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Zusammenfassung

Die Frage nach der Weise der Eingliederung des Schiffskataloges in die Bias schwingt von alters her um bestimmte Brennpunkte. Den einen von ihnen bildet die Rede Nestors in der Agora des zweiten Gesanges, welche nach verbreiteter Ansicht, sei es in ihrer Gänze (337–368) sei es in ihrem Schlußteil (360ff.) mit seiner strategischen Direktive, als Vorbereitung der Boiotia gedacht sein so11273. Für den Unitarismus steht dies (genauer gesagt das erstere) natürlich a limine fest, denn ihm gilt ja der Katalog ebenso wie seine Umgebung als Arbeit des einen Homer, des Schöpfers der gesamten Ilias 274. Für uns kann sich nach den vorstehenden Erweisen die Frage nur so stellen: ist die Nestorrede oder zumindest ihr Schlußpassus zwecks Einschaltung des Kataloges nachträglich einer älteren Form des B275 zugedichtet? Und wenn ja, von wem: vom Hauptredaktor unserer Ilias oder einem noch späteren Einfüger oder womöglich von dem Katalogisten selbst?

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Reference

  1. 273.
    Dies letztere schon in der Antike: schol. BT zu V. 362.Google Scholar
  2. 274.
    Ober das Verhältnis der Nestorrede zu dem Katalog Burr S. 9ff.Google Scholar
  3. 275.
    Der Kenner wird ohne weiteres begreifen, warum ich so relativierend spreche: die in vollem Sinne ursprüngliche Gestalt des B ist ja stark problematisch; s. Von der Mübll,Die Diapeira im B der Ilias, Mus. Helv. 3 (1946) 197ff., und das B gilt so manchem Analytiker als das „schwierigste Buch der Ilias“, vgl. Jacoby,a. O. (SB Berl. 1932) 586 A. 1.Google Scholar
  4. 276.
    Ii~ilamowit Il. u. Horn. 272ff. Auf ähnlicher Linie bewegt er sich mit der ebenso verfehlten Behauptung (S. 195), die Gleichniskette am Schluße von B diene nur dazu, den Agamemnon der Epipolesis vorzuführen.Google Scholar
  5. 277.
    Siehe Kammer,Z. horn. Fr. I 34 und insbesondere denselb. Ästhet. Kommentar zu Horn. I1.3 (Paderborn 1906) 159. 182.Google Scholar
  6. 278.
    Darüber in großer Ausführlichkeit Wilamowitz Kap. 14.Google Scholar
  7. 279.
    Entstehung der Ilias (Sehr. wiss. Ges. Straßburg 1918) 7ff.Google Scholar
  8. 280.
    So lVilamowit S. 281.Google Scholar
  9. 281.
    Ich verweise etwa auf Ameis-H.,Anhang zu 0 S. 21; Leaf in der Introd. zu A.Google Scholar
  10. 282.
    Treffend richtig darüber Marrullo,Il problema Omerico (1952) 218.Google Scholar
  11. 283.
    Vgl. v. Wilamowitz, Il. u. Hom. 118. 204.Google Scholar
  12. 284.
    Siehe v. Ihilamowita S. 228. Vgl. zu der Stelle auch K. Latte,Nachr. Ak. Gött.Google Scholar
  13. 285.
    Vgl. Meyer GdA II 1, 287 A. 1. facoby,Schiffskat. 600.Google Scholar
  14. 286.
    Die Zahl der von Agamemnon bei seinem Rundgang besichtigten Führer ist ja sieben, die heilige oder die böse — wie man will. Jedenfalls hat sie Bethe, dem erleuchteten Deuter der iliadischen Arkankonstruktion (vgl. meine Einzellieder S. 52 A. 67), auch hier die Augen geöffnet für das kunstvolle und unantastbare Geheimschema, nach welchem die Epipolesis tiefsinnig aufgebaut ist. Doch kein weiteres Wort an diese Phantasmata abstruser Zahlenmystik.Google Scholar
  15. 287.
    Siehe dort etwa K 32 und Umgebung, sowie 123ff.Google Scholar
  16. 288.
    Vgl. v. IVilamowitz,Horn. Unt. 185 A. 28.Google Scholar
  17. 289.
    Gewissermaßen eine 8LecTa Lç in prägnantem Sinne: vgl. schol. Townl. zu B 366.Google Scholar
  18. 290.
    Und das, nebenbei bemerkt, obgleich doch — nach einer bereits in antiker Zeit gängigen, gegenwärtig wieder weitverbreiteten, absurden Meinung — jetzt vor Troia die erste offene Feldschlacht stattfindet, neun Jahre nach jener sogenannten Landungsschlacht, in welcher Protesilaos den Tod fand und nach welcher die Troer sich angeblich dauernd hinter den schützenden Stadtmauern gehalten haben. Diese Vorstellung findet man nicht nur etwa bei Burr (Schiffsk. 136) und seinen Geistesverwandten, sondern sogar bei Jacoby a. 0. 605 A. 3, der sie geradezu als eine Grundvoraussetzung der Ilias bezeichnet. Wer der Schutz ihrer Stadt war, der Mauerring oder Hektor, das wußten die Troer offenbar anders, wenn sie Hektors Sohn, anders als der Vater selbst, Astyanax nannten, otos yap 46ETo “Ulov ”Exrcop (Z 403). In Tat und Wahrheit entbrennt nicht erst jetzt, wie Nitzsch,Sagenpoesie 192ff. mit großem Erfolg lehrte, der volle Krieg, vielmehr haben sich in den langen (später auf neun bezifferten) Jahren vorher wieder und wieder Kämpfe abgespielt, mit heftiger Schwere und wechselndem Ausgang. Dafür finden sich nicht nur Einzelbelege zur Genüge (wie etwa, um hier in nahem Umkreise zu bleiben, P 132/3.0 15/6), sondern diese Vorstellung liegt dem exponierenden ersten Gesange wie überhaupt der gesamten Epopöe durchwaltend zugrunde.Google Scholar
  19. 291.
    Es hält schwer, sich der Vermutung zu erwehren, daß dies ganze Kuriosum auf einem banalen Mißverständnis beruhe. Nämlich: der Verfasser der Epipolesis bezog vielleicht in Nestors Anweisung das xaTes acpéas B 366 anstatt auf die im vorausgehenden Satz (V. 362/3) bezeichneten Kolonnen fälschlich auf die im gleichen Satze unmittelbar vor xaTâ acpéas genannten xaxoí und éa0aoí und gelangte auf diese Weise zu unrichtiger Auffassung jenes strategischen Rates, wie er sie in seiner Schilderung von Nestors eigenem taktischen Verfahren an den Tag legt. So konnte es eben zugehen in dem Rhapsodengetriebe, auf welchem das Zustandekommen unserer Ilias weitgehend beruht — für uns gar nicht überraschend. Sehen wir doch anderwärts, daß ein Iliasdichter (O 262 ff.) bei eilfertiger Ausbeutung eines früheren (H 164ff.) vergißt, das Prädikatsverbum zu setzen (die Abhängigkeit der Stellen ergibt einen schlüssigen Beweis für die Richtigkeit dieser Beurteilung: siehe Theiler,Die Dichter der Ilias, Festschr. Tièche 1947 S. 154; vgl. dens. S. 134 über A 56, auch S. 165 A. 67).Google Scholar
  20. 292.
    In Niese,der es allerdings bei einer flüchtig hingeworfenen Äußerung bewenden ließ: Entw. horn. Poesie 69.Google Scholar
  21. 293.
    Von den Phylen und Phratrien handelt er auch Glaube der Hell. I 82.Google Scholar
  22. 294.
    Il. u. Hom. 273 mit Anm. 3. Bestimmtes läßt sich allerdings seinen vage gehaltenen Worten nicht entnehmen.Google Scholar
  23. 295.
    Er hat uns in anderem Zusammenhang schon beschäftigt: S. 164.Google Scholar
  24. 296.
    Apollonios Rhod. überträgt diesen Zug dann nach eigenem Belieben auf die Amazonen: II 997.Google Scholar
  25. 297.
    Dies sei betont gegenüber Lammert,RE s. Schlachtordnung II A 440. Auch hat weder dies noch der für jeden einfach ablesbare Sachverhalt des fast durchgehenden Fehlens der Unterführer. verhindert, daß F. Dornseiff,Die archaische Mythenerzählung (Berlin 1933) 88f. behaupten konnte, der Schiffskatalog sei eine Aufführung des griechischen Heeres nach dem neuen, von Nestor angeregten Grundsatz, die eingesessenen aristokratischen Führer der Phylen und Phratien verantwortlich zu machen; aktualisiert werde das in der Epipolesis. Fürwahr, ärger lassen sich die Dinge nicht wohl verkehren als es hier geschieht.Google Scholar
  26. 298.
    Die Authentizität dieses Verses bzw. Versstückes braucht nicht in Zweifel gezogen zu werden, unabhängig davon wie es sonst mit der Salamisperikope in dieser Hinsicht bestellt sein mag.Google Scholar
  27. 299.
    Über ihn IFilamowitg,Herrn. 30 (1895) 196. II. u. Horn. 512 A. 1, weit überzeugender als Burr,Schiffskat. 105.Google Scholar
  28. 300.
    Von diesem Interesse als seinem bestimmenden Movens sprach IVilamowitg,Il. u. Hom. 512 A. 1, und dabei hätte er bleiben sollen. Wenn er später, Glaube der Hell. I 317 A. 1, lehrte, der Katalog verfolge den Zweck, die Herren der Ilias in ihre alte Heimat, das griechische Mutterland, zurückzuführen, so ist diese sonderbare Idee ein weiteres, wahrhaft vielsagendes Zeugnis dafür, auf welche Abwege der Schiffskatalog selbst einen Forscher von der unsagbaren Größe Ulrichs von Wilamowitz zu führen vermochte. Schließlich war Helena doch aus Griechenland entführt worden und die helladischen Helden waren gekommen, sie dorthin zurückzuholen. Und selbst wer als Kolophonier oder Milesier sich den Sohn des Neleus (oder Neileus) genealogisch aneignen wollte, der wird von diesem Wunsch durch das, was im Katalog über Nestor stand, schwerlich wirksamer abzubringen gewesen sein als durch das, was er in der Menis und in der Nestoris aus dessen eigenem Munde hören konnte (auf die Phantasien über die kolophonische Herkunft des Dichters der Diapeira oder der Nestorrede oder des Schiffkatalogs oder aller mitsammen einzugehen, wird man mir, so hoffe ich, erlassen).Google Scholar
  29. Vollends, wenn Wilamowitz dann im weiteren sagt, die aigaiischen Inseln würden in dem Katalog auffällig vernachlässigt, so grenzt das geradezu ans Unfaßliche. Hat man es nicht vielmehr mit einem gewissen Recht von jeher als auffallend empfunden, daß dort (B 671 ff.) Syme, Kos und andere Sporaden sowie auch karpathische Inseln Platz gefunden haben, keine von allen mit der Ilias durch einen Helden dieser Epopöe verknüpft. Aber sie stehen da eben mit gleicher Berechtigung wie an anderer Stelle die Volksstämme der Enienen, der Peraiber, der Magneten. Schon in all diesen Fällen hat der Katalogdichter den Rahmen eines homerischen Hellasbildes, dessen Entfaltung ihm klärlich als Grundabsicht vorschwebte, überschritten, wobei er sich immerhin doch in nachbarlichem Bereich hielt, sei es an Thessalien, sei es an Kreta und Rhodos. Sollte er statt dessen von hier aus mit schrankenloser Ungebundenheit abschweifen, beliebig weit in den Archipelagus? Dann hätte er vollständig und unverhüllt zum Perihegeten werden müssen; das aber wollte er nicht, er wollte Homeride sein und war es auch, wenngleich als letzter und wenig schön. So mußten denn begreiflicherweise die Inseln weitgehend vernachlässigt werden — wie Wilamowitz mit unangemessenem Ausdruck sagt —, auch konnte es dazu kommen, daß die dorischen stärker berücksichtigt wurden als die jonischen — ein sprechendes Zeugnis dafür, was zu halten ist von der so vielfach erspürten jonisierenden Tendenz des Katalogdichters. Damit ist es nicht besser bestellt als mit den mannigfaltigen regionalen Herkunftshypothesen, deren älteste — die boiotische — eingeschlossen.Google Scholar
  30. 301.
    Über die Unanfechtbarkeit dieses Verses (493) s. o. S. 187 A. 258.Google Scholar
  31. 302.
    Nicht ganz die gleiche wurde bislang erreicht hinsichtlich der genealogischen Einordnung dieses Abschnittes bzw. seiner Umgebung in den weiteren Werkzusammenhang; einen dahin zielenden Versuch unternahm K. Merkelbach,Aegyptus 31 (1951) 256 f. Für unsere Überlegungen ist diese Frage ohne Belang.Google Scholar
  32. 303.
    Erinnert sei aus späterer Zeit etwa an den gefesselten und den befreiten Prometheus des Aischylos, wo mit ähnlichen poetischen Kunstmitteln die ausgedehnten Beschreibungen der Wege und Wanderungen der Io sowie des Herakles eingebettet werden, ungezwungen, doch mit unverkennbarem Eigeninteresse an Erd-und Völkerkunde mit ihren Unterhaltsamkeiten.Google Scholar
  33. 304.
    Zur horn. Frage I 34.Google Scholar
  34. 305.
    Als Gegenpart dazu seien genannt V. Schmid,Philol. 1925, 71 und Burr,Schiffs-kat. 130, nach deren Ansicht der Dichter die Städte und die Schiffe hätte weglassen können und müssen. aos Dies geht eindeutig hervor aus seiner Behauptung (Herrn. a. O.), daß bei Streichung des Kataloges eine Lücke entstünde, die weder durch die Teichoskopie noch durch die Epipolesis ausgefüllt würde, welch letztere er ja auch ausdrücklich (Horn. I 273) als Heldenkatalog bezeichnet. Die einzige zutreffende Äußerung Bethes über den Schiffskatalog ist die, daß er dieses „rätselhafte Stück“ (Horn. III 53) nicht genügend verstehe, um über ihn reden zu dürfen (ebda 164). Diese weise Selbsterkenntnis und vorsichtige Reserve hätte er einhalten sollen, anstatt einige Jahre später — nach weiterem Hingleiten in den Unitarismus — dann doch darüber zu reden (Herrn. a. O.) und zwar mit vollendetem Unverstand. Zu diesem gehört der Vorwurf gegen den „modernen Poesiegenießer” wegen seines „Hasses gegen den Katalog“. Dagegen sei in Kürze nur soviel bemerkt: gesetzt, der wahre „Homer” hätte bei seinem Schaffen so wenig Gefühl für den Unterschied von Poesie und Nicht-Poesie besessen, daß er ein dichterisches Unding wie die Boiotia hervorbrachte, dann wäre er nie und nimmer fähig gewesen, eine Sonne aufgehen zu lassen, die uns lächelt, wie sie einer Menschheit, die dessen wert war oder wurde, in Jahrhunderten und Jahrtausenden gelächelt hat.Google Scholar
  35. 307.
    Dies zeigen für vordorische Zeit namentlich die Tontafeln von Pylos. Burr S. 121 zieht eine Tafel (15./14. Jahrh.) aus der nordsyrischen Hauptstadt Ugarit heran, welche eine Schiffs-und Mannschaftsliste enthält und nach ihrem Typus der Vorlage des iliadischen Schiffskataloges entsprechen soll. Ist nun die Anwendbarkeit solchen Materials auf das Hellas der nachmykenischen Zeit überhaupt fraglich, so gilt das insbesondere von dem homerischen Griechenheer, in dem es keinen panhellenischen Universalherrscher mit überterritorialer Ordnungsgewalt gab, geschweige denn eine entsprechende administrative Instanz für die Führung offizieller Heereslisten, einen Posten, der etwa dem eines modernen Generalquartiermeisters entspräche. In gewisser Hinsicht lehrreich ist dafür auch die mythische Gestalt des Palamedes, welche der kyklischen — d. h. nach heute verbreiteter Ansicht einer gutteils vorhomerischen — Epik angehört. Ihm schreibt der Mythos, wie bekannt, die Erfindung der Schrift-und Zahlzeichen zu, sowie mancher darauf begründeter heeresorganisatorischer Prinzipien, und zwar für die Zeit längst nach dem Aufgebot des Heeres und nach seiner Zusammenziehung in Aulis. Diese Legende ist höchst bezeichnend für die in ihrer Entstehungszeit herrschende Denkweise: ihr lag jegliches Bewußtsein von den primären Voraussetzungen institutioneller und zivilisationstechnischer Natur, auf welchen die Theorie von der dokumentarischen Quelle des Schiffskataloges beruht, offenbar weltenfern; anderenfalls hätte es zu der Sagenkonzeption von dem späteren großen Erfinder Palamedes unmöglich kommen können (s. auch Anm. 314).Google Scholar
  36. 308.
    Dem selbstsicheren Unitarier freilich bereitet das keine Schwierigkeit, vgl. Burr S. B. Was B 93 dabei helfen soll, fragt man sich vergeblich.Google Scholar
  37. 309.
    Als „prächtige Verse“ wertet den Passus auch Von der Mühll,Mus. Heiv. 3, 208.Google Scholar
  38. 310.
    So nach dem Vorgange Koechlys manche Kritiker.Google Scholar
  39. 311.
    Dies hat auch lVilamowitz S. 273 richtig gesehen, was freilich die Verse 360–368 doch nicht davor bewahrt hat, von Schwartz (Ausg.) athetiert zu werden.Google Scholar
  40. 312.
    Dies sage ich im Hinblick auf Jacoby 594f., der — nach dem Vorgang von Schwartz,Entst. der Il. 6 — die Rede des Agamemnon sozusagen als Dublette zu der des Odysseus (so mit vorsichtig gehaltener Zustimmung Theiler,Tièche 142) hinstellt.Google Scholar
  41. 313.
    So richtig Wilamowitz S. 273f., wie auch über die Jugend des ganzen Gedichtes.Google Scholar
  42. 314.
    Dem Unitarismus neuzeitlicher Observanz ist die autoschediastische, bisweilen an eigenmächtige Willkür grenzende, Augenblickserfindung begreiflicherweise ein scharfer Dorn im Auge. Diese Erscheinung widersteht ja unbeugsam der Doktrin von dem subtil konstruierten Feinmechanismus der Ilias, wo alles, bis ins kleinste Rädchen vorausinstalliert und vorauswirkend, in jedem Augenblick plangerecht abrollt. Welch eine große Rolle der auf momentane Wirkung — mitunter (wie etwa A 488–492) sehr tiefe und schöne — abzielenden Improvisation bei Homer in Wahrheit zufällt, das wurde an einigen markanten Beispielen früher ins Licht gestellt: Einzellieder 6ff. 69. Im jetzigen Falle nun sei auch beachtet, daß das Motiv von der Heereseinteilung in Cadres überhaupt als fabulistisches Spielzeug dient. Rühmt sich doch Palamedes bei Aischylos (fr. 182), als erster Taxiarchen, Stratarchen, Hekatontarchen im Achaierheer eingeführt zu haben, — gewiß nicht erst eine Erfindung des Aischylos.Google Scholar
  43. 315.
    Wie Jacoby,Schiffskatalog 579 A. 2 angesichts dieser Tatsache eine genaue Entsprechung zwischen der Epipolesis und dem Passus B 441–454 finden konnte, bleibt unersichtlich.Google Scholar
  44. 316.
    Mehrfach wird ihr felsenfester und unlösbarer Zusammenhalt ja auch in einprägsamen Gleichnissen geschildert: P 747ff. N 703ff.Google Scholar
  45. 317.
    Vgl. Von der Mühll,Mus. Helv. 3, 200.Google Scholar
  46. 318.
    Von solchen spricht mit Betonung Jacoby mehrfach (S. 601. 613).Google Scholar
  47. 319.
    Entstehung der Ilias 7 A. 1.Google Scholar
  48. 320.
    Schiffskat. 579ff., dazu die weiter umgreifende Gesamtübersicht S. 615.Google Scholar
  49. 321.
    Wieviel richtiger hatte doch einst Wilamowitz,SB Berl. Akad. 1906 S. 60 (= Kl. Schrift. V 1 S. 135) — wobei er sogar auf eine weit vorausliegende Äußerung zurückgreifen konnte — gesagt, daß die Frage nach der Komposition der Ilias gleichbedeutend sei mit der nach der Geschichte des Epos, und zugleich die Jahrhunderte IX bis VII als die Blütezeit des Epos bezeichnet.Google Scholar
  50. 322.
    Vgl. etwa Wilamowitr, Die griech. Lit. (1913) 21. Nilsson,Antike 14 (1938) 34.Google Scholar
  51. 323.
    Viel Treffendes und Schönes über den Einklang der beiden Kunstarten, der figurativen und der poetischen, bei L. Curlius,Die klassische Kunst Griechenlands, Potsdam 1938 S. 6ff. 54.Google Scholar
  52. 324.
    Horn. Abhandl. 485 ff.Google Scholar
  53. 325.
    Homer I 2 (1924) 258ff.Google Scholar
  54. 327.
    So etwa Il. u. Horn. 194, wo er das „kümmerliche Suchen nach dem Tertium comparationis“ als eine nirgend angebrachte „stumpfe Rhetorik” verlästert — dies mit völlig unangemessenem, ja kaum verständlichem Ausdruck: hält sich doch die Gleichnisdeutung, welche dem tertium sein natürliches Recht einräumt, von unangebrachter Rhetorik gemeinhin durchaus fern, während die andere sich um so stärker in unsachlicher Rederei ergeht.Google Scholar
  55. 328.
    Göttingen 1921. Programmatische Berufung auf Wilamowitz dort S. 2. 328 Dies nach Schadewaldt, Von Homers Welt u. Werk2 (Stuttgart 1951 ) 149.Google Scholar
  56. 329.
    Dabei haben wir natürlich keine Kurzvergleiche im Auge, sondern regelrechte Gleichnisse wie A 130/1. E 782/3. 0 605/6.Google Scholar
  57. 330.
    Dieses Wort bedeutet hier gemäß gewöhnlicher homerischer Redeweise selbstverständlich dasselbe wie ë(STav 467.Google Scholar
  58. 331.
    Das muß implicite selbst Fränkel,Gleichn. 40 zugeben. Was er dann aber des weiteren noch in das Gleichnis 467/8 hineinlegt —,Wo eben noch Blumen sprossen auf der Wiese am Fluß, bedeckt nun in gleicher Fülle ein Kriegsheer die Auen’ (von den cpúa) z, die doch insgemein erst ävr eos zaµund8es zkei, âXaa 86 0’ úarj T7)Ae06cocsa cpúei, schweigt unser tiefgründiger Ausleger wohlbedachterweise, um die vom Dichter vorgestellte überreiche Fülle durch ein nach der Zerstörung verbliebenes Nichts ersetzen zu können), — das gesellt sich zu Fränkels (S. 71) reichlich seltsamer Ausdeutung der Fliegen von 469–473, von welcher man in Übereinstimmung mit Jacoby S. 581 A. 2 besser schweigt, ebenso wie von der Behauptung, das Gleichnis von den Blüten und ebenso das von den Fliegen sei aus der Götterschau aufgenommen. Immerhin sei zu dem letzteren noch das Folgende bemerkt. Diese Parabole erinnert stark an eine andere, II 641–644, wo die um Sarpedons Leichnam kämpfenden Troer und Achaier in ihrem unablässigen Andrängen verglichen werden mit Fliegen, die um Milchgefäße summen. Hier bildet also die Bewegung der Fliegen den eigentlichen Vergleichsfaktor, wohingegen sie im B ihrer homoiotischen Funktion so gut wie ganz entkleidet ist. Nun mag eine gewisse gedankliche Anstrengung dazu gehören, dieselbe in den Grenzen ihres rein dekorativen Daseinszweckes zu sehen, wie ja selbst ein Wilamowitz durch sie zu einer völlig irrtümlichen Auffassung des Gleichnisses verleitet wurde. Ja weiter: angesichts seiner ohnehin erwiesenen Unechtheit könnte man sich verlockt fühlen, es nun noch genauer als eine depravierende Abwandlung jener Parabole des H zu bezeichnen. Tatsächlich bekundet sich die Abhängigkeit unseres Diaskeuasten schon in der Identität des Verses B 471 mit H 643, und man wird sein Verfahren auch nicht gerade vollgeglückt nennen, trotz seinem deutlichen Bestreben, umbiegend den Mengenbegriff geflissentlich hervorzukehren: sagt er doch statt „Fliegen“ ausdrücklich „Fliegenschwärme” (469) und sogar „viele“. Andererseits ist das so entstandene Produkt in seinem Wesen als Mengengleichnis doch nicht etwa verunglückt, vielmehr auch nach den Begriffen echt homerischer Gleichnisbildung, in welcher das tertium eine maßgebende Rolle spielt, durchaus regelrecht und unanfechtbar. Dafür genügt die Konfrontation mit dem Gleichnis E 522. In ihm findet sich eine noch weit schärfere Zwietracht zwischen tertium und Beiwerk, so daß Frankel,der Verneiner des Vergleichspunktes, sich genötigt sieht, dasselbe als widersinnige Verballhornung eines imaginären Vorbildes hinzustellen (Gleichn. S. 22. 45). Wir unsererseits werden es in der Beilage klären, worauf hiermit verwiesen sei.Google Scholar
  59. 333.
    Diesem Effekt würde hinterdrein noch eine Verstärkung zuteil, wenn das Anhalten in einem unmittelbar anschließenden Gleichnis erneut (durch ïaTavTo 473) zur Sprache käme, so daß uns dessen Echtheit durchaus erwünscht sein könnte. Doch verbietet sich seine Anerkennung, wie wir sahen, durch die Norm der homerischen Gleichnispraxis.Google Scholar
  60. 334.
    Wie konnte Wilamozvitz (S. 275) angesichts dieser Worte, welche den Agamemnon offensichtlich in die ordnenden Führer einbegreifen, denselben mit einem neuzeitlichen Feldherrn gleichstellen, welcher erst nach erfolgter Ordnung und Plazierung der Mannschaften auftritt, um die Parade abzunehmen? Offenbar im Banne seiner Idee von der Gleichnisreihe als einer eigenen Vorgangsfolge. Eine richtigere Anschauung vom Wesen des homerischen Gleichnisses hätte ihn davor bewahren können, ebenso wie andere vor ähnlichen Irrtümern. So etwa Jacoby S. 579 vor seiner Beurteilung des Gleichnisses 455–458 als parabolisch gefaßter Mitteilung eines Vorganges (nämlich, wie wir schon hörten, des Auszuges der geordneten, in geregeltem Marschtritt schreitenden, Heerhaufen zur Schlacht), verbunden mit der bei ihm ebenso verwunderlichen wie bedauerlichen Behauptung, daß Homer die Dinge, auf die es ihm eigentlich ankommt, meistens in die Form des Gleichnisses kleide.Google Scholar
  61. 335.
    Was Fränkel damit sagen will, wenn er (S. 96) diese Schilderung,sehr dezent’ nennt, bleibt unerfindlich. Eine bessere Würdigung wußte die antike Exegese (scholl. 478) zu bieten.Google Scholar
  62. 336.
    Genau umgekehrt lehrt Burr S. 7 unter unrichtiger Beziehung des zunda’ üxa (444) auf das Iqpö nnv von 443/4 anstatt auf keípovTO (444), daß die Sammlung des Heeres, wie Agamemnon sie den Herolden befohlen hatte, in V. 444 „vorwegnehmend als sich vollziehend angegeben wird“. Also wir sollen glauben, daß TOi 8’ ilyripovro taundu’ cixa (444) eine unwahre Angabe ist. Dagegen erübrigt sich jedes Wort, doch sei diese Behauptung mitgeteilt als ein weiteres Symptom dafür, zu welch abwegigen und aus-flüchtigen Einbildungen hier eine recht besehen gar nicht problematische Sachlage geführt hat.Google Scholar
  63. 337.
    Siehe die Anm. 334.Google Scholar
  64. 338.
    Genauere Angaben darüber o. S. 219.Google Scholar
  65. 339.
    Zur Erläuterung des hiermit Angedeuteten sei eine unserem hiesigen Gedankenkreise entnommene Frage gestellt: wenn, wie wir hörten (s. S. 227 A.332), das ganz konventionelle Bienengleichnis B 87ff. eine beabsichtigte Vorbereitung der Massengleichnisse 455ff. bildet, wie sollte dann in der ostentativ prunkvollen Darstellung Agamemnons 477ff. nicht eine bewußte Vorbereitung auf dessen in Bälde erfolgendes Auftreten innerhalb des Schiffskataloges zu erblicken sein? Statt dessen wird uns dort ein Agamemnon vorgeführt, der überhaupt noch keine Waffen angelegt hat. Also es wird nicht nur keine Linie — dies Wort in schlichtestem Sinne gefaßt — eingehalten, sondern es wird nicht einmal eine zuwiderlaufende Abweichung vermieden.Google Scholar
  66. 340.
    Hieraus erhellt aufs neue (vgl. S. 198 A. 276), aus wie begrenzter und äußerlicher Sicht Wilamowitzens Meinung geschöpft war, daß die hiesige Gleichnisreihe lediglich den Agamemnon der Epipolesis vorführen wolle, der in Wahrheit dort (A 223 ff.) in neuer, durchaus eigener Weise vorgeführt wird.Google Scholar
  67. 341.
    In diesem Vorspruch soll man auf das vúv (485) nicht allzu sehr pochen, am wenigsten in dem Sinne, daß dadurch ein unauflöslicher Zusammenhang zwischen dem Vorausgehenden und dem Folgenden bezeichnet werde. Erstens nämlich gehörte dieses Wörtchen eben zu dem damals längst konventionell gewordenen Musenanruf. Sodann war ja der Katalog für diese Stelle in der Ilias bestimmt, und so durfte derart an die vorausgehende Erzählung angeknüpft werden, auch wenn keine Rezitation derselben wirklich stattgefunden hatte. In dieser Weise muß ja natürlich der Schiffskatalog erstmals zu Gehör gebracht worden sein: als Einzelrhapsodie, die durch ihren Umfang gewiß einen vollständigen Vortrag ergab. Daß nun die Zuhörer das ihnen hier gebotene Neue in richtigem Verständnis an das Altbekannte (die Diapeira) anschlossen, dafür wurde sicherlich gesorgt, hier wie in anderen gleichartigen Fällen, und so durfte der Rhapsode das vúv in der von ihm gewählten traditionellen Eingangsformel unbedenklich bestehen lassen. Bis zu welchem Grade das darin liegende Zeitmoment durch den rhapsodischen Gebrauch entkräftet war, dafür bietet auch das apokryphe, durch Aristoxenos bezeugte, ebenso beginnende Iliasprooemium einen eindrücklichen Beleg.Google Scholar
  68. 342.
    Schiffskat. 611ff. Vorher RE s. Hekataios VII 2688, 6ff.Google Scholar
  69. 344.
    Vgl. auch Glaube der Hell. I 82 A. 1.Google Scholar
  70. 345.
    Darüber o. S. 53.Google Scholar
  71. 346.
    So von Heubeck,Gnom. 1949, 209.Google Scholar
  72. 347.
    Horn. Einzellieder 22. 67ff.Google Scholar
  73. 349.
    Hom. Einzellieder 13.Google Scholar
  74. 350.
    Es grenzt ans Unbegreifliche, daß ein immerhin nicht unkritisch denkender Forscher wie lVilhelm Schmid dies verkennen und deshalb für diese Schiffszahl eine gemeinsame,Tradition` ansetzen konnte: Philol. 80 S. 70 A. 12.Google Scholar
  75. 351.
    Eine ähnliche, noch ärgere Übertreibung, wie diese entsprungen aus katalogistischer Verlegenheit, fand sich im Schiffskatalog bei dem Lokrer Aias (o. S. 186).Google Scholar
  76. 352.
    So etwa von Kadermacher,Mythos und Sage bei den Griechen’ (Wien 1943) 139. Vollends der Nereidenkatalog (E 39ff.) darf schon gar nicht ins Feld geführt werdenGoogle Scholar
  77. 353.
    Vgl. darüber auch den Exkurs über die Dardaner in der Ilias.Google Scholar
  78. 354.
    Über die umstrittene Tatsache seines Fehlens im Diakosmos s. o. S. 130.Google Scholar
  79. 355.
    Formelhafte Verse, also uneigene, und Redewiedergaben fallen dabei natürlich außer Betracht.Google Scholar
  80. 356.
    Ein früherer Hinweis darauf o. S. 125 A. 173.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1958

Authors and Affiliations

  • Günther Jachmann

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