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Flüchtlingskinder und -jugendliche im System der Sozialen Ungleichheit

  • Hilde von Balluseck

Zusammenfassung

Die Sozialisationsforschung geht heute davon aus, dass Kinder und Jugendliche nicht nur durch ihre Umstände geprägt werden, sondern dass sie selbst einen erheblichen Anteil daran tragen, wie die sie beeinflussenden Faktoren von ihnen verarbeitet, bewertet und in Handlungsstrategien umgesetzt werden (Honig 1999, Leu/Krappmann 1999). Die Auffassung von der Handlungsfähigkeit des Subjekts wird durch die Ergebnisse der Säuglingsforschung gestützt (Stern 1985, 1991, Dornes 1993, 1997). In der Devianzforschung ergibt sich daraus die Erkenntnis von abweichendem Verhalten als subjektiver Bewältigungsstrategie (Böhnisch 1999: 24). In der soziologischen Theorie findet sich diese Erkenntnis in der Betonung der Herauslösung aus traditionellen Bindungen und damit der Möglichkeit von Individualisierung (Beck 1996, Beck/Beck-Gernsheim 1994).

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Literatur

  1. Hinzu kommen Parameter wie die verdeckte Armut und die wohnkostenbereinigte Armut (Neumann 1999 ). Auch die Überschuldung von Haushalten (vgl. BMAS 2001: 69) ist ein Kriterium zur Messung von Einkommensarmut, das durch die Statistiken über SozialhilfebezieherInnen nicht erfasst wird.Google Scholar
  2. Schätzungen zufolge werden jährlich in der BRD vier Millionen Frauen regelmäßig vonihrem Partner misshandelt (BMFSFJ 1999).Google Scholar
  3. Insofern ist die hier beantragte Studie auch ein Beitrag zur Protektionsforschung (Domes 1997: 234).Google Scholar
  4. Die Einzelergebnisse — schlechtere Leistungen von Jungen in der Schule, ihre Überreprä- sentanz in Sonderschulen, bei bestimmten Formen der Jugendhilfe und in der Jugendge-richtshilfe, höhere Unfall- und Selbstmordgefährdung, spätere Ablösung vom Elternhaus — lassen sich nur mit Mühe aus den verschiedensten Materialien (teilweise bei Hurrelmann 1997: 105, 198ff., 225ff.) extrahieren. Sie deuten darauf hin, dass Jungen — außer im Hinblick auf sexuellen Missbrauch — heute in ihrer Entwicklung gefährdeter sind als Mädchen, dass hier aber offenbar auch ein gesellschaftliches Tabu vorliegt, weil es — außer ansatzweise in Studien wie Böhnisch/Winter (1993) — keine neue Theorie von Männlichkeit gibt.Google Scholar
  5. Kleve (2002) versucht, den Integrationsbegriff zu dekonstruieren und weist darauf hin, dass damit immer die Durchsetzung normativer Vorstellungen verbunden ist. Die Sozialisationsforschung zeigt jedoch auch, dass nur aus Bindungen (die ja eine Integration in Beziehungen darstellen) Autonomie erwächst (Leu/Krappmann 1999 ). Und ebenso können Kinder und Jugendliche sich nur dann — für sie selbst — zufriedenstellend entwickeln, wenn sie Chancen haben, sich in gesellschaftliche Institutionen zu integrieren, d.h. eine Position zu erarbeiten, von der aus sie die Möglichkeit haben, gestaltend — für sich selbst und andere — tätig zu werden. Die völlige Dekonstruktion des Integrationsbegriffs erscheint mir von daher für Sozialisationsprozesse falsch.Google Scholar
  6. Holzapfel (1999) hat die verschiedenen Ergebnisse zu Lebensbedingungen und Sozialisati-on von Flüchtlingskindern in Familien zusammengefasst. Eine Studie, bei der die Kinder selbst zu Worte kommen, gibt es unseres Wissens nicht. Der sechste Familienbericht geht auf diese Gruppe kaum ein (BMFSFJ 2000 ).Google Scholar
  7. Diese Überlegungen stützen sich auf die Erkenntnisse der systemischen Familientherapie,vgl. Boszormeny-Nagy/Spark 1992, Conen 1988, 2002, von Schlippe/Schweitzer 1996, Stierlin 1978, 1989.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2003

Authors and Affiliations

  • Hilde von Balluseck

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