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Historische Übersicht bis 1906

  • G. L. de Haas-Lorentz

Zusammenfassung

Mit der eigentümlichen Bewegung, welche kleine, in Flüssigkeiten oder Gasen schwebende Teilchen zeigen, ist der Name des englischen Botanikers Robert Brown verbunden, der sie vor fast einem Jahrhundert ausführlich beschrieben hat1). Er beobachtete die Erscheinung zuerst, als er den Blütenstaub verschiedener Pflanzen untersuchte. Bringt man diesen in Wasser, so löst sich aus den Körnern eine große Zahl kleiner Teilchen, welche fortwährend in Bewegung sind, eine Erscheinung, die auch schon von früheren Forschern wahrgenommen worden war2). Der erste Eindruck, den das unregelmäßige Wimmeln der Teilchen machte, mußte wohl der des „Lebens“ sein. Daß diese Anschauung jedoch nicht richtig sei, sah Brown schon bald ein, da nicht nur der Blütenstaub lebender Pflanzen, sondern auch der von Pflanzen, die ein Jahrhundert oder länger im Herbarium aufbewahrt worden waren, die nämliche Bewegung zeigte. Nicht nur beim Blütenstaub beobachtete Brown die Erscheinung, sondern auch bei anderen feinen, von Pflanzen herrührenden Teilchen, z. B. bei den Sporen verschiedener Moose. Zu jener Zeit waren viele Naturforscher der Meinung, alle organischen Substanzen seien aus Molekülen ein und derselben Art aufgebaut, und es ist also begreiflich, daß Brown in den beweglichen Teilchen jene „Urmoleküle“ aller organischen Materie zu sehen glaubte. Daß er die Bewegung bei ganz verschiedenen pflanzenartigen Stoffen, wie bei Steinkohle und bei Ruß aus den Londoner Schornsteinen wiederfand, war wohl geeignet, ihn in dieser Meinung zu bestärken. Bei Beobachtungen an versteinertem Holz sah er jedoch soviel bewegliche Teilchen, daß es ihm schien, das Vorkommen der Urmoleküle könne nicht auf die organische Materie beschränkt sein. Um hierüber weiteren Aufschluß zu gewinnen, untersuchte er auch zahlreiche Mineralien und sogar Substanzen ganz verschiedener Art und Herkunft, vom gewöhnlichen Glas bis zum Granit einer ägyptischen Sphinx. Sie alle zeigten bei genügend feiner Verteilung die Bewegung, und Brown wurde also zu der Meinung geführt, daß alle Materie aus Urmolekülen zusammengesetzt sei.

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Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1913

Authors and Affiliations

  • G. L. de Haas-Lorentz

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