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Religion

  • O. D. Chwolson
Chapter

Zusammenfassung

Auch hier werden wir uns auf keine allgemeine Definitionen einlassen. Über den Ursprung, die Geschichte und die Einteilung der Religionen ist genug geschrieben und religionsphilosophische Untersuchungen sind seit Kant, Hegel, Schleiermacher nicht wenig angestellt worden. Wir gehen aus von dem Faktum: zu allen Zeiten und bei allen Menschen, die eine gewisse minimale Entwicklungsstufe erreicht hatten, finden wir irgend eine Form von Religion. Nicht nur die Zahl der inhaltlich verschiedenen Religionen, die es gegeben hat, sondern sogar die der jetzt existierenden, wenn man alle Varietäten und Sekten mit rechnet, ist enorm. Fast in allen Religionen steht im Zentrum eine Macht, die auch aus mehreren Teilen bestehen kann (Fetischismus, Polytheismus usw.). Die ober- flächlichste Betrachtung zeigt nun, daß diese Macht, wie wir sie vorläufig kurz nennen wollen, fast stets und in fast unbegrenztem Maße von anthropomorphen Vorstellungen durchtränkt ist. Es gibt kaum ein auf den Menschen bezügliches Eigenschafts-oder Zeitwort, das nicht auch auf jene Macht angewandt worden wäre. Beispiele werden wir im fünften Kapitel anführen. Der Inhalt der Religionen ist ein äußerst vielseitiger: Göttergeschichten, Kosmogonien, zahllose Erzählungen der verschiedensten Art, Offenbarungen, Wunder, Dogmen usw. bilden ein buntes Gemisch von vielfach einander überdeckenden Teilen. Der alle Vorstellungen von jener Macht durchsetzende Anthropomorphismus ist so gewaltig, daß man den Satz, der Mensch sei nach dem Eben-bilde Gottes geschaffen, wohl ersetzen darf durch den anderen: der Mensch hat sich seinen Gott und erst recht seine Götter nach seinem Ebenbilde geschaffen.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 1925

Authors and Affiliations

  • O. D. Chwolson
    • 1
  1. 1.Universität in LeningradLeningradRussland

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