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Die Homerische Gleichnisbildung

  • Günther Jachmann
Chapter
Part of the Wissenschaftliche Abhandlungen der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen book series (WISSABHAGFO, volume 5)

Zusammenfassung

An die Spitze unserer im Obigen (S. 223) angekündigten Erörterung über die Kunstregeln des homerischen Gleichnisses sei ein Paar von Alternativ- bzw. Kumulativgleichnissen gestellt, d. h. solchen, in denen eine Mehrzahl von ungleichen Dingen zu homoiomatischer Verwendung gelangt. Dabei haben wir nicht Fälle im Auge, wie sie in der heutigen Literatur unter der vagen Bezeichnung „Oder-Gleichnis“ umlaufen, also Stellen wie etwa B 459 ff., wo die unter mächtigem Geräusch aufrückenden Heerscharen mit laut schwirrenden Vogelscharen, nämlich Gänsen oder Kranichen oder Schwänen, verglichen werden, oder P 20 ff., wo das prahlerisch-überhebliche Hochgefühl von Helden über den wilden Mut des Panthers, des Löwen, des Ebers gestellt wird. In solchen Fällen handelt es sich ja lediglich um homogene Unterarten oder Teile einer in übergeordnetem Sinne einheitlichen Gattung oder Gesamtheit, nicht um eine Mehrheit von nicht allein ungleichen, sondern auch ungleichartigen Dingen oder Wesen. Derlei scheidet gemäß der präzisierenden Spezifikation, die wir erstmals hier vorzunehmen uns genötigt sahen, von selbst aus. Wohl aber haben wir ein Oder-Gleichnis im eigentlichen Sinne vor uns 0 605, wo Hektor gegen die Feinde wütet wie Ares oder wie Feuer in einem Bergwalde wütet.

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Reference

  1. 44.
    Dementsprechend heißt es denn S. 108 von der Stelle E 394ff., es seien dort drei Sinnbilder des Angriffs nebeneinander gestellt, nämlich die Meeresbrandung, das Feuer, der Sturm, während in Wahrheit kein einziges Sinnbild des Angriffs vorliegt, sondern alle drei genannten Faktoren einhellig und ausschließlich die Stärke des Lärmes vorstellig machen, welcher das Aufeinanderprallen der Heere begleitet.Google Scholar
  2. 45.
    Erneut sei gerade auch auf den Zugangssatz (392/3) und den So-Satz (400/1) hingewiesen, in welch letzterem die „Stimme“ vom begleitenden Attribut (so 393) zum regierenden Subjekt (400) aufgerückt ist: ganz folgerecht entsprechend ihrer zentralen und konzentrierenden Stellung innerhalb des eigentlich homoiotischen Teils (394–399).Google Scholar
  3. 46.
    S. 18 bei der symbolistischen Überdeutung des Gleichnisses B 209f.Google Scholar
  4. 47.
    Noch stärker ist des Apollonios Rhodios Zurückhaltung gegenüber dem mehrteiligen Gleichnisbau. Bei ihm findet sich, wenn ich recht sehe, ein Kumulativgleichnis überhaupt nicht und ein wirkliches Alternativgleichnis nur ein einziges Mal: IV 214ff., wo die sich versammelnden Kolcher ihrer Menge nach verglichen werden mit Meereswogen, wie sie bei winterlichem Sturm sich erheben, oder mit Baumblättern, wie sie zu herbstlicher Zeit im Walde herniederfallen. Hingegen uneigentliche Oder-Gleichnisse begegnen vom dritten Buch ab mehrmals, so etwa III 1375 (wie Fichten oder Eichen), IV 1452 (wie Ameisen oder Fliegen). Vollends ein uneigentliches Alternativgleichnis ist IV 1280ff., seiner Struktur nach genau analog dem eingangs charakterisierten homerischen B 459ff.: dem hier ausdrücklich genannten einheitlichen Gesamtbegriff der Vögel entsprechen bei Apollonios die Stadtbewohner, die auf unterschiedliche Weise verängstigt sein können.Google Scholar
  5. 48.
    Vgl. Heinze,Virgils epische Technik S. 204 Anm. 1. 248.Google Scholar
  6. 49.
    So Wilamowitz Heimk. d. Odyss. 130 Anm. 1. Vgl. Fränkel S. 70, Marzu11o Probi. orner. p. 344.Google Scholar
  7. 50.
    Die genannte kritische Feststellung wurde zuerst getroffen von Richard Franke,dann aufgenommen von Düntzer,Hom. Abh. 490 (wo er insbesondere den genannten Widerspruch gebührend betont), von IFilamowitz, Il. u. Horn. 152 und von Schwartz, Ausg., von letzterem mit nicht ganz richtiger Abgrenzung der Variantfassung, insofern er dieselbe mit V. 724 (statt inmitten von 723) beginnen und mit dem Schluß des V. 736 (statt in seiner Mitte) enden läßt. Dadurch gerät 7ri1p (737) aus der wohlangemessenen Vergleichung mit 7r r6Arr.oç (736) in die weit weniger gute mit aaóç (723), und undypioç (737), das sich so trefflich zu 7rt6Xzt.oç (736) schickt (man denke etwa an die Junktur µwaoç (Ycypaoç), soll Epitheton zu),Œk (723) werden. Dieser sonderbare Rückschritt hinter einsichtige Vorgänger entspringt bei Schwartz offenbar einer Abneigung gegen das, was wir Binneninterpolation nennen, welche Erscheinung anzuerkennen er doch etwa in E 604/5 nicht umhin konnte. Als unantastbar stellt die gesamte Partie Schadewaldt,Iliasstudien 152 Anm. 3 hin. Wir hatten bereits in anderem Zusammenhange (S. 73 Anm. 96) Anlaß, von ihr zu sprechen.Google Scholar
  8. 51.
    Hierfür begnüge ich mich anmerkungsweise mit einem Beleg, für den ich mich auch auf einen anderen Beurteiler berufen kann. Fränkel S. 71 wertet als eine Art Musterbeispiel für eine in seltener Genauigkeit durchgeführte Parallele das Bienengleichnis B 87ff. Dort entsprechen, wie er sagt, die geschlossenen Bienenschwärme, die, immer neu aus hohlem Felsen hervorquellend, auf verschiedenen Wegen alle der Wiese zustreben, den in sich geschlossenen Menschenschwärmen, die aus den (hohlen) Schiffen und Unterständen hervorströmend zum Versammlungsplatz eilen. Bleibe nun beiseite, daß die Mannen nicht aus, sondern von den Schiffen her kommen und daß schon die Parallelisierung mit dem hohlen Felsen gesucht und unberechtigt ist — der Haupteinwand ist dieser: die Heerscharen kommen aus dem weiten Raum des Schiffslagers herbei und versammeln sich auf der âyopi, von der wir auch sonst in der Ilias hören; die Bienen dagegen fliegen aus dem einen Felsspalt heraus und zerstreuen sich beliebig hierhin und dorthin ire ävOea.v eiapvoéaLv (89), keineswegs also einer bestimmten Wiese zustrebend, und selbst dies wäre ja ein weites Auseinander gegenüber dem engen Beisammen in der Felsenhöhlung. Auf diesen Zwiespalt zwischen Bild und Sache hat erstmals aufmerksam gemacht F. Müller,Neue Jahrb. f. Ant. 4 (1941) 176, wo er anhand dieser, von Apollonios Arg. I 879ff. abwandelnd verwerteten, Parabole die lockere Gleichnisbildung Homers in ihrem Unterschied von der strafferen des hellenistischen Epikers herausstellt. Was an der Homerstelle als Vergleichspunkt zu betrachten ist, das steht in den Kommentaren zu lesen.Google Scholar
  9. 53.
    Wohl entsprechen die Wellen den Schlachtreihen, jedoch nicht im Sinne einer Gleichsetzung über den eigentlichen Gleichniszweck hinaus. Wenn der Dichter also sagt xúµa xopúaaerae (424), so mag ihm dabei das behelmte Heer in lockerer Weise mit vorgeschwebt haben, doch kommt dem keinenfalls ein so hohes Gewicht zu wie Fränkel ihm beimißt. Erstens nämlich findet sich dieses Verbum auf xúµa angewendet auch außerhalb eines Gleichnisses (I 306), und zweitens folgt an unserer Stelle alsbald eine bildhafte, und zwar ganz singuläre, Ausdrucksweise, welche streng genommen mit der vorigen unvereinbar wäre: (xúµa) xopucpoú-rae (426). Demnach haben wir in alledem eher Metaphern als Homoiomata vor uns.Google Scholar
  10. 54.
    Mit Recht hat man darin ein Bild der Wellenbewegung in drei Akten erblickt: Ameis-H., Anhang zu V. 426.Google Scholar
  11. 55.
    Vgl. etwa F 10.Google Scholar
  12. 56.
    So Fränkel S. 38.Google Scholar
  13. 57.
    Von vergleichstörenden und gegensätzlichen Zügen in Gleichnissen spricht auch Fränkel S. 105 f., leider jedoch will er manchem Gleichnis als solchem, d. h. seinem eigentlichen Gehalt nach, eine kontrastierende Kraft zuerkennen. Wie die Grundlagen dieser paradoxen Tendenz beschaffen sind, das sei hier an einem ersten Beispiel gezeigt. Wenn A 86ff. der vorangeschrittene Tagesablauf mit poetischer Fülle als der Zeitpunkt bezeichnet wird, wo der Holzfäller, seiner schweren Arbeit müde und satt, Verlangen nach erquickender Nahrung verspürt, und wo erzählt wird, daß zu dieser Zeit die Achaier nach langem Gleichstand des Kampfes die feindlichen Reihen durchbrachen, dann faßt Fränkel S. 36. 106 das als ein Gleichnis, und zwar ein solches, in dem der Holzfäller als Sinnbild der dcpvrij erscheine und das in eindrucksvollster Weise einen Kontrast aufzeige. In Wahrheit haben wir hier nichts anderes vor uns als eine jener poetisch ausgeschmückten Zeitbestimmungen, deren Motive begreiflicherweise insgemein dem Alltagsleben, zumal dem ländlichen, entstammen. Gewiß können bei solchen Zeitangaben gleichnisartige Elemente mitklingen. So etwa bei Apoll. Arg. I 1172ff.: wann ein von der Tagesarbeit ermatteter Pflüger hungrig zum Nachtmahl in seine Hütte geht, derzeit landen die vom Rudern erschöpften Argonauten in Mysien; oder III 1340ff.: wenn im letzten Drittel des sinkenden Tages ermüdete Landmänner den ßouatrrós herbeisehnen, da hatte Jason als unermüdeter Pflüger die Drachenzähne bereits ausgesät und löste die Zugtiere vom Pfluge. Im letzteren Falle ist der Parallelismus noch geringer, und das thematische Schwergewicht liegt durchaus im Temporalen, wie etwa auch bei Vergil Aen. VIII 408ff. (Vulcanus eilt früh zu den Cyclopen, zu einer Zeit, wo eine fleißige Spinnerin, vor Tagesanbruch, die Arbeit in Gang setzt). Ganz anders liegen die Dinge bei Homer y 31 ff.: der im Palast des Alkinoos beim Abschiedsschmause sitzende Odysseus sehnt den Sonnenuntergang, den Zeitpunkt der Abfahrt, herbei, und wie dem Pflüger, der nach arbeitsreichem Tage das Nachtmahl begehrt, die Sonne erwünscht herabsinkt, ebenso erwünscht sank sie dem Odysseus. Hier haben wir in der Tat ein Gleichnis vor uns, welches obschon nicht ausschließlich, so doch hauptsächlich der Zeitbestimmung dient, und zwar ein solches, in dem wirklich die Handlung voranschreitet, wie es denn als eines der wenigen bei Homer vorfindlichen Aktionsgleichnisse hiermit gebucht sei. Nach alledem dürfte ein jeder begreifen, daß wir uns — in scharfem Gegensatz etwa zu Kurt Rierler,Antike 12 (1936) 260, auf dessen Gleichnistheorie noch zurückzukommen sein wird — ebenso entschieden weigern, in A 86 ein Gleichnis zu erblicken, wie in dem Holzfäller — noch dazu dem herzverdrossenen (V. 88) — ein Sinnbild heldischer apET-11 zu erkennen. Vor all solchen Verirrungen von vornherein zu bewahren, hätte schon ein Umstand ausgereicht: das Fehlen jeglichen Vergleichspunktes.Google Scholar
  14. 58.
    Als ein Beispiel für diesen Vorgang sei genannt etwa Eur. Orest. 1024 zusammen mit dem Schol. zu 1023.Google Scholar
  15. 59.
    Angesichts dieses Befundes fühlt man sich ernsthaft angeregt zu der Erwägung, ob nicht bei der alexandrischen, vielleicht aristarchischen, Athetese der Apodosis eines anderen Gleichnisses, nämlich des Verses e 54, möglicherweise ebenfalls ein dokumentarisches Zeugnis mitsprach.Google Scholar
  16. 60.
    Auch jetzt, ebenso wie im vorigen Falle (o. S. 283), muß darauf hingewiesen werden, daß ein Vorgang, wie er hier vorausgesetzt wird, sich nirgendwo ereignet. Die von Fränkel (S. 46) zur Stütze seiner Annahme herangezogene Parabole A 305ff., wo der in die Achaiermannschaften eindringende und darin mordende Hektor verglichen wird mit einem Sturmwind, der im Meere Wogen aufwühlt und schäumenden Gischt aus ihnen emportreibt, ergibt keinerlei wirkliche Parallele, weder im Ganzen noch im Einzelnen; die Gleichsetzung der Meereswellen mit der „Spreu“, die „weggeblasen” wird, leuchtet in keiner Weise ein.Google Scholar
  17. 61.
    Das gilt auch vom Singular vecpaç 0 170, doch fällt der hier außer Betracht.Google Scholar
  18. 63.
    Dabei denken wir nicht an die vereinzelte katachrestische Verwendung des Duals anstatt des Plurals, sondern nur an das Umgekehrte.Google Scholar
  19. 64.
    Vorlesungen über Syntax I (Basel 1920) 77.Google Scholar
  20. 65.
    Ähnlich verfährt ein anderer Dichter mit den beiden Lapithen Polypoites und Leonteus M 131ff.Google Scholar
  21. 67.
    Wie Schwartz die V. 552/3, in denen TÓ auvaTro0ALcxeuv Toúç â8eapoúç (schol. Townl. 542) so ergreifend zum Ausdruck gelangt, ausscheiden konnte, bleibt unverständlich.Google Scholar
  22. 68.
    So nennt sie v. Wilamowitz einmal bei streifender Berührung: Isyllos v. Epidaur. (1886) 56 Anm.Google Scholar
  23. 69.
    Ebensowenig hat die Mutter in der späteren Mythopoiie, wie sie sich über Orsilochos und seine Nachfahren vermutlich auf Grund dieser Iliaspassage in Phere gebildet hat (Pausan. IV 30, 2), einen Platz erhalten.Google Scholar
  24. 70.
    Man denke etwa an H 765ff. M 132f.Google Scholar
  25. 74.
    Das homerische Gleichnis und die Anfänge der Philosophie, Die Antike 12 (1936) S. 253ff.Google Scholar
  26. 75.
    Ich gebe aus der ersten Charakterisierung des Gleichnisses (S. 255) einiges im Wortlaut wieder, dieweil derjenige, welcher jenen Aufsatz nicht zur Hand hat, sich dergleichen Ungeheuerlichkeiten schwerlich vorstellen kann: „Wir sahen Penelope in langen öden Jahren erstarrt und erkaltet, sehen unter der ersten froheren Kunde das Harte, Kalte, Dunkle draußen sich erweichen, erwarmen, erhellen“. In den folgenden Zeilen ist von dem wieder aufglänzenden Leben der Penelope, das wir vorgreifend in dem Gleichnis sehen, die Rede, sowie etwa von der „Einheit von Gleichnis und Handlung”, die für unseren, auch darin ganz im Kielwasser Fränkels segelnden, tieflotenden Gleichnisdeuter ein Grunddogma bildet und die hier ein wahres „Wunder vollbringt“.Google Scholar
  27. 76.
    So zu lesen bei Schwartz,Odyss. 88.Google Scholar
  28. 77.
    übrigens sei daran erinnert, daß ihr Gatte bei Kalypso ebenfalls aus Sehnsucht geweint hat, und zwar vielleicht nicht nur das eine Mal, wo ihn Proteus so gesehen hat.Google Scholar
  29. 78.
    Riezler bedient sich sogar einer Homerübersetzung, in welcher auf verfälschende Weise Zephyros mit „Winter“ und Euros mit „lösendem Frühjahr” wiedergegeben wird, worin offenbar das Abbild einer für Penelope nunmehr einsetzenden Schicksalswende (entsprechend der vorgeblichen Wendung der Jahreszeiten) liegen soll.Google Scholar
  30. 79.
    So P 204. 670. W 252. 648.Google Scholar
  31. 82.
    tVilamowitZ hat andernorts (Reden und Vorträge I 74) diese Anredeform gerade für diese Stelle gewürdigt.Google Scholar
  32. 83.
    Einiges darüber bereits bei früherer Gelegenheit (o. S. 62).Google Scholar
  33. 84.
    Über Botengang, Nestoris Presbeia, Menis nach der Stufenfolge ihrer Entstehung wurde im ersten Teil das Nötige ausgeführt.Google Scholar
  34. 87.
    Vgl. o. S. 278 u. sonst.Google Scholar
  35. 88.
    Bezeichnenderweise hat gerade dessen sinnreich distinktive Wortgebung von hochachtbarer philologischer Seite diskreditierenden Tadel erfahren; treffend dagegen Lehrs, Aristarch. 3. Aufl. 77. 374. Unwillkürlich fühlt man sich dabei erinnert an die BLacpopâ x6rou 7rpòç Xóaov (schol. zu A 82) in den Worten des Kalchas A 81 ff. (dazu J. Irmscber, Götterzorn bei Homer, Leipzig 1950 S. 11. 59 ).Google Scholar
  36. 89.
    Vgl. o. S. 296 Anm. 72Google Scholar
  37. 90.
    Bursians Jahresbericht 207 (1926) 186.Google Scholar
  38. 91.
    Der Gedanke, daß hier nur die Stadttroer ohne die Bundesgenossen gemeint seien, muß als lächerlich gelten.Google Scholar
  39. 92.
    Dem steht natürlich nicht im Wege, daß die tausend Feuer an Zahl den Sternen nicht gleichkommen, eine Tatsache, die im Altertum zu Textänderungen geführt hat: (.âS Tâ für T6aaoc, la.úp.a für)(OM wie man ja auch in neuer Zeit den Tadel lesen kann, daß durch die bestimmte Zahl Eaia die Wirkung des Vergleichs abgeschwächt werde. In Wahrheit kommt es nur darauf an, daß die Ebene zwischen der Stadt und dem Schiffslager so von Feuern erfüllt ist wie das Himmelsgewölbe in einer klaren Nacht von Sternen; diese Vorstellung genügt für das poetische Empfinden. Somit läßt sich der numerische Sinn von T6aaa auch von hier aus nicht verflüchtigen.Google Scholar
  40. 93.
    So A 296. N 156. X 21, lauter Situationen ohne fröhliche Heiterkeit.Google Scholar
  41. 94.
    Von wolkenbringendem Winde hören wir beispielsweise E 865.Google Scholar
  42. 95.
    Das ist sie in der Tat, trotz Fränkel S. 34 Anm. 2.Google Scholar
  43. 96.
    Übrigens ist dieselbe schon antik, wie die Scholl. BL (verkürzt auch T) zeigen, wurde aber in der Neuzeit von niemandem ernstgenommen. Diese Versäumnis ist inzwischen nachgeholt, auch dies ganz in der Art sonstiger Fortschritte auf dem Felde der Gleichniserklärung von heute.Google Scholar
  44. 97.
    Diese Bezeichnung fordert der Verfasser selbst heraus mit den Worten (S. 254), in denen er eine Entscheidung über „Sinn und Unsinn“ seiner Aufstellungen erwartet. Daß diese Entscheidung seitens der Fachkritik bislang in vollem Anklang bestanden hat, macht unsere Stellungnahme um so dringlicher.Google Scholar
  45. 99.
    Eine deutliche Bezeigung dessen bildet gerade schon das bereits in der alten Philosophie so vielberedete thAav 53cap. Daß das Wasser seiner Substanz nach nicht schwarz ist, wußte selbstverständlich jeder homerische Sänger genauso gut wie jedes Kind neben ihm; aber ebenso gut auch, warum es dennoch in der Poesie gern so genannt wurde und genannt werden durfte, wie ja auch alles moderne Kopfzerbrechen darüber vollkommen unnütz ist.Google Scholar
  46. 100.
    Diese beziehen sich insonderheit darauf, daß nach Fränkel für den homerischen Menschen ein Schall überhaupt nicht da sei, wenn der Hörer fehlt, wodurch denn die Hirtengestalt gewissermaßen zu einem notwendigen akustischen Werkzeug degradiert wird. Wir unsererseits sind überzeugt, daß trotz dem angeblich so „ungeheuren Abstand der homerischen Welt von der unsrigen“ (Fränkel S. IV) jedem Hörer der Gleichnistext auch ohne den V. 455 zum Verständnis genügt hätte; aber eben dem verschwenderisch spendenden Poeten genügte er nicht. überhaupt wird Fränkel nicht müde, den homerischen Menschen als auf der Stufe einer geradezu unsäglichen Primitivität des Denkens stehend hinzustellen. So wird demselben beispielsweise (S. 8 Anm. 1, zwecks Abwehr einer richtigen Gleichnisinterpretation) sogar die Fähigkeit des Verständnisses von einfachster Ursache und Wirkung abgesprochen, und das gegenüber einem ganz alltäglichen Vorgang von einfachster Erscheinungsform. Gegen eine derartige Lehre beiwege zumindest mit einem Wort Protest zu erheben kann man sich nicht enthalten. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, daß der mit aller grundsätzlichen Entschiedenheit an Fränkel angeschlossene Riezler (a. O., bes. 266 ff.) seinen „Homer” als einen perfekten Denker hinstellt, ihm ein tiefes Wissen um das wahrhafte Ganze des Daseins zuerkennt, das ihn befähigt, die den Dingen immanente Gemeinsamkeit des Gegensätzlichen zu durchschauen, wodurch er denn zum Vorläufer eines Herakleitos wird und dazu helfen kann, dessen Dunkelheit zu erhellen. Bei diesen Kostproben aus den neuen Offenbarungen der heutigen Gleichnisdeutung lassen wir es bewenden und weisen nur noch darauf hin, daß das, was die homerischen Dichter tatsächlich als Vorläufer und Wegbereiter der wirklichen Philosophie und der echten Naturwissenschaft erscheinen läßt, bereits von anderer Seite (vgl. o. S. 221. Anm. 322) treffend gewürdigt wurde.Google Scholar
  47. 101.
    Zu Unrecht also bezeichnet ihn Fränkel S. 34 Anm. 3 als eine bloße Staffagefigur.Google Scholar
  48. 102.
    Also nicht mehr als unkriegerische: M 451, s. o. S. 274. Y 845; wie Fränkel (S. 56) von letzterem behaupten kann, sein Sinn bleibe dunkel, begreift man nicht.Google Scholar
  49. 103.
    Wenn Fränkel S. 34 auch diese Gleichnisschau, und zwar mit ausnehmender Sicherheit, als aus der Götterperspektive genommen hinstellt, so wird man mir, wie ich hoffe, jedes weitere Wort darüber erlassen. Vgl. o. S. 290; auch Jacoby Schilfskat. 581 A. 2.Google Scholar
  50. 104.
    Ebenso verfehlt ist, was bei Wilamowitz im folgenden (Il. 33) über geheime, sogar weitgespannte Korresponsion zu lesen steht, und nicht besser das, was er früher (Lit.Gesch. 20) im Anschluß an die beiden Gleichnisse O 555 ff. und I 4 ff. über ein anderes, angeblich ebenfalls korrespondierendes Paar von Stimmungsgleichnissen, II 297 ff. und 364 ff. geäußert hatte. Hier (364) wird das lärmende und ordnungslose Fliehen der Troer von den Schiffen verglichen mit einem ätherischen Vorgang, bei welchem ein Wirbelsturm düsteres Gewölk am Himmel treibt, — woraus Wilamowitz unter Ausschaltung des wahren tertium ein Stimmungsgleichnis, und zwar ein korrespondierendes (H 297 ff. ist wirklich ein solches), macht. Hätte der große Homerforscher doch nicht damit und mit Ähnlichem, worauf hier einzugehen der Raum verwehrt (das Schlimmste steht Lit.-Gesch. 17 über angeblich gewollte Symmetrie bei Homer), in unheilvoller Weise Wasser auf die Mühlen unserer eifrig schematisierenden Architektoniker geleitet.Google Scholar
  51. 105.
    Hiermit bediene ich mich eines treffenden Ausdruckes von Jacoby (Schiffskat. S. 585 Anm.), der als einziger an dem Fränkelschen Verfahren eine angemessene Kritik geübt hat.Google Scholar
  52. 106.
    Wie sogar ein ganz punktuell-beschränktes tertium gerade in dieser seiner Eigenschaft die Möglichkeit zur Darbietung einer kräftig ausgreifenden anhomoiotischen Schilderung schaffen kann, dafür bildet E 522 ff. (o. S. 283) einen paradigmatischen Beleg.Google Scholar
  53. 107.
    In diesen sind nun freilich an die Stelle einer offen und gerade blickenden Interpretation längst sehr viel tiefsinnigere Methoden getreten. Dafür hier noch in beiläufiger Kürze ein sprechender Beleg. Bekanntlich fehlen — so lehrt Fränkel,Gnom. 3 (1927) 570— in den Reden epischer Personen die Gleichnisse, und sie müssen fehlen, weil den Gestalten der epischen Epoche das moderne Weltbild des epischen Sängers nicht zugänglich war. Wir bekennen, daß uns, was hier als bekannt vorausgesetzt wird, bislang unbekannt war und auch weiterhin bleiben wird; gilt uns doch einfältigerweise das, was bei Homer de facto da ist — so in Reden etwa P 59. 196. 222. Z 146. M 167. II 7 (o. S. 302). P 20. E 56. S 335. (= p 126). T 518 —, mehr als das, was bei Homer ex praescripto nicht dasein darf.Google Scholar
  54. 108.
    S. o. S. 275.Google Scholar
  55. 110.
    Schwartz a. O. vermutet im Rahmen seiner gewagten Rekonstruktion einer Hc pa in Urform, daß dort zwischen den beiden Gleichnissen ein Stück Erzählung gestanden habe, welches bei späterer Uberarbeitung beseitigt worden sei. Damit würde die uns beschäftigende Frage der Gleichnisgestaltung dahinfallen, doch machen wir von jener rein hypothetischen Annahme vorsichtigerweise keinen Gebrauch.Google Scholar
  56. 111.
    Mehr darüber: Einzellieder 40.Google Scholar
  57. 112.
    Dagegen genügt schon dieses eine Argument: die Unverträglichkeit, die zwischen dem xtveiv (264) der Wespen durch den Wanderer einerseits und dem bereits erfolgten Épt.Bµaívav (260) durch die Kinder andererseits besteht.Google Scholar
  58. 113.
    In dem Worte aexcdv berühren wir einen Faktor, der für Fränkels gesamte Beurteilung fundamental und für seine Bevorzugung des Wanderergleichnisses ausschlaggebend ist: ebenso nämlich sollen die Troer, ohne daß sie es wollten, durch ihren kämpferischen Erfolg die Myrmidonen auf den Plan gerufen haben. Dieser an sich indiskutable Gedanke sei hier beiwege erwähnt, um anschließend darauf hinzuweisen, daß das Moment des Ungewollten bei Nitsch (dort das Unabsichtliche genannt) eine ebenso kardinale Rolle spielt — allerdings in ganz abweichendem Sinne, nämlich gerade auf die Myrmidonen bezogen, — und um so an einem typischen Beispiel zu zeigen, wie neben vielem anderem Heutigem auch die Sucht zu tiefendeutlerisch klügelnder Auslegung rein dekorativer Gleichniszüge in dem Nitzischen Werk, diesem prallen Schlauch voll blicktrübenden Nebeldunstes, eine üppige Vorfrucht hat.Google Scholar
  59. 114.
    Von dem V. 261, dieser einfachen, schon von Aristophanes ausgesonderten Zusatzinterpolation, kann hier abgesehen werden, da diese Nebenerscheinung mit der Dublettenfrage nichts zu schaffen hat.Google Scholar
  60. 115.
    Die Unvollständigkeit des Wanderergleichnisses ist Friedländer entgangen — dies der eigentliche Mangel an seiner Behandlung, den niemand nach ihm wettgemacht hat.Google Scholar
  61. 116.
    Es sei darauf hingewiesen, daß selbst kritisch denkende Herausgeber wie Dünter und Ameis-Hentze hier im Gegensatz zu Friedländer ein einheitlich zusammenhängendes Gleichnis erkennen wollten.Google Scholar
  62. 117.
    Ein gewisses Indiz für die Echtheit des ersten Gleichnisses könnte auch darin liegen, daß dieses eine ausgestaltende Interpolation — durch Einschub des V. 261 — erfahren hat. Das mag vielleicht auf ein längeres Dasein und damit zugleich auf ein höheres Alter dieses Vergleiches deuten als das des zweiten es ist.Google Scholar
  63. 118.
    Zusatznote. Dies war geschrieben, als die Hamburger „Griechischen Papyri“ (1954) erschienen, in denen die literarischen höchst vortrefflich von R. Merkelbach bearbeitet sind. Darunter befinden sich (Nr. 154) Fetzen einer Homerhandschrift (2. Jahrh. vor Chr.) mit Resten von rc 153–178. Zu den ziemlich zahlreichen’Abweichungen von unserer Paradosis gehört eine fast sensationell wirkende: anstelle von V. 177 standen drei andere Zeilen, jetzt nur noch in kleinen Teilen erhalten, in denen Merkelbach mit gebührender Vorsicht, doch mit hoher Wahrscheinlichkeit die Überreste eines Gleichnisses erblickt. Der bewußt ausgeschaltete V. 177 wurde am unteren Rande von einer zweiten Hand nachgetragen, die auch sonst einige Korrekturen vorgenommen hat. Damit hätten wir also den ersten urkundlichen Beleg für die Eindichtung einer Parabole, und zwar in einem keineswegs wilden Text, der sogar direkten Einfluß alexandrinischer Textpflege verrät, nämlich in der aristophanischen Schreibweise Te p.u.cya0,7)t (158), die uns hier erstmals lebendig entgegentritt. Danach wäre in gewissem Grade zu revidieren, was im Obigen (auch schon S. 329) über den Zeugniswert unserer so unison festen Gleichnisüberlieferung gesagt wurde, sowie über die Einheitlichkeit des den Alexandrinern überkommenen Gleichnisgutes in Ilias und Odyssee. Eine solche Korrektur fällt gerade uns sehr leicht gemäß der längst gewonnenen Einsicht in die beklagenswerte, jedoch nicht wegzuleugnende, Lückenhaftigkeit unserer Kenntnis von der Homerüberlieferung, nicht nur der voralexandrinischen, sondern auch der alexandrinischen. Eben dafür bildet der Hamburger Papyrus ein neues und zwar besonders eindrückliches Zeugnis.]Google Scholar
  64. 119.
    Ob er das genetische Verhältnis der beiden Löwengleichnisse — des hiesigen und seines Doppelgängers im P — richtig beurteilt hat (S. 150 Anm. 2), das ist eine Frage, welche uns in diesem Zusammenhang nicht zu beschäftigen braucht.Google Scholar
  65. 120.
    Frühalex. Homertext (Nachr. Ak. Gött. 1949) 202 ff.Google Scholar
  66. 121.
    Einige Beispiele dafür bei L. Erhardt Die Entstehung der homerischen Gedichte (Leipzig 1894) 61 f.Google Scholar
  67. 123.
    Daran hat es nicht gefehlt, nämlich im Sinne des Niedermetzelns und des anschließenden Verfolgens. Doch widerstreitet diese Behauptung dem offenen Wortlaut, denn von einem nachjagenden Wüten spricht bereits das erste Gleichnis mit den Worten xTELVOOVOUC, Écpknwv (494), jedoch gerade das zweite mit keiner Silbe.Google Scholar
  68. 124.
    Das gilt von der Verteidigung durch Schadewaldt Iliasstud. 7 f. wie auch von der neuerlichen durch R. Schröter Gnom. 23 (1951) 383. Letzterer geht auf die gleichnistechnische Seite der Frage immerhin etwas näher ein, aber aus der Zahl der Gleichnis-komplexe, die er als stützende Parallelbeispiele anführt, schlägt kein einziger zu Buche. An einer Argumentation, in welcher das tertium comparationis als antiquiert erklärt wird, nimmt das nicht wunder, und so erübrigt sich denn nach unseren vorstehenden Ausführungen über die homerische Gleichnisbildung eine nähere Auseinandersetzung damit. Immerhin sei in aller Kürze einiges wenige als bezeichnend herausgehoben. In drei der von Schröter genannten Textpartien, also in der Hälfte aller herangezogenen (nämlich A 155–159. 172–178, II 352–357. 364–367, 12–16. 22–26), stehen die Gleichnisse mehr oder minder weit getrennt voneinander. Und in dem angeblich nächst-verwandten Beispiel, X 299–308, schließt sich zwar das zweite unmittelbar an das erste, doch hat jedes einen anderen Vergleichsträger, nämlich zuerst die Freier, die fliehen wie von einer Bremse gescheuchte Rinder, dann Odysseus und die Seinen, die tötend wüten wie Geier unter kleinen Vögeln, — also gar kein wirkliches Doppelgleichnis und für den problematischen Fall im Y ebensowenig eine Stütze wie eine Parallele.Google Scholar
  69. 125.
    Ich selbst möchte mich jetzt, nach erweiterter Überlegung, in diesem Punkte stärker bescheiden als früher (Homertext 203).Google Scholar
  70. 126.
    Hingewiesen sei etwa auf das Staunen, mit welchem Wilhelm v. Humboldt in französischen und spanischen Kirchen solcherlei groteske Bildnereien, in denen sogar indezente Züge auftreten, erstmals erblickte, um sie dann seinem Freunde Goethe in einem Brief (28. Nov. 1799) ausführlich zu schildern.Google Scholar
  71. 127.
    In verwandten Gesichtswinkel läßt sich auch manches Bildwerk am Äußeren von Kirchenbauten rücken, so insbesondere die oft so fratzenhaft bizarren Wasserspeier.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1958

Authors and Affiliations

  • Günther Jachmann

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