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Zusammenfassung

Die Frage nach dem Anordnungsprinzip der Völkerschaften im Schiffskatalog zählt zu den allerältesten innerhalb seiner gesamten Problematik. Aufgeworfen wurde sie zuerst für das Achaierverzeichnis von August Mommsen233 und beantwortet durch eine Lösung, welche unter dem ihr später zuerteilten Namen „Spiraltheorie“ lange in kanonischer Geltung stand und auch noch heute Anhänger hat. Allerdings wurden ihr auch andere Hypothesen entgegengesetzt. Nach der uns bekannten von Burr spiegelt sich in der Anordnung des Achaierkataloges die Reihenfolge des Eintreffens der Heereskontingente an ihrem Vereinigungspunkt Aulis sowie dem angeblichen zweiten, nämlich Halos, wider, — eine, wie sich gezeigt hat (o. S.21 ff.), in jedem Betracht haltlose Annahme. Inzwischen nun wurde, und zwar von Focke, Gymnasium 1950, 263ff., eine andere Theorie aufgestellt, derzufolge die Achaierliste sich nach den vier Haupthimmelsrichtungen gliedere. Diese Ansicht beruft sich auf die Analogie des Tρωιϰòςδιàϰoσμoς, für welchen die Anordnung nach dem vierteiligen Diagramm der Windrose schon seit längerem als erwiesen gilt. Uns hingegen gelten diese Theoreme ihrem Grundsinne nach samt und sonders als sachfremde und verfehlte Spekulationen, und wir fühlen uns demgemäß zu eigener Klarstellung genötigt, wobei wir in Anbetracht der methodisch erhellenden Funktion, welche dem Troerkatalog für die Gesamtfrage zuerkannt wird, von diesem den Ausgang nehmen.

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Reference

  1. 233.
    Der Schiffskatalog der Ilias, Philol. 5 (1850) 522ff.Google Scholar
  2. 234.
    So bei Burr,Schiffskat. 147. Focke a. 0. 263.Google Scholar
  3. 235.
    Quellenbelege und Literaturangaben bei Burr 145 f.Google Scholar
  4. 237.
    Über die Boiotia des Homer, Gymnasialprogramm Neu-Ruppin 1871 S. 6.Google Scholar
  5. 238.
    Ebenso beispielsweise H. Peters,Zur Einheit der Ilias, Göttingen 1922 S. 23.Google Scholar
  6. 239.
    Sie gibt sich als eine „Karte des Hellespontes nach Ptolemaeus“, mitgeteilt von IV. Sieglin,Die Ausdehnung des Hellespontes bei den antiken Geographen, in: Festschrift für H. Kiepert,Berlin 1898 S. 327.Google Scholar
  7. 240.
    Wie es in Wahrheit damit bestellt ist, wird unten in dem Exkurs über den Hellespont dargetan werden.Google Scholar
  8. 242.
    Für Eratosthenes selbst läßt es sich nicht nachweisen: H. Berger, Die geogr. Fragmente des Erat. ( Leipzig 1880 ) S. 205.Google Scholar
  9. 243.
    Vgl. Berger, Gesch. der wiss. Erdkunde der Griechen’ (Leipzig 1903 ) 421.Google Scholar
  10. 244.
    Es steht zu fürchten, daß Sieglin in seiner vorhin (S. 175 A. 241) besprochenen Anmerkung bei den vermeintlichen Belegstellen, auf die er mit „und andere mehr“ hindeutet, auch solche wie diese im Auge hatte.Google Scholar
  11. 245.
    So stellt denn auch der von gleicher Voraussetzung ausgehende Kiepert auf seiner Karte in weitem Unterschied von Burr,doch mit besserer innerer Folgerichtigkeit, den Verlauf der Küste voll rechtwinklig dar. Bemerkt sei an dieser Stelle, daß die Scholien zu Ilias S2 544 einhellig (A. B. T) mit einer Küste der Troas operieren, welche vom Meere E undpwrou berührt wird.Google Scholar
  12. 246.
    Vgl. Strabo XII 4,4ff. 8,1 ff. Der Katalogist denkt sie jedenfalls weiter von der Troas entfernt als die Myser, wie das ~rr~As (V. 862) bei Askania zeigt.Google Scholar
  13. 247.
    Erinnert sei in diesem Zusammenhange daran, daß in die alexandrinische, über Rhodos und Karien laufende, Hauptmeridiane, Lykien als zu weit östlich abliegend nicht eingegliedert wurde.Google Scholar
  14. 248.
    Daß Sestos damit sozusagen in die Troas einbezogen wird, stellt eine überaus befremdliche Tatsache dar, welche sich nach der Meinung von Niese,Schiffskatalog 54 nur aus der Benutzung eines perihegetischen rrapund7raouç erklären läßt. Diese Hypothese hat vielfach Anklang gefunden, auch bei Unitariern (so Burr S. 147), für die der Katalogist und Homer eine Person sind. Diese mögen sich aber Rechenschaft darüber geben, was sie diesem Homer, der doch vorzüglich auch ein sorgsamst manipulierender Feinmechaniker gewesen sein soll, damit aufladen: derselbe raffte die Stadt Sestos deswegen, weil sie in jener Beschreibung einer Seefahrt neben Abydos genannt war, einfach mit, ohne zu bedenken, daß sie nicht hierher gehörte, — ein Verfahren, wahrhaft kongenial einem gedankenlosen Pfuscher, der zuvor (B 594) das messenische Dorion mit dem thessalischen Dotion verwechselt hatte (vgl. o. S. 126).Google Scholar
  15. 249.
    Dieser literarischen Sachlage geschieht kein Abbruch dadurch, daß im Diakosmos die Leleger und die Kaukonen keine Erwähnung finden. Gewiß führen diese beiden Völkerschaften in der Ilias ein recht blutleeres Dasein ohne eigene Befehlshaber, jedoch nicht schattenhafter als die in dem Katalog verzeichneten Karer (B 867), insofern als die Kaukonen immerhin einmal (Y 329) als geschlossene Heereseinheit auftreten. So hat denn jenes Fehlen vielfach Befremden erregt, nicht erst in moderner Zeit (vgl. etwa Niese,Schiffskatalog 51. Ameis-H.,Anhang zu 839. Leaf,Troy, London 1912 p. 283), sondern bereits in antiker. Nach dem Zeugnis des Schol. Townl. zu Y 329 wiesen manche Ausgaben hinter B 855 zwei Verse auf, welche die Kaukonen unter ihrem (uns sonst unbekannten) Fürsten einführten, und Strabo XII 3,5 berichtet, daß Kallisthenes diesen Zusatz verfertigt habe. Diese Urheberschaft scheint zweifelhaft angesichts der Tatsache, daß Apollodoros, wie sich aus Strabo XIV 5, 23 erschließen läßt (Allen,Catalogue 159), die Verse offenbar in seinem Katalogtext las und daß dieselben, wie Bolling,Ext. evid. 78 mit glänzendem Scharfblick aus einem winzigen Fetzen (frg. p) des Pap. Hibeh 19 (1. Hälfte III. Jahr. vor Chr.) erkannt hat, auch in diesem Papyrus enthalten waren.•Gesetzt nun, ihre Einschwärzung wäre wirklich erst durch Kallisthenes erfolgt und dieselbe wäre so notorisch gewesen, wie es nach Strabo XII 3,5 klingt, dann hätte dieses Emblem schwerlich so rasche Verbreitung erfahren, daß es bereits in einem beliebigen Homertext des dritten Jahrhunderts aufträte, und ebensowenig hätte ein Gelehrter wie Apollodoros es ohne weiteres anerkannt. Demnach dürfte Kallisthenes die beiden Verse nicht selbst verfaßt, sondern aus einer älteren Iliasausgabe aufgenommen haben, und dieselben stellen einfach eine jener Ergänzungsinterpolationen dar, wie sie den Katalogen so vielfach zuteil geworden sind.Google Scholar
  16. 250.
    Auf die These von Leaf,Troy 285ff. 326, die vier Linien seien alte Verkehrs- und Handelswege, die bei Troia zusammentrafen, braucht hier nicht eingegangen zu werden. Diese Annahme führt in geschichtliche Hinter- und Untergründe, welche gänzlich außerhalb der Perspektive des Katalogverfassers lagen. Denn er hatte in solcher Richtung über die ihm lange vorausliegende homerische Epik hinaus und durch sie hindurch noch weit geringere Einsichtsmöglichkeiten als sie uns Heutigen sich bieten.Google Scholar
  17. 251.
    Zu dem Terminus s. o. S. 181.Google Scholar
  18. 252.
    Allen,Catal. of Ships 39.Google Scholar
  19. 253.
    Oben S. 21 ff.Google Scholar
  20. 254.
    Die in ihr enthaltene Sonderbarkeit wirkt doppelt augenfällig kraft der hochtönenden Eröffnung dieses Abschnittes durch den obgenannten Vers 681, mit welchem der Verfasser eindrücklich in eigener Person das Wort ergreift und das hymnische Prooemium gleichsam erneuernd aufklingen läßt. Focke nun sucht das Gewicht dieser Worte möglichst abzuschwächen, indem er die darin liegende Verbalellipse nicht wie seit dem Altertum üblich durch undpundc, sondern durch «yev ergänzen möchte — eine offenbare grammatische Unmöglichkeit. Ebenso unmöglich ist die dafür notwendige sachliche Voraussetzung, daß Ileaaóyuxòv “Apyr4 lediglich das Reich des Peleus bezeichne. Zweifellos ist es als ein Collectivum gemeint, und da im weiteren nirgends mehr ein Abschnitt kenntlich gemacht wird, so liegt darin, daß in diesem Sammelnamen die sämtlichen folgenden Lokalitäten bis zum Abschluß des Ganzen (V. 759) einbegriffen werden. Allein diese weiträumige Auffassung wird auch der deutlich spürbaren IntentionGoogle Scholar
  21. 255.
    Zenodot athetierte 528, Aristarch 529/30. Burr,Schiffskat. 37 erklärt alle drei Verse für unecht.Google Scholar
  22. 256.
    Vgl. etwa o. S. 118.Google Scholar
  23. 257.
    Darüber o. S. 109.Google Scholar
  24. 258.
    Diese Rückbeziehung auf das ÉpÉw von V. 493 (vgl. o. S. 185 A. 254), durch welche allein der V. 681 seiner Bildung nach möglich und seiner Sinngebung nach verständlich gemacht wird, bildet, wie bei dieser Gelegenheit bemerkt sei, einen stringenten Beweis für die Unentbehrlichkeit und Unantastbarkeit des V. 493. An dem Prooemium der Boiotia (ab V. 488) wird ja schon seit antiker Zeit (s. Ludwich,Aristarchs hom. Textkritik I 220) eifrig herumgeschnitten; von den neuzeitlichen Herausgebern sei nur Schwartz genannt, welcher (nach früheren) V. 491–493 verwarf, — lauter sinnfällige Zeugnisse dafür, wie wenig man gelernt hat, mit dem Katalogtext gemäß den ihm adäquaten Begriffen umzugehen.Google Scholar
  25. 259.
    Vgl. o. S. 117.Google Scholar
  26. 260.
    Worin man aber nicht etwa Liebedienerei an den Städten erblicken darf: dazu ist ihre Anzahl viel zu hoch, so groß, daß sie sich bei solcher Absicht gegenseitig erdrücken und entwerten würden.Google Scholar
  27. 261.
    Dem Motiv nach richtig beurteilt von , Wilamowitz, Il. u. Horn. 512 A. 1.Google Scholar
  28. 262.
    Horn. Schiffskat. 28.Google Scholar
  29. 265.
    Lit.-Gesch. I 557 A. 12. Ebenso u. a. Fick,Horn. Ilias 384.Google Scholar
  30. 268.
    Gegen die Verwerfung, welche der zweite dieser beiden Verse (44) von Aristarch an seitens mancher Herausgeber (so auch bei Ludwich) erfuhr, hat ihn r. Wilamoavity,Il. u. Hom. 34 A. 1 mit vollem Recht in Schutz genommen, was freilich in der Folge eine erneute Anfechtung seitens Bethe,Rhein. Mus. 80 (1931) 222f. nicht verhindert hat.Google Scholar
  31. Ihm stand der Vers hinderlich im Wege bei seinem Bestreben, den homerischen Agamemnon von Mykene nach Lakedaimon zu versetzen (vgl. o. S. 89), und so pocht er denn darauf, daß derselbe im Schol. Ven. den Vermerk trägt undOctc ro u und im Codex Townleianus sogar fehlt. Bei dieser Argumentationsweise wollen wir unter methodischem Aspekt ein wenig verweilen. Hier werden nämlich die aristarchische Obelisierung des Verses und dessen Fehlen im cod. T (wo er von späterer Hand nachgetragen ist) als zwei selbständige Überlieferungsfakta unterschieden und das zweite wird seiner Autorität nach dem ersten sogar übergeordnet. Aber repräsentiert es nicht lediglich einen Ausfluß des ersten, womit denn in Wahrheit die beiden Momente in eines zusammenfallen und ineinander aufgehen? Darin bekundet sich doch einfach ein allgemein verbreiteter textgeschichtlicher Prozeß, nämlich der des Zerfalles der editorischen Diorthotik. Aristarch hatte den athetierten Vers im Text belassen, doch nicht jeder antike Recensor verfuhr so behutsam: davon legt der cod. Townl. Zeugnis ab, welches aber offenbar auf keiner eigenen dokumentarischen Grundlage fußt, sondern lediglich eine Folge des in diesem Falle (wie das Schol. Ven. lehrt) rein subjektiv begründeten Urteils des Aristarch darstellt. Bei einem Homerforscher vom Range Bethes sollte man für einen so einfachen Vorgang homerischer Textgeschichte ein zulänglicheres Verständnis erwarten.Google Scholar
  32. 270.
    Die vermutliche perihegetische Hilfsquelle verdient eine solche Bezeichnung nicht, denn sie lieferte ja im wesentlichen nur geographische Namen und stand außer Beziehung zur Ilias.Google Scholar
  33. 271.
    Ich bediene mich hier wiederum, wie o. S. 69, jenes wohlangemessenen Ausdrucks von Wilamowitz. Zur Sache in grundsätzlichem Sinne sei verwiesen auf Einzellieder 62.Google Scholar
  34. 272.
    So letzthin lVade-Gery,a. O. (Poet of the Iliad) 53ff. 80. 85 in den Fußstapfen von Allen und Burr,wobei die Luftkonstruktion von Halos als angeblichem überterritorialem Freihafen und als Sammelplatz der nordgriechischen Heeresteile einen Grundpfeiler des Ganzen bildet.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1958

Authors and Affiliations

  • Günther Jachmann

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