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Einleitung: Das Problem

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Part of the Staat und Politik book series (STOPP, volume 9)

Zusammenfassung

»Jedes Volk wird von einer Elite regiert...« so sagt einer der bedeutendsten Ahnherren der modernen Soziologie, Vilfredo Pareto1. Die »Elite« ist vorweg ein Problem der Wissenschaft von der Gesellschaft. Jede Analyse, die die »Elite« zum Gegenstand hat, muß diese Tatsache berücksichtigen. Welche Bedeutung hat das Eliteproblem im Rahmen der Wissenschaft von der Politik? Die Frage berührt die besonderen Funktionen und gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisse von Politik und Gesellschaft. Im Mittelpunkt jeder Untersuchung über Eliten, ob politisch oder soziologisch orientiert, steht zunächst die Frage nach der Macht, nach der sozialen und politischen Macht. Exponenten der neueren Eliteliteratur fassen die Elitebeziehungen als »Machtbeziehungen«, die Eliten als »Machtträger« auf2, sprechen besonders von der politischen Elite als der höchsten machtausübenden Klasse, »the top power class«3. Solche Versuche, das Eliteproblem auf die Kardinalfrage nach der Ausübung der höchsten sozialen und politischen Macht zurückzuführen und zu beschränken, können sich auf einige der bedeutendsten Vertreter der frühen Eliteforschung stützen.

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Literatur

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    Vilfredo Pareto: Allgemeine Soziologie, ausgewählt, eingeleitet und übersetzt von Carl Brinkmann, besorgt von Hans Wolfram Gerhard, Tübingen 1955, S. 44.Google Scholar
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    Nach Theodor Sdiieder: Strukturen und Persönlichkeiten in der Geschichte, in: HZ 195, 1962, besonders S. 286 ff., hängt mit der Verbreiterung der Elitenbasis das Entstehen von »hohen Durchschnittswerten« der Eliten zusammen.Google Scholar
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    Dazu und zum Folgenden Mannheim, Mensch und Gesellschaft, S. 1011f., 104 ff., 109 ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1966

Authors and Affiliations

  1. 1.BonnDeutschland

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