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Medienerziehung in der Familie und die Bedeutung der Eltern für den Erwerb von kindlicher Medienkompetenz

  • Wolfgang Burkhardt
Part of the Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen book series (LAMNRW, volume 40)

Zusammenfassung

Wenn es darum geht, zur Förderung der kindlichen Medienkompetenz durch die Eltern beizutragen, sind zwei Vermittlungsebenen betroffen. Eltern bzw. Familien sollen medienpädagogische Qualifikationen vermittelt werden, sie sind aber zugleich in den Stand zu versetzen, im Sinne dieser (neuen) Kompetenz gegenüber ihren Kindern tätig zu werden. Damit ist die Doppelbedeutung des Begriffes „Elternerziehung“ angesprochen: Wie der generelle Begriff der „Familienerziehung“ zwei Varianten einschließt (Erziehung in der Familie und Erziehung der Familie) gilt auch für den Begriff der „familiären Medienerziehung“, dass er die von außen an die Familien herangetragenen Informationen, Beratungen, Handreichungen und Interventionen ebenso einschließt wie das Spektrum der medienpädagogischen Erziehungsmaßnahmen innerhalb der Familie.

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Literatur

  1. 22.
    Diese Breite der Initiativen schließt ein, dass trotz der herausragenden Bedeutung der Eltern andere Sozialisationsinstanzen und die Qualifizierung der dort Tätigen nicht ausgeschlossen werden können: „Im Gegenteil, Kindergarten und Schule setzen neue Lernumwelten mit neuen Anforderungen, die in der Konsequenz wiederum einstellungsbildend sind, vor allem weil sie Erfahrungen ermöglichen, die in den Familien nicht immer oder nicht mehr vorhanden sind“ (Lukesch 1996, S. 165). Konzepte der Elternbildung und Maßnahmen zur Weiterqualifizierung von Erzieherinnen und Lehrerinnen sind nur zwei exemplarische Ausprägungen möglicher Initiativen.Google Scholar
  2. 23.
    Ob beispielsweise Ulrich Beck dem Primat der Familie far die Mediensozialisation zustimmen würde, soll dahingestellt bleiben. Beck stellt die Sozialisationsfahigkeit und -berechtigung insofern in Frage, als er die Individualität und Gleichberechtigung von Kindern hervorhebt und von der „privaten Fürsorglichkeitssklaveici der Kinder durch die Eltern“ spricht, an die sich künftige Generationen wohl mit Verwunderung erinnern würden. In Abschnitt IV, 2.1. wird im Zusammenhang mit dem Aspekt der Qualifizierung von Nicht-Experten (Eltern) auf dieses Problem ausführlicher eingegangen (vgl. auch Beck 1996, S. 47 ).Google Scholar
  3. 24.
    Repräsentativ ausgewählt und mündlich-persönlich befragt wurden in den alten Bundesländern einschl. West-Berlin 2.821 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren; in allen Haushalten wurden darüber hinaus auch die Mütter (schriftlich) befragt, in jedem vierten zusätzlich die Väter. Die Feldarbeit erfolgte von Anfang Oktober bis Anfang Dezember 1990. Da es keine aktuellere und zugleich ebenso fundierte, repräsentative Untersuchung dieser Fragestellungen gibt, werden ausgewählte Befunde dargestellt.Google Scholar
  4. 25.
    Auf die von den Autoren relativ deutlich herausgearbeiteten Einstellungsdifferenzen zwischen den westlichen und den östlichen Bundesländern wird im vorliegenden Zusammenhang nicht detailliert eingegangen; vgl. Klingler/Groebel 1994, S. 45 ff.)Google Scholar
  5. 26.
    In die Befragung einbezogen wurden — aus forschungsökonomischen Gründen — 200 Kölner Familien, in denen mindestens ein Kind des Geburtsjahrganges 1984 lebte und deren Haushaltsvorstand die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Die 200 Familien verteilten sich gleichmäßig auf jene vier Familienformen, die in der Bundesrepublik am häufigsten vertreten sind (n= 50 pro Familientyp). „Aufgrund der Beschränkung auf ein relativ homogenes urbanes Milieu und auf deutsche Haushalte sowie der zusätzlichen Kontrolle des Bildungsniveaus der Eltern können unterschiedliche Lebensbedingungen mit einiger Wahrscheinlichkeit auf die jeweilige Familienform zurückgeführt werden“ (Hurrelmann 1996, S. 32).Google Scholar
  6. 27.
    Hurrelmann selbst bezeichnet das Design ihrer Untersuchung als „quasi-experimentell“ ohne Anspruch auf Repräsentativität: die vier in der Bundesrepublik am häufigsten vorkommenden Familienformen waren zu gleichen Anteilen in der Stichprobe enthalten (disproportionaler Stichprobenansatz mit 50 Familien pro Familientyp).Google Scholar
  7. 28.
    Vgl. „Kinderwelten 2000“, Hrsg. RTL Disney GmbH and Co. KG, Köln, 2000, S. 33.Google Scholar
  8. 29.
    Im Jahre 1995 hat eine Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest zu sehr ähnlichen Ergebnissen geführt. Befragt wurden 1.310 Personen ab 14 Jahren (Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz). Zentrale Ergebnisse: Eltern unterstellen generell, dass Kinder zu lange fernsehen und von den Programmangeboten nachhaltig beeinflusst werden. Auch wenn eingeräumt wird, dass das TV-Programm in Teilen nützlich ist, vertreten Erwachsene und Eltern die Auffassung, Gewaltdarstellungen seien ein beträchlicher Teil des rezipierten Fernsehangebotes. Nicht zuletzt deshalb besteht bei der überwiegenden Mehrheit der Eltern die Bereitschaft, die abendliche Programmnutzung (nach 20 Uhr) ihrer Kinder zu regulieren (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 1995 ).Google Scholar
  9. 30.
    Die Untersuchung erfolgte in zwei Wellen (Mai/Juni 1995 und Februar 1996) in Form von standardisierten, mündlich-persönlichen Interviews einschl. Tagesablaufprotokollen. In der ersten Welle wurden 629, in der zweiten 467 Hauptbetreuungspersonen von Kindern der Geburtsjahrgänge 1988 bis 1993 befragt. Die Rekrutierung der Stichprobe erfolgte nach „einem aufwendigen Quotierungsverfahren (…), das die sozialökologischen Gegebenheiten und die unterschiedlichen Lebensbedingungen der Familien mit Vorschulkindern in der Bundesrepublik Deutschland berücksichtigt “ (Kübler/Swoboda 1998, S. 63 ).Google Scholar
  10. 31.
    Diese Fähigkeit, verbunden mit einer Diskussionsbereitschaft, die dem Kind hilft, Hintergründe, Intentionen etc. einer Sendung zu erfassen, heben Bea Van den Bergh u.a. als herausragendes Merkmal der „Evaluative Guidance“ hervor, einer Medienerziehung und -orientierung, die erfolgreich auf Gemeinsamkeit, Beobachtung und sachgerechte Bewertung von Programminhalten setzt. Die übrigen der von Bergh beschriebenen Medienerziehungsstile sind: „Unfocused guidance” (gemeinsames Femsehen mit Empfehlung und Beratung, aber weniger gezielter Diskussion) und „Restrictive guidance” (als Folge eher distanzierter Beobachtung und Einschränkung der Fernsehnutzung am wenigsten effektiv in Bezug auf eine stimulierende Eltern-Kind-Kommunikation); vgl. Bergh u.a. 1999, S. 329 ff.Google Scholar
  11. 32.
    Im Januar/Februar 1998 wurden 189 Kindergartenkinder im Alter von drei bis sechs Jahren im Rahmen eines experimentellen Studiendesigns mündlich-persönlich befragt (Einzelgespräche von ca. 30 Minuten Dauer unter Verwendung von TV-Stimulusmaterial). „Aus organisatorischen Gründen konnte die Stichprobe nicht nach dem Zufallsverfahren ausgewählt werden, daher ist keine Repräsentativität der Ergebnisse gewährleistet. Da Kinder dieser Altersgruppe am besten in Kindergärten erreicht werden können, war es nahe liegend, diese Untersuchung auch in Kindergärten durchzuführen“ (v. Ploetz 1999, S. 74 ).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2001

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Burkhardt
    • 1
  1. 1.RheinbachDeutschland

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