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Die Ausdehnung des Namens Hellespontos

  • Günther Jachmann
Part of the Wissenschaftliche Abhandlungen der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen book series (WISSABHAGFO, volume 5)

Zusammenfassung

Das hiermit bezeichnete Problem ist ein altes und in sich selbständiges, doch gehört es zugleich in die Reihe der zahlreichen Randprobleme des Schiffskatalogs und wurde von uns (S. 174) bei der Strukturanalyse des Troerkataloges angeleuchtet. Daß es für diesen maritimen Namen im Altertum noch andere Anwendungen als die gewöhnliche, die auch uns geläufige, gab — nämlich in beträchtlich weiterem Sinne —, das ist den antiken Geographen nicht entgangen: Strabo VII frg. 58 p. 471 sq. Mein. macht darüber wertvolle, uns leider nur in epitomierter Form vorliegende, Angaben1. Beachtet wurde das in der Neuzeit für die Erklärung einzelner einschlägiger Literaturstellen natürlich von jeher2, zusammenhängend untersucht jedoch wurde die Erscheinung zuerst durch W. Sieglin, Festschrift für H. Kiepert (Berlin 1898) 321 ff., und zwar mit dem Ergebnis, daß die weiteste der von Strabo bezeugten Ausdehnungen des Terminus Hellespont, nämlich auf die ganze Aegäis nördlich des myrtoischen Meeres, die bei den älteren Griechen — zumal auch bei Hekataios — eigentlich herrschende Nomenklatur gewesen sei.

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Reference

  1. 1.
    Übersichtlich aufgegliedert bei A. Klotz,Rhein. Mus. 68 (1913) 286f.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. etwa Dübner adnot. zu Antipater, Anth. Pal. VII 705.Google Scholar
  3. 3.
    Blindlings gefolgt ist ihr L. Bürchner,RE s. Hellespont VIII (1912) 182ff. Doch fällt ja die Abfassung dieses Artikels vor die mittlerweile erfolgte Neuaufnahme der Controverse, und so ist denn seinen Ausführungen über die Namensfrage nichts zu entnehmen, abgesehen von einem Einzelpunkt, der alsbald zur Sprache kommen wird.Google Scholar
  4. 4.
    Dieses Buch, das eine Sammlung früherer Aufsätze des Verfassers über die nämlichen Probleme darstellt und das in V. Dörpfeld,Phil. Wochenschr. 1931, 33 ff. einen wenig glücklichen, in F. 1FV. Goethert,Gnom. 9 (1933) 468ff. einen um so sachkundigeren und urteilsfähigeren Rezensenten gefunden hat, ist mir unzulänglich. Zur Verfügung steht mir jedoch durch die seinerzeitige Güte des Verfassers der hier einschlägige Abschnitt seiner Urpublikation: „La question de l’Hellespont“, L’Acropole 3 (1928) 5–48, an deren Paginierung ich mich denn im folgenden halten werde.Google Scholar
  5. 5.
    Lieber nicht auf gleiche Stufe damit stellen würde ich 0 219, wo der Skamandros klagt, er sei, überfüllt mit Leichnamen gefallener Krieger, außerstande, seine Flut EIS undaa Siav zu ergießen. Hier wird das Gewässer, in welches der Skamandros einmündet, in anderer Weise, ohne Andeutung seiner weiten oder engen Räumlichkeit bezeichnet, und einen Teil des Meeres bildet der rropOr.64 “Eaar~S ja selbst an seiner schmalsten Stelle. Demnach ergibt der Vers für unsere Frage nichts und bleibt besser außer Spiel.Google Scholar
  6. 7.
    Ähnlich Vellay 18ff. Burr,Mare 13. Wenn allerdings ersterer für die Bezeichnung des Hellespontes als âyappooç M 30 einen tieferen Grund darin erblickt, daß seine reißenden Gewässer den durch die troischen Flüsse ins Meer geschwemmten Lagerwall der Griechen davongetragen haben sollen, so wirkt das deutlerisch gesucht.Google Scholar
  7. 8.
    Ähnlich Dörpfeld a. 0. 38.Google Scholar
  8. 9.
    Dem griechischen âyappooç entspricht das im Lateinischen beliebte rapidus; Belege dafür bei Oberhummer RE s. Hellespontes VIII 189, 1, wo als älteste Fundstelle Catull. 64, 358 hier nachgetragen sei.Google Scholar
  9. 10.
    Vgl. darüber auch v. Wilamowitr,Glaube der Hellenen II 50.Google Scholar
  10. 11.
    Wilamowitz allerdings (Hesiodos Erga, Berlin 1928) fand das Gleiche bei Hesiod Erga 69 „kaum erträglich“ und forderte direkte Rede vorher, wie man ja auch in dem Hymnos kritische Abhilfe (durch Lückenansetzung, siehe bei Baumeister,Ausgabe 1860, zu V. 316) versucht hat. Indes unleugbar stützen sich die Stellen gegenseitig. Daneben wird man Apollon. Arg. IV 236. 1121 selbständigen Beispielswert schwerlich zuerkennen: er selbst folgte hierin der verwilderten Epik.Google Scholar
  11. 12.
    Wilamowitz,Glaube II 47.Google Scholar
  12. 14.
    Mare 14 A. 15; ebenso Schiffskatalog 148 A. 2.Google Scholar
  13. 15.
    So viel ist klar, und âgfrr op als Beiwort des Apollon braucht vielleicht auch nicht mehr als so „rätselhaft“ zu gelten, wie Wilamowitz,Ilias 66 A. 1 es nannte: siehe IF. Kraus,Anz. Wien. Ak. 1950, 516ff.Google Scholar
  14. 16.
    Schiffskatalog 71f.Google Scholar
  15. 18.
    Frg. 162 I p. 27 Jac. (Steph. B. p. 395) K6,7ctutg, 7r6ALS 7repi `EXVlarrov-rov• `Exaoraïoç E6pw7cr~a.Google Scholar
  16. 19.
    Sieglin S. 324 spricht von diesem Meere als von der „ganzen von der Helle durchschwommenen See“, also mit einem Ausdruck, der in unserer Überlieferung von der Hellesage keinerlei Stütze findet, der jedoch ungeachtet seines ersichtlich rein tendenziösen Gepräges in der nachfolgenden Literatur Schule gemacht hat (s. etwa Burr,Mare 13). Nicht besser steht es mit der ebenso haltlosen und angesichts des Verses `F 230 besonders ungerechtfertigten Behauptung Sieglins (S. 325), daß die weite Bedeutung von Hellespontos gerade an der Südküste Thrakiens üblich gewesen sei, wonach man denn anderwärts auch von Hellespontos im Sinne von Melasbusen wie von einer speziell gesicherten Tatsache lesen kann (RE VIII 182, 54).Google Scholar
  17. 20.
    Ob er die wirkliche Quelle des Namens bildet, das braucht uns hier nicht zu beschäftigen. Jedenfalls bedeutet das Grab der Helle, das später in Paktye gezeigt wurde, keine Instanz dagegen.Google Scholar
  18. 21.
    Zur Erleichterung dieser Annahme könnte es verlockend erscheinen, sich auf die gegenwärtig herrschende Lehre von der falschen antiken Orientierung der Dardanellenachse in exakt und geradlinig nord-südlicher Richtung zu berufen. Allein daß das in Wahrheit eine Irrlehre ist, glauben wir im obigen (S. 174ff.) bereits gezeigt zu haben. An hiesiger Stelle mag eine kurze Bemerkung genügen: daß ein Mensch, der mit dem Wirklichkeitssinne eines Hellenen in die Welt blickte, etwa gemeint haben solle, der Hellespont münde genau südwärts gerichtet in die Aegäis, — das wird uns niemand glaubhaft machen.Google Scholar
  19. 22.
    Vgl. Sieglin 325ff. Klotz 289. Ronconi 237ff. Burr,Mare 19ff.Google Scholar
  20. 23.
    Vgl. o. S. 243.Google Scholar
  21. 24.
    Auch solche haben uns ja mit ihren Expertisen — natürlich zugunsten der BesikaBai — nicht verschont: s. Goethert a. 0. 469. 471.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1958

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  • Günther Jachmann

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