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Leib und Körper

  • Birgit Schaufler
Chapter
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Part of the Augsburger Reihe zur Geschlechterforschung book series (AURGE, volume 3)

Zusammenfassung

Wodurch lässt sich menschliche Subjektivität bestimmen? Was macht eine Person in ihrer Einzigartigkeit aus, ihr Fühlen, ihr Denken und Handeln? Es ist das Zusammenspiel dieser und weiterer Komponenten, welche sich zurückfuhren lassen auf etwas, welches wir gewohnt sind „Geist“ bzw. „Seele“ oder „Körper“ bzw. „Leib“ zu nennen.

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Literatur

  1. 1.
    Für die einführende Darstellung der grandlegenden Positionen zum Verhältnis von Leib und Seele berufe ich mich im folgenden auf bestehende Zusammenfassungen und Übersichtswerke der Philosophiegeschichte; vgl. Coreth/Schöndorf (1990), Dorrie (1986), Hügli/Lübcke (1997), Jüttemann et al. (1991), Kremer (1984), Schulz (1972), Speck (1978, 1986), Störig (1995).Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Oeing-Hanhoff 1986, S.35ff., Coreth/Schöndorf 1990, S.21ff., auch Prechtl (1996).Google Scholar
  3. 3.
    Descartes 1685, 6.Med.§9.Google Scholar
  4. 4.
    Die Zirbeldrüse wird deshalb von Descartes als Sitz der gottgegebenen Seele angenommen, weil sie den anatomischen Kenntnissen seiner Zeit zufolge der einzige Punkt des Gehirns ist, der nur einmal existiert und nicht wie die Hemisphären doppelt angelegt ist (Friedlein 1980, S. 138).Google Scholar
  5. 5.
    Zum tieferen Verständnis der unterschiedlichen Ansätze zur Lösung des Leib-Seele-Problems seien die Analysen von Seifert (1973, 1979) und von Wiesendanger (1987) genannt, sowie die Sammelbände von Pöltner/Vetter (1986) und Hastedt (1988). Grätzel (1989) legt seinen Schwerpunkt auf der Darstellung unterschiedlicher Leibbegriffe in der Romantik.Google Scholar
  6. 6.
    Hier ist die Nähe zum aristotelischen Begriff der Entelechie unübersehbar.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. Seifert 1973, S.174f., Schneider 1986, S.155ff.Google Scholar
  8. 8.
    Das methodische Vorgehen Spinozas, der aus einem, dem Höchsten, alles weitere mit logischer Stringenz deduziert, verdeutlicht seine Orientierung an Descartes’ rationalistischen Überzeugungen.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. Hammacher 1986, S106ff., Hügli/Lübcke 1997, S.590.Google Scholar
  10. 10.
    Die Stellung des Menschen im Kosmos (Max Scheler 1928), Die Stufen des Organischen und der Mensch (Helmuth Plessner 1928).Google Scholar
  11. 11.
    Plessner 1975, S.42.Google Scholar
  12. 12.
    Scheler 1947, S.44 (Hervorhebung von Scheler).Google Scholar
  13. 13.
    Plessner 1975, S.XIGoogle Scholar
  14. 14.
    Plessner zur Theomorphie Schelers: „Von Natur gibt es keinen Menschen. Er wird zu einem solchen durch seine Beziehung zu Gott“ (1975, S.XI).Google Scholar
  15. 15.
    Plessner 1975, S.33 (Hervorhebung von Plessner).Google Scholar
  16. 16.
    Plessner 1975, S.132.Google Scholar
  17. 17.
    Da die Kategorien Zeitlichkeit und Potentialität für Plessners Leibverständnis von nachgeordneter Bedeutung sind werde ich sie an dieser Stelle nicht weiter ausfuhren.Google Scholar
  18. 18.
    Plessner 1975, S.292f. (Hervorhebung von Plessner).Google Scholar
  19. 19.
    Gehlen 1966, S.36 (Hervorhebung von Gehlen).Google Scholar
  20. 20.
    Entsprechend der Zielsetzung dieser Arbeit wird in der folgenden Darstellung der Schwerpunkt auf seine Sicht des Leiblichen gelegt.Google Scholar
  21. 21.
    Marcel 1954, S. 183.Google Scholar
  22. 22.
    Zur Unterscheidung von „possessivem Haben“ und „implizierendem Haben“ siehe Marcel 1954, 170ff.Google Scholar
  23. 23.
    Marcel 1986, S. 17.Google Scholar
  24. 24.
    Marcel 1986, S. 18.Google Scholar
  25. 25.
    Vgl. Zaner (1971). Zur Phänomenologie des Leibes siehe auch die Beiträge in Grossheim (1995).Google Scholar
  26. 26.
    Die Bestrebungen Merleau-Pontys über die Subjektivitätsphilosophie Husseris hinaus-zugelangen fuhrt Schröder (1995) aus; vgl. auch Ricoeur (1986).Google Scholar
  27. 27.
    Zur Wahrnehmungstheorie Merleau-Pontys vgl. Métraux (1986).Google Scholar
  28. 28.
    Die Intersubjektivität des Leiblichen, die aus dieser Zwischenstellung rührt, wird analysiert und weitergeführt durch Barrai (1965), Coenen (1979, 1985), Meyer-Drawe (1984), Levinas (1986); vgl. auch v.Fabeck (1994) zur Bedeutung der Sexualität als vermittelnde „Zwischenleiblichkeit“ an der Schnittstelle von Leiblichkeit und Sozialität.Google Scholar
  29. 29.
    Merleau-Ponty 1966, S.234.Google Scholar
  30. 30.
    Den Aspekt des Handelns als leiblichem Handeln im Sinne Merleau-Pontys wurde eingehend bearbeitet von Taylor (1986).Google Scholar
  31. 31.
    Schmitz 1965, S.XIV.Google Scholar
  32. 32.
    Schmitz greift später das Thema Leiblichkeit in verschiedenen Zusammenhängen erneut auf (vgl. 1986, 1996, 1998).Google Scholar
  33. 33.
    Schmitz 1965, S.40.Google Scholar
  34. 34.
    Die Innen- und Außenansicht des Leibes und deren Verschränkung im Verhalten aus phänomenologischer Sicht wird von Waldenfels (1980) dargestellt. List (1997a) verweist auf die Situiertheit, Prozessualität und Kontingenz, die „Leiblichkeit“ auszeichnen, und beschreibt die Dimensionen, die das Feld des gelebten Leibes abstecken; sie bezeichnet diese Dimensionen mit den Begriffen „kognitiv, energetisch und symbolisch“ (ebd., S.298). Eine vergleichbare Differenzierung des Bedingungsfeldes lebendiger Leib-Körperlichkeit wird im nachfolgenden Teil verwendet.Google Scholar
  35. 35.
    Das moderne Wort „Leib“ stammt vom althochdeutschen „Hb“ (mhd. „lîp“), welches die Bedeutung von Leben und Person hatte und im christlichen Sprachgebrauch zur Bezeichnung des eigentlich menschlichen beseelten Leibes wurde. Der vom lateinischen Wort „corpus“ abgeleitete Begriff „Körper“ bezeichnet im Gegensatz dazu einen unbeseelten (toten) menschlichen Körper, den seelenlosen Tierkörper oder auch einen physikalischen bzw. mathematischen Körper (vgl. Macha 1989, S.63).Google Scholar
  36. 36.
    Die Zelle kann beispielhaft als autopoietische Einheit betrachtet werden. Ihre Struktur und Prozesse sind gut untersucht; sie gelten als „autopoietische Systeme erster Ordnung“. Vielzeller werden als „autopoietische Systeme zweiter Ordnung“ bezeichnet, da ihre explizite Organisationsform noch zu wenig erforscht ist, um sie als Einheit zu definieren (vgl. Maturana/Varela 1992, S.98ff).Google Scholar
  37. 37.
    Maturana/Varela 1992, S.77 (Hervorhebung von Maturana/Varela).Google Scholar
  38. 38.
    Maturana/Varela beschreiben und illustrieren den Fall zweier im Jahr 1922 gefundener bengalischer Mädchen, die bei Wölfen aufgewachsen waren, deren Lebensform angenommen und sich in ihrem Verhalten angepasst hatten (1992, S.141ff.).Google Scholar
  39. 39.
    Die Erscheinung der Variabilität bei gleichem Erbgut nennt man Modifikabilität. Sie lässt sich gentechnisch aber nur im Pflanzen- und Tierreich untersuchen, da sich die Möglichkeit der Forschung mit völlig erbgleichen menschlichen Individuen faktisch auf die Zwillingsforschung beschränkt und weil die Herstellung menschlicher Klone ethisch und rechtlich problematisch ist und aus diesen Gründen (noch) nicht praktiziert wird.Google Scholar
  40. 40.
    Zur „Soziologie des Körpers“ siehe Shilling (1993), Turner (1996); einen interdisziplinären Überblick zum Thema „embodiment“ bietet O’Donovan-Anderson (1996).Google Scholar
  41. 41.
    Mauss 1975, S.203 (Hervorhebung von Mauss).Google Scholar
  42. 42.
    Er belegt diese Aussage nicht, sondern verweist mangels eigener Qualifikation auf die Psychologie, die sich um eine Erklärung geschlechtsspezifischer Körpertechniken bemühen soll.Google Scholar
  43. 43.
    Zu denken ist hier an die 1935 begonnenen und 1939 erstmals veröffentlichten Studien von Norbert Elias über den Zivilisationsprozess, welche erst in einer Neuauflage von 1969 international Beachtung fanden.Google Scholar
  44. 44.
    Die auf den Körper zielenden Prozesse der Kontrolle sind Gegenstand verschiedener Studien; vgl. hierzu die Sammelbände von Kamper/Rittner (1976) und Kamper/Wulf (1982) sowie Klotz (1992) und König (1989).Google Scholar
  45. 45.
    Elias 1986c, S.89 (Hervorhebung von Elias).Google Scholar
  46. 46.
    Elias 1986c, S.89f.Google Scholar
  47. 47.
    Elias 1993b, S. 173f.Google Scholar
  48. 48.
    Elias 1994, S.331.Google Scholar
  49. 49.
    Elias verwendet zwar tiefenpsychologische Termini in der Beschreibung der Psychogene-se, doch historisiert er die „psychische Apparatur“ (vgl. etwa Elias 1994, S.326f). Blo-mert weist darauf hin, dass bei Elias das „Ich“ als vermittelnde Instanz zwischen „Es“ und „Über-Ich“ unterrepräsentiert ist und häufig mit der Über-Ich-Steuerung zusammenfällt (Blomert l991, S.17ff.).Google Scholar
  50. 50.
    Roper 1995, S.27f.Google Scholar
  51. 51.
    Zur weiteren geschichtswissenschaftlichen Einschätzung der Werke von Elias siehe auch Chartier (1989), Muchembled (1996). Besondere Außenwirkung erreicht die von Hans Peter Duerr betriebene „Entmythologisierung des Zivilisationsprozesses“ (1988, 1990, 1993, 1997) und die darauf einsetzende Diskussion über dessen Thesen etwa Maurer (1989), Rehberg (1991), Schröter (1997) und Wouters (1994). Zentraler Punkt der engagierten Duerr-Schröter Debatte sind die von Elias beschriebenen Wandlungen des Schamverhaltens, welches von Dürr „anthropologisiert“ wird.Google Scholar
  52. 52.
    Foucault gebraucht das architektonische Modell des „Panopticons“, das durch Überwachungsmöglichkeiten die unsichtbare Disziplinarmacht repräsentiert (vgl. Foucault 1976).Google Scholar
  53. 53.
    Eine explizit sozialpsychologische Konzeption des Selbst, wie sie beispielsweise von Mead (1968) und Cooley (1970) entwickelt wurde, wird an dieser Stelle nicht eingehend behandelt, da sie in großen Teilen Eingang gefunden hat in die kognitiv orientierte Selbstkonzeptforschung und in deren Darstellung berücksichtigt wird.Google Scholar
  54. 54.
    Freud 1969c, S.214 (Hervorhebung von Freud).Google Scholar
  55. 55.
    Es wird an dieser Stelle nicht näher auf die einzelnen Phasen psychosexueller Entwicklung eingegangen, da dies für eine Darstellung des grundlegenden Körperverständnisses der Psychoanalyse nicht erforderlich erscheint. Die Entwicklungstheorie Freuds ist ausführlich behandelt bei Miller (1993).Google Scholar
  56. 56.
    Ich werde mich in der Erörterung klinischer Phänomene auf die grundlegenden Positionen beschränken und folge in meiner Darstellung Freud (1992).Google Scholar
  57. 57.
    Sie ähnelt jener Energie, die im japanischen Kulturkreis „Ki“ und bei den Chinesen „Chi“ genannt wird, bei den Indern heißt sie „Prana“ und Hippokrates bezeichnete diese Lebensenergie als „Vis naturae“ (Lukoschik/Bauer 1993, S.18).Google Scholar
  58. 58.
    Die einzelnen Therapieformen werden dargestellt bei Corsini (1994), Lukoschik/Bauer (1993), Petzold (1992) oder auch Rowan/Dryden (1990).Google Scholar
  59. 59.
    Auf die einzelnen therapeutischen Techniken soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Neben Bewegung, Spannung und Entspannung, Berührung und der Einnahme bestimmter Positionen spielt die Stimme und damit verbunden die Atmung eine wesentliche Rolle für die Wiederherstellung des freien Energieflusses (vgl. Lowen/Lowen 1979).Google Scholar
  60. 60.
    Lowen 1992a, S.115f.Google Scholar
  61. 61.
    Büntig l994, S.71.Google Scholar
  62. 62.
    Als „Ich-Psychologie“ bezeichnet man eine bereits zu Lebzeiten Freuds von Anna Freud begründete psychoanalytische Strömung, die das Ich als Zentrum innerpsychischer Konflikte in seiner Funktion für die Lebensbewältigung betont.Google Scholar
  63. 63.
    Erikson nach Aupperle 1992, S.57.Google Scholar
  64. 64.
    Eine ausführliche Darstellung der einzelnen Stadien findet sich bei Miller (1993).Google Scholar
  65. 65.
    Mahler et al. 1978, S. 14.Google Scholar
  66. 66.
    Die Darstellung traditioneller Identitätskonzepte und Versuche ihrer Wetterführung stehen im Zentrum des Sammelbandes von Keupp/Höfer (1997).Google Scholar
  67. 67.
    In den folgenden Ausführungen berufe ich mich auf die Arbeiten von Filipp (1979) und Epstein (1979) und folge Neubauer (1976) in seiner Sicht des Selbstkonzeptes als Selbsttheorie.Google Scholar
  68. 68.
    Als Beweis für die Existenz des Körperschemas wird das Wahrnehmungsphänomen des Phantomgliedes angesehen. Die zum Teil schmerzhafte Wahrnehmung eines amputierten und somit faktisch nicht existenten Körperteils wird in der Neurophysiologie durch eine corticale Spontanaktivität erklärt, die bewirkt, dass die Körperwahrnehmung und somit das Körperschema unverändert beibehalten wird (Joraschky 1986, S.37f).Google Scholar
  69. 69.
    Head 1920, S.737.Google Scholar
  70. 71.
    Wenn Schilder den Begriff „image“ benützt, so verwendet er ihn weniger in der Bedeutung eines Abbildes, sondern im Sinne des Freudschen Imagobegriffes mit der Betonung sowohl bewusster als auch unbewusster Inhalte des Körperbildes (Joraschky 1986, S.36).Google Scholar
  71. 72.
    „Körpererfahrung“ wurde zum Schlagwort der wiederentdeckten Körperlichkeit der letzten Jahrzehnte. Es fand Eingang in verschiedene sportpädagogische Konzepte (Alten-berger/Maurer 1992, Funke 1983, 1987, Treutlein et al. 1986), stieß aber aufgrund seiner inflationären und zum Teil unreflektierten Verwendung auch auf Kritik (Größing 1993, Thiele 1990, 1996).Google Scholar
  72. 73.
    Zur theoretischen Konzeption des Leib-Körpers als Aspekt der Biographie siehe Alheit et al. (1999); hier finden sich auch neue Ergebnisse körperorientierter Biographieforschung.Google Scholar
  73. 74.
    Aktuelle empirische Ergebnisse der Erforschung alltäglicher Körpererfahrungen sind dokumentiert im Sammelband von Nettleton/Watson (1998), vgl. auch Cash/Pruzinsky (1990).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2002

Authors and Affiliations

  • Birgit Schaufler

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