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Das Ergebnis

  • Walter Grottian

Zusammenfassung

Immer wieder die Friedfertigkeit der sowjetischen Außenpolitik betonend, führen die Nachfolger Stalins als Beweise für die Aufrichtigkeit ihrer Bekenntnisse immer wieder Lenin an. Nach der Darstellung Chruschtschows hat die „weise Idee des großen Lenin über die friedliche Koexistenz“ überragende Bedeutung (vgl. S. 9). Lenin hat jedoch den Ausdruck „friedliche Koexistenz“ (mirnoje sosuschtschestwowanije) nicht gebraucht. Wäre es eine „weise Idee“ Lenins gewesen, dann müßte zumindest die Bezeichnung dafür z. B. in der 2. bzw. 3. Ausgabe der gesammelten Werke Lenins (30 Bände, erschienen in den Jahren 1925–1932) zu finden sein. Obschon viele seiner Gedanken und Ausdrücke in diesen Werken sich sehr oft wiederholen, wird der Leser dieser Werke nicht auf die Bezeichnung „friedliche Koexistenz„ stoßen. Was die vierte Ausgabe der Werke Lenins (35 Bände, erschienen in den Jahren 1946–1950) anlangt, so findet sich dort eine Äußerung Lenins über das „friedliche Zusammenleben“ (mirnoje soshiteljstwo) Sowjetrußlands mit „Völkern“ (18. 2. 1920). Diese Äußerung Lenins in einem Interview mit dem Vertreter der Zeitung „New York Evening Journal“ lautet: „Unsere Pläne in Asien? Die gleichen wie in Europa: friedliches Zusammenleben mit den Völkern, mit den Arbeitern und Bauern aller Nationen, die zu einem neuen Leben erwachen, zu einem Leben ohne Ausbeutung, ohne Gutsbesitzer, ohne Kapitalisten, ohne Kaufleute68.“ Keine Rede also von einem friedlichen Zusammenleben mit kapitalistischen Staaten, sondern nur mit den Völkern dieser Staaten, die, aus Arbeitern und Bauern bestehend, „zu einem neuen Leben erwachen“. Das „Leben ohne Ausbeutung“ ist nach Lenin aber ohne den Sturz des Kapitalismus, ohne den Sieg des Sozialismus nicht denkbar. Die erwähnte Äußerung beweist wieder Lenins Haß gegen die kapitalistischen Staaten. Den Regierungen dieser Staaten stellt er die Völker dieser Staaten gegenüber und behauptet, daß diese Regierungen ihre Völker ausbeuten. Den Frieden unter den Völkern und zugleich den Krieg gegen die Regierungen dieser Völker zu fordern, gehört zu dem festen Bestandteil der Theorie und Praxis Lenins.

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© Westdeutscher Verlag, Köln und Opladen 1962

Authors and Affiliations

  • Walter Grottian

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