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Unzureichend gefördert? Eine Analyse der Bildungssituation und der Förderbedingungen für Migrantenkinder an Frankfurter Schulen — auch aus der Perspektive der Schulleiter

  • Dorothea Bender-Szymanski
Chapter
Part of the Interkulturelle Studien book series (IKS, volume 16)

Zusammenfassung

Die Bildungssituation von Frankfurter Schülerinnen und Schülern1 mit ausländischem Pass fällt im Vergleich zu jenen mit deutschem Pass insgesamt in fast allen untersuchten Bereichen recht deutlich zu Ungunsten der ausländischen Schüler aus, wie eine kritische Analyse2 der amtlichen, regelmäßig erfassten Aggregatsdaten des Hessischen Statistischen Landesamtes dokumentiert: Sie werden schon bei der Einschulung prozentual häufiger zurückgestellt; sie wiederholen selbst in der Grundschule, aber auch in der 5., 7. und 11. Jahrgangsstufe häufiger die gleiche Schuljahrgangsstufe; beim Übergang in die Sekundarstufe — einer entscheidenden Nahtstelle für die weitere Schulkarriere — werden sie eher in Haupt- und Realschulen aufgenommen; sie verlassen prozentual häufiger schon aus unteren Schuljahrgangsstufen die allgemeinbildende Schule und erhalten prozentual weniger höherwertige Schulabschlüsse. Dabei sind in größerem Ausmaß ausländische Schüler als Schülerinnen betroffen. Die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen ist insgesamt als gering zu bezeichnen und fällt generell zu Ungunsten der „Aufsteiger“ aus. Im Schuljahr 2000/2001 mussten prozentual mehr deutsche als ausländische Schüler auf eine weniger anspruchsvolle Schulform wechseln, und prozentual mehr ausländische als deutsche Schüler konnten eine anspruchsvollere Schulform besuchen. Insgesamt fällt der Vergleich zwischen deutschen und ausländischen Schülern hier also eher zu Gunsten letzterer aus; möglicherweise sind diese Tendenzen als eine Art Korrektur einer recht frühen „Selektion“ nach oben bzw. nach unten zu deuten (Plath 2003).

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2003

Authors and Affiliations

  • Dorothea Bender-Szymanski

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