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Medienkompetenz von Eltern als pädagogische Schlüsselqualifikation

  • Wolfgang Burkhardt
Part of the Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen book series (LAMNRW, volume 40)

Zusammenfassung

Die Zuständigkeit für die Mediensozialisation und Medienerziehung von Kindern und somit für die Vermittlung von Medienkompetenz wird kontrovers diskutiert. Viele Eltern, beispielsweise wenn Kinder unterschiedlichen Alters im Haushalt leben, ein erwachsenes Haushaltsmitglied — aus welchen Gründen auch immer — zu extensivem Fernsehgebrauch neigt oder Problemsituationen zu meistern sind, berichten vom Fernsehen als einem Konfliktträger ersten Ranges. Häufig sind sie mit der Steuerung der Nutzung von Fernsehen, Video- und Computerspielen, aber auch immer mehr und immer früher von Multimedia- und Internetorientierungen ihrer Kinder überfordert.

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Literatur

  1. 1.
    Six u.a. haben nicht nur nachgewiesen, dass viele Erzieherinnen den Medienkonsum von Kindern unrea listisch hoch einschätzen. Sie konnten auch zeigen, dass in erster Linie negative Assoziationen mit der kindlichen Medienzuwendung verbunden werden: „Die Einschätzungen zur Fernsehnutzung bei Kindern verbinden sich in erster Linie mit Befürchtungen hinsichtlich der Schädlichkeit des angenommenen Nutzungsquantums… Sie gehen auch davon aus, dass Kinder eher aus negativen Motiven heraus fernsehen, d.h. aus Motiven, die eher auf Defizite (etwa in Form fehlender Anregungen von außen oder sonstiger negativer Sozialisationsbedingungen) schließen lassen“ (Six u.a. 1998, S. 303–304).Google Scholar
  2. 2.
    Bachmair 2000, GMK-Fachtagung und Expertengespräch vom 11. 04. 2000.Google Scholar
  3. 3.
    Die Autoren des Studienberichtes weisen darauf hin, dass die zum Befragungszeitpunkt herausragende Bedeutung des Medienthemas „sexueller Missbrauch von Kindern“ zu diesem Ergebnis beigetragen haben mag. Insgesamt zeigten die Ergebnisse der Untersuchung jedoch, dass der Kinder-und Jugendschutz für die Bundesbürger in sehr unterschiedlichen Bereichen hohe Bedeutung hat (Ausbildungs-und Arbeitszeitregelungen, Drogenmissbrauch etc.).Google Scholar
  4. 4.
    Von Sendezeitbeschränkungen kann bei digital verbreiteten Programmen im Privatfernsehen und Pay-TV seit Juli 2000 abgesehen werden, wenn die Sendungen verschlüsselt ausgestrahlt werden. Indizierte Sendungen fallen nicht unter diese Ausnahmeregelung (vgl. Satzung zur Gewährleistung des Jugendschutzes in digital verbreiteten Programmen des privaten Fernsehens).Google Scholar
  5. 5.
    Neben dem Deutschen Multimedia Verband (dmmv) zählen zu den Mitgliedern u.a. die Deutsche Tele kom AG, der Bundesverband Informationsanbieter Online (BVIO), der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) sowie die Bundesverbände der Zeitungs-und Zeitschriftenverleger.Google Scholar
  6. 6.
    Die Initiative „jugendschutz.net“ der Jugendminister der Länder beschränkt sich nicht auf Hinweise von Privatpersonen, sondern verwendet auch ein Software-Programm, das nach potenziell jugendgefährdenden Inhalten sucht („Crawler”), um mit den Anbietern der Seiten Kontakt aufzunehmen und ggf. entsprechende Meldungen an zuständige Behörden zu machen.Google Scholar
  7. 7.
    Filtertechnologien im Internet setzen einen Überblick über die Angebote und Vorkenntnisse voraus, die bei nur wenigen Eltern vorhanden sein dürften (vgl. Dokumentation,Jugendschutz und Filtertechnologien im Internet. Eine Untersuchung der Secorvo Security Consulting GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie“. Stand: Januar 2000 ).Google Scholar
  8. 8.
    Z.B. http://www.jugendntedienschutz.de des Fördervereins für Jugend und Sozialarbeit e.V. oder das Projekt „Best Use — promoting best use, preventing misuse“ der Europäischen Union unter http://www2.echo.lu/best_use/best_use. html.Google Scholar
  9. 9.
    GMK, Kinder-und Jugendfilmzentrum, Bundeszentrale für politische Bildung, Programmberatung für Eltern e.V., Programmzeitschriften, Stadtbüchereien etc.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. hierzu auch Hurrelmanns Analyse der familiären Stile der Medienerziehung (Hurrelmann 1996).Google Scholar
  11. ll Einen der Gründe für diese „pädagogische Kontroll-Orientierung“ sieht Baacke in den damals neuen Drucktechniken, die es beispielsweise ermöglichten, „Trivialliteratur, Kriminal-und Frauenromane massenhaft zu produzieren”. Die Medienpädagogik reagierte auf diese Möglichkeiten und Herausforderungen mit beträchtlichen Bedenken und der Forderung nach Einschränkung von Produktion und Lektüre.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. auch die Ausführungen von Aufenanger bzgl. einer „Multi-Media-Pädagogik“ als der aktuellsten Pädagogik-Variante, die aber eigentlich erst eine Forderung an die Zukunft sei. Diese „Multimedia-Medienpädagogik” müsse sich „(wieder) mehr mit Pädagogik beschäftigen und weniger auf die Medien konzentrieren; und sie muss sich mit Forschungsergebnissen aus den Bereichen der Soziologie und Psychologie sowie des Lernens beschäftigen“ (Aufenanger 1996c, S. 202).Google Scholar
  13. 13.
    Aufenanger betont immer wieder den Spaß und Genuss bei der Beschäftigung mit den Medien. In seiner Definition von „Medienkompetenz“ stellt er als Zielgröße neben Wissen, Verstehen, Beurteilen und Handeln auch das „Genießen von Medienangeboten unter Abwägen anderer Handlungsalternativen” (vgl. u.a. Aufenanger 19966, S. 461).Google Scholar
  14. 14.
    Thiele weist auf die unzulässige Beschränkung von Begriff bzw. Inhalt der „Medienkompetenz“ auf „Handhabungsfertigkeiten und Funktionswissen” hin; im Sinne der Medienpädagogik schließe der Begriff die kompetente und selbstbewusste Auswahl und Nutzung des gesamten Angebotsspektrums ein. Vier von ihm unterschiedene Kompetenzbereiche greifen Differenzierungen anderer Autoren auf (Thiele 1997, S. 2 ).Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. darüber hinaus die ergänzenden Erläuterungen des „medienästhetisch-kommunikationskulturellen Ansatzes“ von Pöttinger. Sie hebt hervor, dass bei ihm nicht mehr das Ziel besteht, „die Realität zu entlarven oder zu verändern, sondern es geht darum, Wirklichkeit zu entwerfen. Das würde bedeuten, dass sich jeder seine eigene Welt konstruieren kann und Medienkompetenz darin besteht, dies möglichst angenehm, perfekt und individuell zu können” (Pöttinger 1997, S. 65–66 ).Google Scholar
  16. 16.
    Bezogen auf die verschiedenen Konzepte und Erwartungen hinsichtlich der Aufgaben von Medienerziehung und Medienkompetenzvermittlung sei auf den Band „Lernziel Medienkompetenz“ von Ida Pöttinger verwiesen. Im Rahmen der von ihr vorgestellten Varianten an Zielbeschreibungen dokumentiert und kommentiert Pöttinger die Ziel-und Aufgabenkataloge von Horst Dichanz, Gerhard Tulodziecki, Dieter Baacke, Georg Amman und Klaus Neubauer (vgl. Pöttinger 1997).Google Scholar
  17. 17.
    Die Untersuchung wurde im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung NRW an der Universität Bielefeld als Modellprojekt durchgeführt.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. auch GMK: www.gmk.medienpaed.de.Google Scholar
  19. 19.
    Diese von Baacke zur Operationalisierung vorgeschlagenen vier Dimensionen und ihre Untergliederungen sind im Internet ausführlich und im merz-Themenheft „Medienkompetenz — Was soll das?“ (Nr. 1, Februar 1999) gestrafft dargestellt.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. im Einzelnen: Six u.a. 1998, S. 31–32.Google Scholar
  21. 21.
    Anders sieht es mit den Zugangsformen bzw. Vermittlungsstrategien aus: Das Defizit an zielgruppenspezifischen (auch „schwer erreichbare“ und benachteiligte Familien nicht ausschließenden) und von den Eltern akzeptierten Zugangswegen ist offenkundig.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2001

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Burkhardt
    • 1
  1. 1.RheinbachDeutschland

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