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Verschlungene Bildungspfade. Über Bildungskarrieren von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

  • Erika Schulze
  • Eva-Maria Soja
Chapter
Part of the Interkulturelle Studien book series (IKS, volume 16)

Zusammenfassung

Seit der Veröffentlichung der Ergebnisse der internationalen PISA-Studie und dem darin sichtbar werdenden schlechten Abschneiden der Schüler/innen aus der Bundesrepublik ist auch die Bildungssituation der Schüler/innen mit Migrationshintergrund stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Manche glauben dabei, in den Migrantenjugendlichen die eigentlichen Schuldigen für den schlechten Listenplatz Deutschlands gefunden zu haben. So bezeichnete etwa der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber die hohe Zahl der türkischen Kinder, die kein Deutsch könnten, als einen Grund für das schlechte Abschneiden der Bundesrepublik und setzte in gewohnter Manier hinzu, Deutschland sei „an einer Grenze angelangt, Ausländer in dieser Größenordnung zu integrieren“.1 Dieser Reflex mag entlasten, führt jedoch an der Realität vorbei: Nach dem Schulforscher Klaus Klemm würde die Bundesrepublik beim internationalen Leistungsvergleich im Bereich der Lesekompetenz lediglich von Platz 21 auf Platz 19 aufsteigen, wenn man die Jugendlichen mit Migrationshintergrund herausrechnete2. Von einem qualitativen Sprung kann hier also kaum die Rede sein. Übersehen wird in dieser Diskussion auch gerne, dass auf den ersten Rängen zahlreiche Länder zu finden sind, die entweder ausgesprochene Einwanderungsländer sind oder aber einen ähnlichen Migrantenanteil haben wie die Bundesrepublik, jedoch einen anderen politischen Weg eingeschlagen haben.3

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2003

Authors and Affiliations

  • Erika Schulze
  • Eva-Maria Soja

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