Advertisement

Belgien: Gesellschaftliche Ordnung, staatliche Regelung und kollektive Arbeitsbeziehungen

  • Wolfgang-Ulrich Prigge
Chapter
Part of the DUV Sozialwissenschaft book series (DUVSW)

Zusammenfassung

Zunächst sollen einige Besonderheiten des Staats- und Gesellschaftsaufbaus in Belgien vorgestellt werden. Diese bilden den Rahmen fir die Darstellung der kollektiven Akteure der Arbeitsbeziehungen und für die daran anschließende Darstellung der Zielsetzungen, Instrumente und Wirkungen der staatlichen Interventionen in die kollektiven Arbeitsbeziehungen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 22.
    Fast 60% der Bevölkerung Belgiens sprechen niederländisch als erste Sprache, 40% französisch und nur 0,6% deutsch (vergl. Rochtus 1998:4). Im Rahmen dieser Untersuchung kann die deutschsprachige Gemeinschaft weitgehend vernachlässigt werden.Google Scholar
  2. 23.
    Vanderstraeten weist weiterhin darauf hin, daß die Bemühungen um die Wiederherstellung gesellschaftlichen Einflusses mit einer “katholischen Bewegung” verbunden waren. Diese stand unter dem Banner des auf den heiligen Stuhl bezogenen “Ultramontanismus” (1999: 299), also einer “religiösen Protestbewegung ... nicht nur in Konflikt mit dem modernen Staat, sondern auch mit allen Exponenten der Modernität: Mit dem Liberalismus, dem Sozialismus, den Freimaurern, der Demokratie”. (1999: 299). Die “... zunehmenden ideologischen Spannungen bildeten das Sprungbrett für den ‚Vereins-Katholizismus ‘, für die Bildung einer katholischen Säule. ... Der ultramontane Leitspruch ‚omnia instaurare in Christo ‘, jedes Gebiet des Lebens nach katholischen Prinzipien einzurichten, wurde tatsächlich umgesetzt”. Der “Vereins-Katholizismus” erhielt die Rückendeckung der katholischen Hierarchie (Klerus und Adel) und fand tatkräftige Unterstützung durch die Religiosen (1999: 300).Google Scholar
  3. 24.
    als katholische Wähler und Gewählter, als katholische Erwerbstätige, als katholische Lehrende und Lernende, als katholische Konsumenten, als katholische Rentner etc.Google Scholar
  4. 25.
    “... het zelf ekozen isolement in eigen scholen, ziekenhuisen vakbonden, politieke partij, jeugdbewegingen, wek- en dagbladen, sportclubs, cultuurverenigungen, bibliotheken” (Huyse 1987: 14).Google Scholar
  5. 26.
    zu neueren Fusionen einzelner Branchengewerkschaften der ACV/CSC vergl.: European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions 1998a: 5. Arcq / Blaise machen darauf aufmerksam, daß sich die großen belgischen Gewerkschaften durch zahlreiche Fusionen immer mehr zu Multi-BranchenGewerkschaften entwickeln. Auf diese Weise nimmt die innere Heterogenität. der Gewerkschaften zu. Auffällig ist, daß sowohl die christlichen Gewerkschaften als auch die sozialistischen Gewerkschaften über eigenständige Angestelltengewerkschaften verfügen und in allen drei Gewerkschaftsbünden (christlich, sozialistisch, liberal) die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes weiterhin in separaten Gewerkschaften organisiert sind (1999: 13f.).Google Scholar
  6. 27.
    vergl. für die niederländisch-sprachigen Gebiete ausführlich: van Haegendoren/Vandenhove 1,2 und 3 1985 sowie Govaert 1991 und neuerdings Voyé/Dobbelaere 1997 mit weiteren Einzelheiten zum Organisationsaufbau und dessen Wandel.Google Scholar
  7. 28.
    “Dans les circonstances actuelles un syndicat qui n ‘est pas affilié à une grande organisation nationale peut difficilement se maintenir, encore moins progresser. Le seul fait qu ‘il ni soit pas représenté dans les commissions officielles, qu ‘il puisse difficilement pénétrer dans les Conseils d ‘entreprise est un grave handicap” (Chlepner 1958: 270).Google Scholar
  8. 29.
    zu neueren Fusionen einzelner territorialer branchenübergreifender gewerkschaftlicher Zusammenschlüsse innerhalb des sozialistischen Gewerkschaftsbundes ABVV/FGTB vergl.: European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions 1998a: 5Google Scholar
  9. 30.
    Eine interne Differenzierung erfährt die liberale Gewerkschaft lediglich dadurch, daß die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in einer eigenständigen Gewerkschaft, dem Vrij Syndicaat van het Openbaar Ambt (VSOA) bzw. dem Syndicat Libre de la Fonction Publique (SLFP) zusammengeschlossen sind. Ferner sind 1989 in Wallonien und Flandern und 1998 in Brüssel regionale Untergliederungen der liberalen Gewerkschaft eingerichtet worden. (vergl.: Arcq / Blaise 1999: 16)Google Scholar
  10. 31.
    Im Jahr 1977 wurde eine separate wallonische liberale Partei (Parti des Réformes et da la Liberté de Wallonie) — PRLW — gegründet, die 1979 in der Parti Réformateur Libéral (PRL) aufging. Die PRL führte die französisch-sprachigen Liberalen Walloniens und Brüssels zusammen. Sie bestand neben der flämischen PVV, die ihrerseits im Jahr 1992 unter dem starken Einfluß ihres Präsidenten Guy Verhofstadt in die VLD (Vlamse Liberale Democraten — Partij van de Burger) transformiert wurde (vergl.: CRISP 1999: 4).Google Scholar
  11. 32.
    Dieses werten Arcq/Marques-Pereira als Ausdruck einer möglicherweise fehlenden Übereinstimmung im Detail (1991: 172).Google Scholar
  12. z3 organisation d ‘un système généralisée de protection sociale basé sur l ‘ouverture d ‘un droit universel et sur le financement par tranfer(t)” (Arcq/Marques-Pereira 1991: 172)Google Scholar
  13. 34.
    “consulter signifie demander ou recevoir un avis” (Arcq 1993a: 19)Google Scholar
  14. 35.
    Liegt diese Bedeutungsform zugrunde wird zumeist von “tripartistische Konzertierung” gesprochen.Google Scholar
  15. 36.
    Seit 1996 trägt dieser Ausschuß die Bezeichnung comité voor bescherming en preventie op het werk (CPBW) bzw. comité pour la protection et la prévention du travail (CPPT) (vergl. Arcq / Blaise 1999: 19).Google Scholar
  16. 37.
    Im deutschen findet sich zumeist die Übersetzung “Betriebsrat”. Zuweilen wird auch die Bezeichnung “Betriebsausschuß” gebraucht, um den Unterschied zum Betriebsrat zu betonen, wie er auf der Grundlage des Betriebsverfassungsgesetzes in der Bundesrepublik Deutschland eingerichtet wird (vergl. Verly 1993: 23).Google Scholar
  17. 38.
    “halvering van de patronale macht” (Vilrokx 1995b: 206)Google Scholar
  18. 39.
    Vilrokx und Oste skizzieren den Aufbau der Verhandlungspyramide folgendermaßen. Hierbei bezeichnen sie die Zentralvereinbarungen als “intersektorale Abkommen”: “Nach der Unterzeichnung der intersektoralen Abkommen auf nationaler Ebene kommt es demnach in hierarchischer Abfolge zu Tarifverhandlungen auf sektoraler und betrieblicher Ebene. Zunächst werden die Ergebnisse der intersektoralen Abkommen entweder im Rahmen des bipartistisch zusammengesetzten Nationalen Beschäftigungsrats zu Vereinbarungen für die gesamte belgische Volkswirtschaft weiterentwickelt oder durch gesetzliche Initiativen der belgischen Regierung verallgemeinert. Im Anschluß daran kommt es zu sektoralen Tarifverhandlungen, die im Rahmen von gemeinsamen Branchenausschüssen geführt werden” (1999: 55f.).Google Scholar
  19. 40.
    vergl. auch Alen (1984: 237), der die in der niederländisch-sprachigen Literatur gebräuchliche Bezeichnung onderaanneming verwendet, die der Kennzeichnung der exekutiven Funktionsübertragung vom Staat an die mit den Richtungsgewerkschaften verbundenen Sozialversicherungsträger dient.Google Scholar
  20. 41.
    Alen spricht demzufolge von einem “voordrachtmonopolie” der repräsentativen Gewerkschaften (1984: 64).Google Scholar
  21. 42.
    In der Literatur sind solche Vereinbarungen insbesondere für die Tarifvertragsabschlüsse in den Jahren 1989/90 und 1993/94 nachgewiesen. Entsprechende Regelungen erstreckten sich insbesondere auf die Metallverarbeitung, die Nahrungsmittel- und Textilindustrie sowie auf die Ölverarbeitung (vergl. EIRR 192 1990: 19ff. und EIRR 240 1994: 19). Ebenso betonen Arcq/Blaise: “Le système des primes réservées aux seuls syndiqués dans la plupart des secteurs et dans les services publics fait que l ‘affiliation réduit fortement le coût financier de l ‘affiliation” (1999: 18).Google Scholar
  22. 43.
    Die Höhe dieser Aufwendungen entspricht in der chemischen Industrie etwa der Höhe der Rückerstattungsbeiträge für Aufwendungen für Gewerkschaftsmitgliedschaft (3.500 BF pro Person).Google Scholar
  23. 44.
    Eine Ausnahme bildeten die Verbände der Angestellten. Diesen wurde eine (eingeschränkte) Repräsentativität zugebilligt.Google Scholar
  24. 45.
    „Het gaat dus niet om een monopolie. Het gaat om de bescherming tegen sommige arbeiders die, zoals het bijvoorbeeld in Frankrijk gebeurt, het algemeen belang negeren en een neiging vertonen om het corporatieve belang to dienen, door zulke verenigingen te stichten“ (Parl. Hand. vom 24 juni 1948, zit. nach Alen 1984: 63). Vergl. auch die Stellungnahmen der beiden großen Gewerkschaftsbünde ACV/CSC und ABVV/FGTB, die darin übereinstimmen, daß die Mitgliedschaft in einer branchenübergreifenden Vertretung eine notwendige Vorbedingung für die Anerkennung von Repräsentativität sein soll (Alen 1984: 209 und 211).Google Scholar
  25. 46.
    vergl. auch: Garsou/van den Hove 1985: 177ff. Diese Definition wurde in die gesetzlichen Bestimmungen aufgenommen.Google Scholar
  26. 47.
    Zur gewerkschaftlichen Organisation der Angestellten vergl. im einzelnen: Arcq/Blaise 1985.Google Scholar
  27. 48.
    „L ‘organisation la plus représentative des cadres doit pouvoir conclure, même au niveau interprofessionel, des conventions collectives concernant les intérêts spécifiques des cadres“ (so: infocadre zit. nach Arcq/Blaise 1985: 37).Google Scholar
  28. 49.
    vergl. hierzu mit ausführlichen Dokumenten: Alen 1984 Anhang; sowie Desolre 1987: 153ffGoogle Scholar
  29. 50.
    Zur Forderung nach Transparenz bei der Bestimmung und Anwendung von Repräsentativitätskriterien vergl. auch Vandewattyne 1991: 32.Google Scholar
  30. 51.
    Vijf behoorlijk ‚successvolle ‘ treinstakingen op één jaar zijn niet voldoende om de Onafhankelijke Vakbond van het Spoorwegpersoneel te erkennen” (Dewachter 1992: 144).Google Scholar
  31. 52.
    Die zuletzt genannte Begriffsbestimmung liegt zugrunde, wenn Mampuys die Entwicklung der zwischengewerkschaftlichen Beziehungen der sechziger Jahre beschreibt als eine Entwicklung „de l ‘unité d ‘action au front commun syndical” (1994: 251).Google Scholar
  32. 53.
    Ruysseveldt/Visser 1996: 231Google Scholar
  33. 54.
    Vergl. in diesem Sinne auch Pasture : „... jusqu ‘en 1958, les affrontements confessionnels empêchent les questions linguistiques de diviser réellement le mouvement ouvrier chrétien. La conclusion du Pacte Scolaire fait tomber cette ‘protection” (1994c : 310).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Wolfgang-Ulrich Prigge

There are no affiliations available

Personalised recommendations