Advertisement

Einleitung

  • Armin Günther
Chapter
  • 33 Downloads

Zusammenfassung

Manchmal überraschen uns die Dinge. Wir werden dann — mitunter buchstäblich — mit der Nase darauf gestoßen, daß die Dinge nicht das sind, was sie zu sein schienen. Überrascht sind wir nicht etwa über das, was die Dinge sind aber nicht zu sein schienen, sondern darüber, daß sie nur zu sein schienen, was sie nicht sind. Uns überrascht also nicht, daß sich unsere Sicht der Dinge als falsch erweist, sondern uns überrascht die Entdeckung eben dieser Sicht der Dinge selbst. Erstaunt nehmen wir zur Kenntnis, daß unsere Bezugnahme auf die Wirklichkeit im Rahmen einer bestimmten Auffassung oder Sichtweise von dieser Wirklichkeit erfolgte, einer Auffassung oder Sichtweise, die sich, wie wir nun erst sehen, als unzutreffend herausstellen kann. Mit solchen, nicht immer (an)genehmen Überraschungen einher geht eine doppelte Erkenntnis: Wie erkennen etwas über uns und damit zugleich über die Dinge. Über uns erkennen wir, daß wir die Dinge bisher auf eine voraussetzungsvolle, wenn auch nicht notwendigerweise falsche Art und Weise aufgefaßt und begriffen haben. Und wir können dies nur erkennen, weil wir die Dinge nun in einer weniger voreingenommenen Weise als bisher zu sehen vermögen. Um solche überraschenden Erkenntnisse, um Erkenntnisse, die in gewisser Weise ungefragt daher kommen, geht es in dieser Arbeit.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Vgl. Schütz 1971. Es muß allerdings betont werden, daß die »Schockerfahrungen«, von denen Schütz spricht, sich in einem wesentlichen Punkt von den hier behandelten unterscheiden. Bei Schütz markieren Schocks den Übergang von einem in sich geschlossenen Sinnbereich in einen anderen. Die Schocks, von denen ich spreche, beruhen darauf, daß ein bisher geschlossener Sinnbereich unversehens aufbricht, weil die Annahmen problematisch werden, die diesen Sinnbereich konstituieren.Google Scholar
  2. 2.
    Eine naive Form von »Evolutionärer Erkenntnistheorie neigt zu diesem Optimismus. Demnach können unsere Wirklichkeitsunterstellungen nicht allzu falsch sein, weil wir sonst schon längst endgültig »auf die Nase gefallen«, sprich: als Gattung ausgestorben wären. Theoretiker, die dem Biologischen Konstruktivismus Maturanas (ders. 1982) nahestehen, sind da (zu Recht!) schon vorsichtiger. Unsere Wirklichkeitsunterstellungen müssen demnach nicht richtig oder zutreffend, sondern nur »lebbar« sein. Anders ausgedrückt: Unser Bild von der Wirklichkeit muß auf diese nicht zutreffen,es muß mit dieser nur vereinbar sein. Dieser Unterscheidung liegt vermutlich die Intuition zugrunde, daß von verschiedenen, unvereinbaren Wirklichkeitsunterstellungen nur eine auf die Wirklichkeit zutreffen, jedoch mehr als eine mit dieser vereinbar sein kann. Ob diese Unterscheidung allerdings tragfähig ist und ob sie tatsächlich eine Alternative zu einer »naiven Abbildtheorie« der Erkenntnis ermöglicht, wäre noch genauer zu überlegen.Google Scholar

Copyright information

© Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1996

Authors and Affiliations

  • Armin Günther

There are no affiliations available

Personalised recommendations