u. 139).Google Scholar
  9. 63.
    Die wallonische Sammlungsbewegung rassemblememant wallon war in den siebziger Jahren die zweitstärkste politische Kraft Walloniens (vergl. Mabille 1997: 369).Google Scholar
  10. 64.
    insbesondere in den Jahren von 1971 und 1993Google Scholar
  11. 65.
    Erst 1989 wurde vor allem auf Druck von wallonischer Seite eine regionale Differenzierung für Wallonien und Flandern vorgenommen, die 1998 durch eine gleiche Einrichtung fir Brüssel ergänzt wurde (vergl. Arcq/Blaise 1999: 16).Google Scholar
  12. 66.
    „a pu rendre convergent l’intérêt que trouvent les deux organisations à agir ensemble“ (Arcq/Blaise 1986: 23)Google Scholar
  13. 67.
    nach: Vilrolcx / Van Leemput 1992: 368 und van Haegendoren/Vandenhove 1983: 655Google Scholar
  14. 68.
    Dieser Maßnahme werden allerdings kaum begrenzende Wirkungen für die Lohnzuwächse zugesprochen, weil die Löhne im Anschluß an die Sperrfrist um so stärker stiegen (Dancet 1986: 120 und Delattre 1991: 66)Google Scholar
  15. 69.
    vergl. auch: Blaise (1986: 29) „L’accord en lui-même ne contient pas de mesures contraingnantes“.Google Scholar
  16. 70.
    Die Vereinbarungsinhalte waren ferner — so ihre Befürworter aus den Reihen der Gewerkschaft — auch ohne normative Verbindlichkeit dazu geeignet, die solidaritätstiftende („klassentheoretische”) Funktion der Gewerkschaften zu belegen.Google Scholar
  17. 71.
    „de bâton derrière la porte” (Delattre 1991: 68)Google Scholar
  18. 72.
    Diese Vereinbarungen enthielten Mindestlohnregelungen, Unterstützungsleistungen für Arbeitslose, Regelungen zur Lohnfortzahlung im Urlaub und zur Finanzierung von beschäftigungsfördernden Maßnahmen.Google Scholar
  19. 73.
    „divisions reportedly emerging between the conciliatory Flemish regional organisations and the more ‘hardline’ Walloon structures” (EIRR 270 1996: 5)Google Scholar
  20. 74.
    „in voorarrest” (1995b: 211) bzw. in preventive custody” (Vilrokx/van Leemput 1998: 336)Google Scholar
  21. 75.
    „huisarrest” (1995b: 212) bzw. “under house arrest” (Vilrokx/van Leemput 1998: 337)Google Scholar
  22. 76.
    By its intervention, the government notified the social partners that bipartite global framework agreements had had their day and that ad hoc approaches were to be preferred” (Vilrokx/van Leemput 1998: 341).Google Scholar
  23. 77.
    vergl. in diesem Sinne auch schon Bleeckx. Dieser beobachtete und prognostizierte bereits 1985 “un double changement du modèle dominant”, welcher in einer Vergrößerung der staatlichen Entscheidungskompetenz und einer stärkeren Bedeutung der betrieblichen Regelungsebene zum Ausdruck komme (1985: 50).Google Scholar
  24. 78.
    Van Ruysseveldt/Visser bestätigen die Aussage über die zunehmende Bedeutung der Unternehmensebene fir die Regelung der Arbeitsbezeihungen: “During the 1980s Belgian industry-level agreements relied increasingly on extensive and detailed elaboration at the company level” (1996: 244). Die Verantwortung hierfür schreiben sie vorrangig der Regierung zu: “Decentralization of industrial relations has been encouraged primarily by the government, and less so by employers’ associations” (1996: 244). Statistischen Angaben zufolge nahm die Anzahl der auf der Betriebs- und Unternehmensebene erzielten Vereinbarungen tatsächlich erheblich zu. Die staatlichen Interventionen haben hierzu beigetragen, weil die vom Staat geforderten Regelungsinhalte, also etwa die Vereinbarung beschäftigungsfördernder Maßnahmen, eine dezentrale Regelung nahelegten (zur Anzahl der auf den verschiedenen Verhandlungsebenen erzielten Abschlüsse vergl.: van RuysseveldtNisser 1996: 243; zum Anteil der von den Vereinbarungen auf den unterschiedlichen Ebenen jeweils betroffenen Arbeitnehmer vergl.: EIRR 183 1989: 25 sowie 192 1990: 18).Google Scholar
  25. 79.
    Diese Aussage bestätigen Arcq/Blaise: “La CSC paraît s’être adaptée plus tôt à l’évolution des mentalités en consacrant davantage d’efforts à l’efficacité des aspects ‚services’ parallèlement au rôle militant ou revendicatif de l’action syndicale” (1999: 19).Google Scholar
  26. 80.
    Solche grundsätzlichen Einstellungen zur Art und Weise gewerkschaftlicher Einflußnahme sind sicherlich auch darauf zurückzuführen, daß die christlichen Parteien fast immer zu den Regierungsparteien gehörten, während die sozialistischen Parteien — im Falle einer Mitte-Rechts-Regierung aus Christdemokraten und Liberalen — in der Opposition standen. Die Vertreter der christlichen Gewerkschaften hatten also immer Ansprechpartner in der Regierung und konnten auf Einflußkanäle zu wichtigen Regierungsstellen zurückgreifen.Google Scholar
  27. 81.
    “un vrai sens de l’État” (Beaupain 1984a: 38)Google Scholar
  28. 82.
    “le principe de négociation volontaire des conventions collectives et de l’autonomie des interlocuteurs sociaux en la matière” (Cypres 1988: 42)Google Scholar
  29. 83.
    vergl. bereits Holthuys: “Met de regering en de eigen vrienden in die regering diende het ACV te onderhandelen om de liberale overdrijvingen en de on aanvaardbare besparingen te milderen of weg to werken” (1988: 464).Google Scholar
  30. 84.
    Allerdings war diese Vorgehensweise auch innerhalb der christlichen Gewerkschaften umstritten. Die christliche Gewerkschaft Centrale Nationale des Employés (CNE) weigerte sich, der Gewerkschaftszentrale weiterhin Verhandlungsvollmacht zu erteilen und stellte sogar die Zusammenarbeit mit Einzelgewerkschaften der sozialistischen Gewerkschaften (Centrale Générale des Services Publics (CGSP) und Centrale des Métallurgistes de Belgique (CMB) in Aussicht, um Demonstrationen gegen die Regierungsvorlage zu organisieren (vergl. Arcq 1993c: 27f.).Google Scholar
  31. 85.
    vergl. in diesem Sinne auch die Beurteilung durch die beiden ehemaligen Vorsitzenden der christlichen und der sozialistischen Gewerkschaften Houthuys (1988: 456) und Debunne (1988: 168f.).Google Scholar
  32. 86.
    nach: Neuville 1973: 15; Arcq/Neuville 1987; 24; Arcq 1993b: 27Google Scholar
  33. 87.
    Bei den Wahlen zu den CPPT ist eine ähnliche Entwicklung festzustellen. Arc/Blaise betonen, daß die Wahlen zum CPPT im Jahre 1995 eine (fast) kontinuierliche Entwicklung fortgesetzt hätten: “Si l’on replace les résultats de 1995 dans l’évolution des élections qui se sont déroulées depuis 1958 ... on constate que les tendances antérieures se confirment. À l’exception du scrutin de 1983 ... la CSC améliore son score à chaque élection tandis que la FGTB régresse à chaque fois” (1999: 20).Google Scholar
  34. 88.
    vergl. auch schon Plater: “De evolutie van de vakbeweging in ons land heeft wellicht als meest bijzonder kenmerk dat een aanvankelijke minderheidsvakbond als het ACV is uitgegroeid tot een meerderheidsvakbond en dit ten nadele van de sociaal-demokratische vakbeweging (ABVV), die in alle ons omringende landen veruit de meerheidsvakbeweging vomit en blijft vormen.” (1987: 11)Google Scholar
  35. 89.
    vergl. hierzu Mabille 1997: 433ff. mit einer Zusammenfassung von “l’affaire Dutroux-Nihoul et consorts et ses dévelopments” und von “les affaires Agusta et Dassault” sowie: Martiniello/Szwyngedouw 1998, Cartuyels u.a. 1997; Schumer 1997; Pickels/Sojcher 1998Google Scholar
  36. 90.
    vergl. etwa die Beiträge der niederländischen Sozialwissenschaftler de Man 1996 und Blockmans 1997Google Scholar
  37. 91.
    vergl. insbesondere Mabille 1997: 433 mit seiner Warnung vor einem “amalgam” eigentlich unterschiedlicher Problemstellungen sowie Huyse 1996a und 1996bGoogle Scholar
  38. 92.
    Der Anteil der ausländischen Investitionen belief sich im Jahre 1990 für Belgien auf 54%, für die Bundesrepublik Deutschland auf 13%.Google Scholar
  39. 93.
    Verstärkend wirkt das Stimmenverteilungssystem nach D’Hondt. Es begünstigt den ersten, auch wenn er an Stimmen verloren hat. Deshalb — so Huyse — führt diese”algebra-op-zijn-Belgisch” (1996a: 15) dazu, daß die Partei, die nur ein Drittel der Stimmen auf sich ziehen konnte, in Gremien und Ausschüssen die Hälfte der relevanten Positionen besetzt.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Wolfgang-Ulrich Prigge

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