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Generationsbeziehungen, Generationenverhältnisse und das Konzept der politischen Generationen

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Part of the Forschung Erziehungswissenschaft book series (FO ERZWISS, volume 103)

Zusammenfassung

Nimmt man das Generationenthema in den Blick, so lassen sich zwei zentrale Strömungen in den Sozialwissenschaften nachzeichnen. Als pädagogischanthropologische Grundbedingung stellt das Generationenthema in der geisteswissenschaftlichen Tradition (etwa bei Schleiermacher, Dilthey, Spranger, Litt, Nohl, Bernfeld) den Ausgangspunkt für lern- und bildungstheoretische Überlegungen dar (vgl. Liebau/Wulf 1996). Die geisteswissenschaftlichen Ansätze (Dilthey) zum Generationenverhältnis wurden von Mannheim Ende der 20er Jahre aufgegriffen und als „Problem der Generationen“ im Kontext soziologisch-historischer Forschungen diskutiert (vgl. Mannheim 1928).

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Literatur

  1. 82.
    Vgl. ausführlich zu Leben & Werk Schleiermachers: Schmidt, G.R. (1991)Google Scholar
  2. 83.
    Jedoch lassen sich bereits konzeptionelle Züge einer Generationsbeziehung bei Jean Jaques Rousseau nachzeichnen. In seinem Roman über die Erziehung beschäftigte sich Rousseau mit der Beziehung zwischen dem Zögling Emile und dessen Erzieher und stellt diese Erziehungsbeziehung als natürliche Generationenabfolge dar. Denn am Schluß des Erziehungsromans sagt Emile, nachdem er seinem Erzieher berichtet, daß er bald Vater wird und die Erziehung seines Sohnes selbst übernimmt: „Aber bleiben Sie der Lehrer der jungen Lehrer. Beraten Sie uns, führen Sie uns, wir werden fügsam sein: ich werde ihrer bedürfen, solange ich lebe. Jetzt, da meine Pflichten als Mann beginnen, bedarf ich Ihrer mehr als je. Sie haben die Ihren erfüllt; leiten Sie mich, daß ich es Ihnen nachtun kann; und ruhen Sie aus, es ist Zeit.“ (Rousseau 1762/1990, 954)Google Scholar
  3. 84.
    Auf der Suche nach dem „Formatobjekt pädagogischer Theorie“ (Schmidt 1991, 226) sieht Schleiermacher weder in der Erziehungstätigkeit der Eltern (weil verwoben in die Gesamtheit elterlichen Lebens und deshalb kein abgrenzbares Gebiet pädagogischer Theorie) noch der Wirksamkeit von Hauslehrern (weil von der Zufälligkeit und mangelndem Familienleben abhängig) als auch in öffentlichen Unterrichtseinrichtungen einen Ansatzpunkt (vgl. Schmidt 1991).Google Scholar
  4. 85.
    Schleiermacher geht davon aus, daß es nicht die Aufgabe des Staates sei, ein Ende der erzieherischen Einwirkung zu bestimmen. Dennoch benutzt er die Mündigkeit als relativen Fixpunkt, weil die Jugendlichen mit dem Eintritt in den Status der Mündigkeit Verantwortung für sich tragen (vgl. Schleiermacher 1983).Google Scholar
  5. 86.
    Vgl. zu Leben und Werk von Dilthey im Überblick Herrmann (1991), ausführlich Krüger (1997, 23–25)Google Scholar
  6. 87.
    Wilhelm Dilthey hat sich differenziert mit Leben und Werk von Schleiermacher auseinandergesetzt („Leben Schleiermachers“, 2 Bände). Seine Promotion beschäftigte sich mit der Kritik der Scheiermacherschen Ethik (vgl. Herrmann 1991). Im Anschluß an Friedrich Schleiermacher entwickelte Wilhelm Dilthey die Hermeneutik als Interpretationsverfahren wissenschaftlicher Erkenntnis (vgl. Krüger 1997).Google Scholar
  7. 88.
    Die Zugehörigkeit zu einer ganz bestimmten historischen Generation, also die Frage, warum jemand zu dieser und keiner anderen Zeit geboren wird, ist für Dilthey eine Laune der Natur, „aus deren rätselhaftem Schoß die Individuen in einer bestimmten Auswahl und Reihenfolge sich erheben“ (Dilthey 1961, 38).Google Scholar
  8. 89.
    Für Dilthey stellen etwa Schleiermacher, A.W. Schlegel, Alexander v. Humboldt, Hegel, Novalis, F. Schlegel, Hölderlin, Wackenroder, Tieck, Fries und Schelling eine Generation dar, die zu einem ‚homogenen Ganzen‘ verbunden sind (vgl. Dilthey 1961, 37).Google Scholar
  9. 90.
    Dennoch ist der Generationswechsel nicht für die Geschwindigkeit gesellschaftlicher Dynamik verantwortlich, da sich der Generationswechsel in Mannheims Konzept konstant vollzieht (vgl. Mannheim 1928, 316).Google Scholar
  10. 91.
    Hier lehnt sich Mannheim an die Überlegungen Sprangers an, der davon ausgeht, daß sich etwa um das 17. Lebensjahr ein entscheidender Einschnitt vollzieht (vgl. Mannheim 1928).Google Scholar
  11. 92.
    Fogt versteht unter Krise einen Vorgang, der sich einerseits durch einen Überraschungseffekt, andererseits durch die Bedrohung zentraler Güter und Werte auszeichnet (vgl. Fogt 1982, 75).Google Scholar
  12. 93.
    Mit dem Höhepunkt der Jugendbewegung ist hier das Treffen auf dem Hohen Meißner 1913 gemeint. Es ist das einzige Treffen der Jugendbewegung gewesen, an dem organisierte Jungen und Mädchen fast aller Vereine der Jugendbewegung teilnahmen.Google Scholar
  13. 94.
    Mendel führt aus, daß sich der Generationskonflikt als klassisch pubertärer Ödipuskonflikt darstellt, in dem aber nach Abschluß der Jugendliche das Erbe seines Vaters übernimmt. Wahrend in der Generationskrise auch nach Überwindung des Ödipuskomplexes der Jugendliche das Erbe seines Vaters ausschlägt und sich weder mit ihm noch mit seiner Sicht auf Gesellschaft identifizieren wolle (vgl. Ziehe 1975, 138).Google Scholar
  14. 95.
    Interessant an dieser Diskussion ist ihr sozialgeschichtlicher Kontext. Zehn Jahre nach der Studentenrevolte in der Bundesrepublik taucht der neue Sozialisationstyp in diesem Licht als ein ‚intellektuell geführter Ablösungsprozeß zwischen den Generationen‘ auf. Thomas Ziehe mußte sich dem Vorwurf stellen, mit seinen Überlegungen zum neuen Sozialisationstyp eine ‚Rechnung mit der Studentenbewegung‘ zu begleichen. Ziehe hat zu Beginn der 90er Jahre das Generationenproblem noch einmal aufgegriffen und neu diskutiert (vgl. Ziehe 1991).Google Scholar
  15. 96.
    Ähnlich diskutiert Voges (1987) das Problem der theoretischen Abgrenzung zwischen Kohorten und Generation.Google Scholar
  16. 97.
    Besser wäre an dieser Stelle der Terminus „unsere Generation“, dadurch würde die Makroperspektive noch deutlicher. Im folgenden werde ich an dieser Stelle statt „meine Generation“ daher „unsere Generation“ verwenden.Google Scholar
  17. 98.
    Diese zu Recht von Rauschenbach getroffene Feststellung wird noch erstaunlicher, blickt man auf die von Mollenhauer vorgelegten Theorien zum Erziehungsprozeß (1972/1982) und das darauf aufbauende Konzept der Familienerziehung. In diesem Konzept wird die Familie als eine Einheit miteinander in Interaktion stehender Personen verstanden (vgl. Mollenhauer/Brumlik/Wudtke 1975).Google Scholar
  18. 99.
    Im Gegensatz dazu steht das Konzept des Lebensverlaufs, das auf Altersnormen und — stufen abzielt (vgl. zusammenfassend Ecarius 1996).Google Scholar

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© Leske + Budrich, Opladen 2000

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