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Reflexion als Kritik des Praktischen Gegenstandsbezugs

  • Armin Günther
Chapter

Zusammenfassung

Dem in dieser Arbeit vertretenen Modell reflexiver Erkenntnis zufolge, läßt sich die sprachlich vermittelte Bezugnahme auf einen Gegenstand als eine Behauptung über diesen Gegenstand, das Referieren als Prädizieren verstehen, so daß die reflexive Kritik dieses Gegenstandsbezugs letztlich einer (präreflexiven) Kritik von Behauptungen über diesen Gegenstand äquivalent ist. Ein solches Modell reflexiver Erkenntnis muß sich mit dem folgenden fundamentalen Einwand auseinandersetzen: Es ist überhaupt nicht möglich, auf die Gegenstände, über die wir sprechen, falsch oder unangemessen zu referieren, da das, worüber wir sprechen, allererst durch die von uns verwendeten referierenden Ausdrücke festgelegt wird. Unser Modell reflexiver Erkenntnis setzt demgegenüber voraus, daß wir den Gegenstand, über den jemand redet, auch im Widerspruch zu dem identifizieren können, was der Sprecher als seinen Gegenstand bezeichnet. Ob diese Annahme haltbar ist, wird im folgenden zu prüfen sein (→ A). Im Anschluß hieran werde ich dann erörtern, was es heißt, daß die Bezugnahme auf einen Gegenstand als Behauptung über diesen Gegenstand verstanden werden kann (→ B). Wie kommt diese Behauptung in die Bezugnahme hinein, und wie läßt sie sich wieder herausanalysieren? Das Kapitel schließt mit dem Versuch, den Fall der reflexiven Kritik des sprachlichen Gegenstandsbezugs zu verallgemeinern und als (besonders wichtigen) Spezialfall der reflexiven Kritik »praktischer Vorurteile« zu verstehen (→ C). Ich werde die Auffassung vertreten, daß ganz allgemein die Art und Weise, wie wir (Forschungs-)Gegenstände behandeln, voraussetzungsvoll ist, so daß es zu einer reflexiven Kritik der Angemessenheit dieses praktischen Gegenstandsbezugs kommen kann, die über eine Kritik des (sprachlichen) Referierens hinausgeht.

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Literatur

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    Auch Lorenzen (1974) unterscheidet die exemplarische Einführung eines Prädikators durch Beispiele und Gegenbeispiel einerseits von der Festlegung terminologischer Regeln,die den Übergang von einem Prädikator zu einem anderen normieren; vgl. auch Kamlah amp; Lorenzen 1973.Google Scholar
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    Stärker noch als Kuhn hat Ludwik Fleck die Bedeutung des wissenschaftlichen Trainings und der sozialen Übereinstimmung in einem »Denkkollektiv« betont; vgl. Fleck 1980.Google Scholar

Copyright information

© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1996

Authors and Affiliations

  • Armin Günther

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