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Zur Überrepräsentation ausländischer Kinder und Jugendlicher in „Sonderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen“

  • Reimer Kornmann
Chapter
Part of the Interkulturelle Studien book series (IKS, volume 16)

Zusammenfassung

Die kritische Prüfung, ob bestimmte Bevölkerungsgruppen im Bildungssystem systematisch benachteiligt sind, ist eine wichtige Aufgabe für die Wissenschaft in einem demokratisch verfassten Land. Sind solche Benachteiligungen nachweisbar, müssen sie so erklärt werden, dass sich erfolgversprechende Handlungskonzepte zu ihrer Überwindung entwickeln, erproben und verwirklichen lassen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass eindeutig definierbare Kriterien zur Bestimmung solcher Gruppen verwendet werden. Daher konzentrierte sich ein Teil solcher wissenschaftlicher Bemühungen in Deutschland auch auf die Ausländer. Der forschungspraktische Vorteil einer solchen Fokussierung ist sicherlich auch in der Tatsache begründet, dass sich eindeutig defmieren lässt, wer Ausländer ist: Es sind alle Personen, die keinen deutschen Pass besitzen. Als ein wesentlicher Indikator der Bildungsbenachteiligung ist in mehreren Untersuchungen der Besuch der Sonderschule mit dem Schwerpunkt Lernen (SSL) gewählt worden (Reiser 1981; Hopf 1987; Klemm 1987; Kornmann & Schnattinger 1988; Apitzsch 1990, 1994; Hornberg 1992, 2003; Kornmann & Klingele 1996; Gomolla 1997; Uçar 1996; Wocken 1996; Kornmann, Klingele & Iriogbe-Ganninger 1997; Kornmann, Burgard & Eichling 1999; Kornmann & Neuhäusler 2001). Die SSL ist für solche junge Menschen vorgesehen, die an den Anforderungen der Regelschule scheitern, ohne dass erkennbare physischen Schädigungen oder organisch bedingte Funktionsbeeinträchtigungen vorliegen müssten.

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2003

Authors and Affiliations

  • Reimer Kornmann

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