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Konfrontative Pädagogik — oder: Verstehen allein genügt nicht

  • Jörg-Michael Wolters
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Zusammenfassung

Mit ganz ähnlichem Titel und Anliegen, nämlich meinem Beitrag „Konfrontative Sozialpädagogik: Streitschrift für endliches Umdenken in Jugendhilfe, Jugendstrafvollzug und Jugendpsychiatrie“ im Sozialmagazin (5/2001; 27–33), habe ich bereits engagiert für den hier thematisierten Ansatz geworben und damit die gewünschte Diskussion angezettelt, die immerhin mit unterschiedlichen Reaktionen über vier Hefte der Zeitschrift für Soziale Arbeit andauerte. Mit dem einer Streitschrift gebührenden journalistischen Ausdrucksmittel der Polemik hatte ich den gerade in der Arbeit mit dissozialen und gewaltbereiten Jugendlichen nachweislich kontraproduktiven Hang einiger Sozialarbeiter und -pädagogen zur (leider immer nur „ein-stück-weitverstehenden“) „Kuschelpädagogik“ kritisiert, die als Rudimente oder Anhänger der antiautoritären „Verzieher“ der 68er und folgenden Jahre in ihrer Friedliebigkeit und Harmoniebedürftigkeit den Konflikt — auch und gerade in der Erziehung und in der dazu erforderlichen Grenzsetzung — scheuen und verschmähen. Als auch heute noch spürbare Nachwirkung damaligen Kampfes gegen die Leistungsgesellschaft, der Kritik gegen Militarismus und Patriarchat erkennen sie aus ihrer grundsätzlichen Überzeugung heraus nicht das Konstruktive im Konflikt oder in der Krise und lehnen deshalb jedwede kritisch-konfrontative Haltung, erst recht von Pädagogen, als vermeintlich „autoritär“ ab:

So fühlten sich doch einige der durch die Streitschrift kritisierten Pädagogen gleich derart provoziert, dass sie — paradoxerweise in ungezügelter Emotionalität und unkontrolliertem Affekt nun selber sehr gewalttätige Züge annehmend — die Konfrontative Pädagogik als „teutonische“ und „unerträgliche Pädagogik“, „gefährlichen Unfug“ und „Brutal-Behaviorismus“ beschimpften (so Struck 2001; 6) oder ihr die „Außerkraftsetzung elementarer Grundrechte (...) und Prinzipien moderner (ziviler!) bürgerlicher Gesellschaften“ unterstellten (Peters 2001; 6f.).

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Copyright information

© VS Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2004

Authors and Affiliations

  • Jörg-Michael Wolters

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