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Präreflexive und Reflexive Erkenntnisbildung — zwei Beispiele

  • Armin Günther
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Zusammenfassung

In diesem Kapitel werde ich am Beispiel eines alltäglichen (→ A) und eines wissenschaftlichen Erkenntnisproblems (→ B) die Unterscheidung von präreflexiver und reflexiver Erkenntnisbildung einführen. Innerhalb dieser beiden Grundformen differenziere ich dann noch einmal zwischen zwei Unterformen (Problemkonstanz und Problemverschiebung), so daß sich insgesamt vier erkenntnisdynamische Verlaufstypen ergeben. In allen vier Fällen betrachte ich den Prozeß, in dem alltägliches oder wissenschaftliches Wissen entsteht. Wie im folgenden deutlich werden wird, läßt sich reflexive Erkenntnis nach meiner Auffassung überhaupt nur als Prozeß verstehen. Allerdings analysiere ich diesen nicht aus historischer oder sozialwissenschaftlicher, sondern aus logischer Sicht. In wissenschaftstheoretischer Terminologie gesprochen geht es mir also um die Unterscheidung von Grundformen der Theorie- oder Erkenntnisdynamik39 und nicht um Strukturunterschiede, nach denen sich vorliegendes Wissen40 unter Absehung von seiner Genese in reflexives und nicht-reflexives Wissen unterscheiden ließe. In einer das Kapitel abschließenden Diskussion sollen die zuvor diskutierten Beispiele verallgemeinert und eine erste allgemeine Bestimmung reflexiver Erkenntnis gegeben werden (→ C).

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Literatur

  1. 50.
    Groeben spricht in einem solchen Fall von einem »uneigentlichen Sprechakt«. Dieser ist gekennzeichnet durch eine Dissoziation auf der propositionalen Ebene einer Äußerung: das eigentlich Gemeinte widerspricht der wörtlichen Bedeutung der Äußerung. So ist die Äußerung des Vaters im Beispiel zu verstehen als »Da hast du aber großen Mist gemacht«, auch wenn oberflächlich das Gegenteil behauptet wird; vgl. Groeben 1986, 211f.Google Scholar
  2. 52.
    Das ist in etwa das Verfahren, das Blickle und Groeben dann auch realisieren; vgl. Groeben 1986, 213f. Für die hier versuchte Strukturanalyse der reflexiven Erkenntnisdynamik ist es aber unwesentlich, ob sich die Präsupposition der attributionstheoretischen Erklärung des paradoxen Effekts von Lob und Tadel letztlich als haltbar erweist oder nicht; vgl. hierzu Blickle 1990, 1993; Blickle & Groeben 1988, 1990; Groeben & Blickle 1988; Reisenzein 1990a, 1990b; Reisenzein & Battmann 1992; Reisenzein, Debler & Siemer 1992; Reisenzein, Debler & Siemer 1993.Google Scholar
  3. 65.
    Als klassische Vertreter dieser klassischen These werden immer wieder, so auch von mir, genannt: Hanson (1958), Kuhn (1978) und Feyerabend (1965). Für kritische Auseinandersetzungen mit dieser These vgl. z. B. Kording 1971, 1972 und Loeck 1987.Google Scholar
  4. 70.
    Wegen dieser halbherzigen Zubilligung eines nur basalen Verstehens, das lediglich den semantischen, nicht aber den pragmatischen Sinn einer Äußerung zu erfassen vermag, spricht Groeben m. E. zu Recht von einem »objektivistisch halbierten Kognitivismus«; ders. 1986, 215.Google Scholar

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© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1996

Authors and Affiliations

  • Armin Günther

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