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Der Bildungserfolg von Einwandererkindern in den Bundesländern. Diskrepanzen zwischen der PISA-Studie und den offiziellen Schulstatistiken

  • Uwe Hunger
  • Dietrich Thränhardt
Chapter
Part of the Interkulturelle Studien book series (IKS, volume 16)

Zusammenfassung

An der Jahreswende 2002/2003 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung zwei Artikel, deren Aussagen sich diametral widersprachen: In der Silvester-Ausgabe verkündete Kultusministerin Hohlmeier selbstbewusst, „Ausländer-Kinder“ in Bayern könnten „besser deutsch als Deutsche in NRW“.2 Vier Tage später meldeten sich italienische Eltern3 und wiesen auf extrem hohe Sonderschulquoten und das Außenseiterschicksal ihrer Kinder hin, das in Bayern und Baden-Württemberg besonders ausgeprägt ist. Seit Jahren und auch nach den neuesten Statistiken gehen in diesen Bundesländern mehr Kinder italienischer Staatsangehörigkeit zur Sonderschule als zum Gymnasium. Die Aussage der Kultusministerin stützte sich auf die PIS A-Studie, die Aussage der italienischen Eltern auf ihre Erfahrungen und auf die offiziellen Statistiken aus den Kultusministerien. Wie sind diese gegensätzlichen Aussagen miteinander zu vereinbaren? Sind in Bayern die Sonderschüler besonders begabt? Eine erste Erklärung liegt in der Tatsache, dass in der PISA-Studie Sonderschüler nicht berücksichtigt worden sind, ohne dass dies in die vergleichenden Statistiken und Bewertungen eingegangen wäre.

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2003

Authors and Affiliations

  • Uwe Hunger
  • Dietrich Thränhardt

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