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Reflexive Erkenntniskritik — eine Vorverständigung

  • Armin Günther
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Zusammenfassung

Der Begriff der Reflexion ist in den letzten Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil des bildungssprachlichen Vokabulars geworden, wobei er allerdings soweit an inhaltlicher Prägnanz verloren hat, daß heute jegliches Nachdenken über irgendetwas schon als Reflexion gilt. Demgegenüber soll im Verlauf dieser Arbeit ein sehr viel spezifischeres Verständnis reflexiver Erkenntnis bzw. reflexiver Erkenntniskritik entwikkelt werden. In diesem Kapitel werde ich in einer ersten Annäherung Grundzüge eines Begriffs oder vielleicht besser: einer Idee von reflexiver Erkenntnis skizzieren. Dazu soll zunächst zwischen Reflexion in theoretischer und praktischer Absicht unterschieden (→A) und als erstes, allerdings noch ganz vages und vieldeutiges Merkmal reflexiver Erkenntnis deren Medien- und Selbstbezüglichkeit herausgestellt werden(→B).

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Literatur

  1. 7.
    Könnte es nicht sein, so fragte sich Descartes in seinen Meditationen aber die Erste Philosophie, daß ein ebenso böser wie mächtiger und listiger Geist all sein Bestreben darauf richtet, mich zu täuschen? Und da er nichts, an dem ein Zweifel auch nur möglich wäre, gelten lassen wollte, nahm Descartes die bloße Möglichkeit methodisch für die Wirklichkeit: »Ich nehme also an, alles, was ich sehe, sei falsch; ich glaube, daß nichts von alledem jemals existiert habe, was mir mein trügerisches Gedächtnis vorführt. Ich habe überhaupt keine Sinne; Körper, Gestalt, Ausdehnung, Bewegung und Ort sind Chimären. Was soll da noch wahr sein?» (Descartes 1971, 44 )Google Scholar
  2. 8.
    Nach Schnädelbach ( 1977, 201) findet sich diese Idee in ausgeprägter Form erstmals bei Descartes. Wenn hier von der »Philosophie der Neuzeit« die Rede ist, dann meint dies etwa die Philosophie, die bei Descartes beginnt und mit der modernen Sprachphilosophie ( Frege, Wittgenstein) endet.Google Scholar
  3. 11.
    Zur Lichtmetaphorik vgl. Blumenberg 1957; ders. 1960.Google Scholar
  4. 13.
    Natürlich gibt es Erkenntniskritik nicht erst seit Descartes. Es geht hier, wie bereits gesagt, um die neuzeitliche, reflexive Erkenntniskritik.Google Scholar
  5. 14.
    Vgl. Albert 1968, 13. Nach dem Münchhausentrilemma scheitert jeder Versuch einer Letztbegründung auf eine von drei möglichen Arten: Entweder kommt es zu einem Begründungszirkel oder zu einem unendlichen Regreß von Begründungen oder zu einem willkürlichen und dogmatischen Abbruch des Begründens.Google Scholar
  6. 15.
    Vgl. Kuhlmann 1985, 12; zur Transzendentalpragmatik s. außerdem z. B. Apel 1973; Kuhlmann & Böhler (Hrsg.) 1982; Dorschel, Kettner, Kuhlmann & Niquet (Hrsg.) 1993.Google Scholar
  7. 16.
    Neben der »kontinentalen« Transzendentalpragmatik hat bemerkenswerterweise auch die»angelsächsische« Analytische Philosophie einen transzendentalphilosophischen (Neben-)Zweig hervorgebracht, der nach den notwendigen Konstituentien eines jeden Begriffs von Erfahrung, den wir uns verständlich machen können, fragt. Dieser Zweig beginnt bei Peter F. Strawson (1959, 1981) und wird fortgeführt z. B. durch Ross Harrison (1972, 1984 ). Allerdings fehlt hier, soweit ich sehe, das für die Transzendentalpragmatik wesentliche Interesse an menschlicher, genauer: sozialer Praxis. — Allgemein zu Sprachanalyse und Transzendentalphilosophie s. Aschenberg 1982; zu »Transzendentalen Argumenten« und transzendentalem Denken s. Bieri, Horstmann & Krüger (Eds.) 1979; Schaper & Vossenkuhl (Hrsg.) 1984; Palmer 1985 und Niquet 1991 mit weiterer Literatur.Google Scholar
  8. 21.
    Vgl. den Aufsatztitel »Sprache als Thema und Medium der transzendentalen Reflexion» (Apel 1973b).Google Scholar
  9. 22.
    Wie alles bei Wittgenstein, so ist auch die Deutung des Privatsprachenarguments umstritten. Meine Auffassung entspricht etwa der von Kripke 1982; vgl. auch Kuhlmann 1985, Kap. 4.Google Scholar
  10. 24.
    Vgl. hiermit auch die folgende Äußerung Pierce’, der die sprachphilosophische Wende in vielem vorwegnahm: »Auf diese Weise hängt die Existenz des Denkens nun davon ab, was nach uns kommen soll, so daß es nur eine potentielle Existenz hat, die vom zukünftigen Denken der Gemeinschaft abhängt.« (Pierce 1976, § 5.316) Vgl. hierzu auch Apel 1973c.Google Scholar
  11. 25.
    Vgl. hierzu Kripke 1982, sowie Kapitel 8 der vorliegenden Arbeit.Google Scholar
  12. 27.
    Dieses Wahrnehmungsmodell bzw. das hiermit verbundene Spiegel-Modell steht im Mittelpunkt der Kritik von Rorty 1987.Google Scholar
  13. 36.
    Vgl. zu Apels Interpretation des Wittgensteinschen Sprachspiel-Konzepts auch f fsti 1993.Google Scholar
  14. 37.
    Kuhlmann & Böhler 1982, 9. Ausführlicher entwickelt Kuhlmann dieses Modell in ders. 1975, 41ff.Google Scholar

Copyright information

© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1996

Authors and Affiliations

  • Armin Günther

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