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Einheimische Lagerung: Jugendliche aus ansässigen Familien

  • Arnd-Michael Nohl
Part of the Forschung Erziehungswissenschaft book series (FO ERZWISS, volume 112)

Zusammenfassung

Der empirische Teil dieser Arbeit beginnt mit der Analyse der Milieus einheimischer Jugendlicher. Denn erst vor dem empirisch fundierten Hintergrund dieser Jugendlichen kann im nächsten Kapitel die Migrationslagerung der Jugendlichen aus Einwanderungsfamilien herausgearbeitet werden.

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Literatur

  1. 1.
    Allenfalls werden Jugendliche dort als Einheimische untersucht, wo es um ihre Haltung gegenüber Migrant(inn)en geht. Vgl. etwa Schnabel 1993, Quesel 1997 und Rieker 1997.Google Scholar
  2. 2.
    Als Beispiel seien hier die repräsentativen Jugendstudien genannt, in denen der Ausschluss der „ausländischen“ Jugendlichen im Nebensatz erwähnt wird. So heißt es bei Silbereisen et al. (1996, S. 20): „Die Befragten wurden so ausgewählt, daß sie die Gesamtheit derjungen Leute diesen Alters in Deutschland 1996 repräsentieren, eingegrenzt auf die deutsche Wohnbevölkerung.“ (H. v. m.) Ein Wandel bahnt sich hier mit der neuen Shell-Studie (Jugendwerk der deutschen Shell 2000) an, in der allerdings auch die Komplexität und Problematik des Unterfangens deutlich wird, alle Jugendlichen zu untersuchen.Google Scholar
  3. 3.
    Herwartz-Emden (1997, S. 904) fordert in diesem Zusammenhang für die Jugend-forschung eine „interkulturelle Perspektive“, die „den systematischen Einbezug der Mitglieder der Aufnahmekultur, also der ansässigen Gesellschaft“ beinhaltet.Google Scholar
  4. 4.
    Wie etwa bei Heitmeyer et al. 1995. Für einen Vergleich von einheimischen und eingewanderten türkischen Familien siehe Nauck 1995.Google Scholar
  5. 5.
    Als Ausnahmen sind hier die quantitativen Untersuchungen der Konrad Adenauer Foundation (1999) sowie von Gökçe (1971), Tezcan (1981, S. 143–156), Ünver et al. (1986), Köksal/Lordoglu (1993) und Türk Iş (1994) zu nennen.Google Scholar
  6. 6.
    Allerdings gibt es hier Grenzen der intersubjektiven Kontrolle der Interpretation. All diejenigen, die der türkischen Sprache nicht mächtig sind, können meine Interpretationen, die ich direkt anhand des türkischen Originals angefertigt habe, nur unter Rückgriff auf die Übertragungen überprüfen. Angesichts der gravierenden Unterschiede zwischen der türkischen und der deutschen Sprache (insbesondere was den Satzbau anbelangt) können die Übertragungen nie adäquat abbilden, wie sich der Diskurs in den Jugendcliquen vollzogen hat.Google Scholar
  7. 7.
    Das Burgviertel ist eines der ältesten Stadtviertel Ankaras. „Die Burg hat... ihre traditionelle Bebauung in gewissem Maß behalten, weil sie weitab vom Zentrum und außerhalb des Hauptverkehrsnetzes liegt.“ (Altindag Belediyesi 1994, S. 15) Der Ortsvorsteher gibt an, dass im Jahre 1998 die Einwohnerzahl ca. 5.000 Personen betrug, die in 275 Haushalten lebten. Nur wenige Haushalte werden von Binnenmigranten bewohnt, die das Viertel wegen der relativ geringen Miete bevorzugen. 2.000 der Einwohner sind unter 18 Jahren alt. Die Mehrzahl der Einwohner ist im Kleingewerbe als Handwerker und Händler tätig. Einige Frauen arbeiten auch in den Restaurants des angrenzenden Viertels oder verkaufen Selbstgenähtes an Touristen (Interview mit Mehmet Önder, 15.8.1998).Google Scholar
  8. 8.
    Allen Personen gebe ich neben dem Akronym einen (veränderten) Namen. Zur Aussprache türkischer Buchstaben siehe den Anhang.Google Scholar
  9. 9.
    Für die Regeln der Transkription siehe den Anhang.Google Scholar
  10. 10.
    Hierauf weisen auch die statistischen Untersuchungen von Türk Iş (1994, S. 72), Köksal/Lordoğlu (1993, S. 128) und T.C. Başbakanlığı Devlet Istatistik Enstitüsü (1998, S. 99 u. 154) hin.Google Scholar
  11. 11.
    Eine Proposition ist eine Feststellung mit einem neuen Thema, in der ein orientierungsrelevanter Gehalt deutlich wird. In der Anschlussproposition wird das Thema nicht weiter ausgearbeitet (wie etwa in der Elaboration), sondern modifiziert. Abgeschlossen wird ein Diskurs in der Konklusion, die thematisch oder auch rituell sein kann. Vgl. Bohnsack 1989, S. 343ff.Google Scholar
  12. 12.
    Schiffauer findet eine ähnliche, umfassende Reziprozität in einem türkischen Dorf und konstatiert eine „Totalität aller Beziehungen..., die durch Gabentausch begründet werden“ (1987, S. 32). Dabei wird in den islamischen Ritualen „ein Konzept von Gesellschaft ausgedrückt und erfahrbar, das komplementär und korrigierend neben die... Ordnung der Gegenseitigkeit tritt“ (ebd., S. 63).Google Scholar
  13. 13.
    Die wörtliche Übersetzung lautet „Pfarrer“, doch ist hier die Spielkarte „König“ gemeint, die zu erhalten bedeutet, eine Strafe zu bekommen.Google Scholar
  14. 14.
    Ich gebrauche den Begriff der „kooperativen Reziprozität“ nach Youniss (1984), der sie von der „symmetrischen Reziprozität“ unterscheidet. Während in der kooperativen Reziprozität gleichwertige, aber nicht unbedingt gleiche materielle und immaterielle Gaben in loser Folge ausgetauscht werden, dieser Tauschakt in eine „unbestimmte Zukunft gerichtet“ ist (ebd., S. 52) und sich auf diese Weise Freundschaft konstituiert, folgt die symmetrische Reziprozität der zeitlichen und sachlichen Unmittelbarkeit des ‚Wie du mir so ich dir‘. Hier sind „die Elemente dieser Transaktionen... auf beiden Seiten genau bestimmt, so daß jeder Tauschakt in sich abgeschlossen ist, ohne sich noch in die Zukunft zu erstrecken“ (ebd., S. 51).Google Scholar
  15. 15.
    Das Wort „cahil“ besitzt zwei Konnotationen: „unwissend“ und „vormohammedanisch“ (vgl. Steuerwald 1992, S. 81).Google Scholar
  16. 16.
    Die Sozialdaten der Mitglieder jener Gruppen (wie Park), die ich in diesem und den folgenden Kapiteln nicht ausführlich untersuche, gebe ich nicht gesondert an.Google Scholar
  17. 17.
    Thrasher (1963, S. 20 und passim) hat die jugendspezifische Bedeutung des Aufenthaltes in solchen „interstitial areas“, in denen sich die Gleichaltrigengruppen treffen, herausgearbeitet.Google Scholar
  18. 18.
    Diese Fälle wurden bei Bohnsack 1989, Bohnsack et al. 1995 und Schäffer 1996 publiziert. Der Kürze halber verzichte ich hier auf den Abdruck der Transkripte.Google Scholar
  19. 19.
    Bohnsack spricht etwa davon, dass die Gruppe Bänkla das Problem der Lösung von Kindheit und Herkunftsfamilie bewältigt, indem sie ihre zentralen biographischen Orientierungen im Dorf verortet. In der „bereitwilligen und zufriedenen Übernahme der seitens der Ortsgesellschaft an sie herangetragenen Identifikation mit der Herkunftsfamilie bzw. mit dem Vater dokumentiert sich.., daß... ein Lösungs-problem nicht (mehr) existiert.“ (1989, S. 110)Google Scholar
  20. 20.
    Türkisch für: „ey Mann“.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2001

Authors and Affiliations

  • Arnd-Michael Nohl

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