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Die Metropole an der Schwelle zu den 90er Jahren

  • Hubert Beste
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Part of the Reihe: Studien zur Inneren Sicherheit book series (SZIS, volume 3)

Zusammenfassung

Im Verlauf der achtziger Jahre vollzieht sich unter der Regie der konservativen Stadtregierung der Aufstieg Frankfurts zu einer Metropole, die in der internationalen Städtehierarchie zwar nicht zu den sog. “Global Cities” der ersten Ordnung zählt, aber sich zunehmend zu einer wichtigen Steuerungszentrale der neuen internationalen Arbeitsteilung und des weltweit operierenden finanzindustriellen Komplexes entwickelt. In diesem Kontext reflektiert Roger Keil das Mißverständnis, welches darin liegt, das analytische Konzept der World oder Global City mit dem umgangssprachlichen Terminus ‘Weltstadt’ gleichzusetzen und davon auszugehen, daß es außer Paris, London, New York, Los Angeles und Tokyo keine World oder Global Cities gäbe: “Im Gegenteil. Während einige der wichtigsten primären globalen Steuerfunktionen in jenen Megapolen gebündelt sind, übernehmen andere Städte sekundäre globale Steuerfunktionen. Dies gilt für São Paulo und Toronto ebenso wie für Zürich und Frankfurt. Größe ist ebenfalls kaum ein Kriterium. Während Frankfurt und Zürich selbst mit ihrer Region oder ihrem City Belt kaum metropolitane Ausmaße erreichen, aufgrund ihrer Position im internationalen Finanzgeschäft jedoch als World Cities zu bezeichnen sind, fällt es schwer, einige der größten Städte der Welt, wie etwa Mexiko City oder Kalkutta, deren Stellung in der internationalen Hierarchie unbedeutend ist, mit ihnen in einen Topf zu werfen” (Keil 1995, S. 184).

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Literatur

  1. 25.
    Dabei muß allerdings berücksichtigt werden, daß der Anteil deutscher Unternehmen an den großen global agierenden Konzernen relativ gering ausfällt. Desweiteren bewirkt — im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich, Japan oder Großbritannien — die polyzentrische Agglomerationsstruktur der Bundesrepublik eine räumliche Streuung der Unternehmens-Hauptsitze. Nach dem Rhein-Ruhr-Raum weist die Rhein-Main-Region die höchste Konzentration von wichtigen internationalen Konzernzentralen auf (Bördlein 1996, S. 60).Google Scholar
  2. 26.
    Neben anderen sind in Niederrad folgende Firmen vertreten: AEG, Mai Computer, Nixdorf, Olivetti, IBM, Commodore, Cognos, Memorex, Fujitsu, Apollo Domain Computer, Digital Equipment, RC Computer GmbH, National Advanced Systems (vgl. Brake 1991; Hack 1987).Google Scholar
  3. 27.
    Den vorläufigen Endpunkt dieser Entwicklung bildet eine “strategische Allianz” zwischen der Deutschen Börse und der London Stock Exchange (LSE), die am 7.7.1998 von den Geschäftsführern Werner G. Seifert und Gavin Casey vereinbart wurde. Das Projekt wurde unter größter Geheimhaltung organisiert. Die verantwortlichen Akteure nannten sich zur Tarnung nach den Helden von König Artus’ Tafelrunde: Galahad (Seifert) und Lancelot (Casey). Danach soll eine gemeinsame Handelsplattform entwickelt werden, auf der in Zukunft 300 der größten europäischen Aktienwerte gehandelt werden. Bereits zum Zeitpunkt dieses “Memorandums of Understanding” ist Frankfurt mit einem durchschnittlichen Tagesumsatz von knapp 10 Milliarden Dollar der führende Börsenplatz Europas. Bezogen auf die Rangplätze nach Marktkapitalisierung liegt London allerdings noch mit weitem Abstand vor Frankfurt und Paris. Mit der geplanten Fusion, die sich im übrigen besonders für die Mainmetropole auszahlen dürfte, ist Frankfurt wohl endgültig in die erste Liga weltweiter Börsenstandorte aufgestiegen: “In Frankfurt spielt die Musik” (Oberschlagzeile eines Interviews mit Seifert, in: Welt am Sonntag v. 5.7.1998). Dublizität der Ereignisse Am gleichen Tag stürmte eine Gruppe von etwa 30 Arbeitslosen die Frankfurter Börse. Eine ihrer Forderungen, die sich u.a. auch auf eine Besteuerung des Aktienhandels bezogen, lautete: “Statt Sparen bei den Armen — streichen bei den Reichen” (FR v. 8.7.1998, S. 19, 11; FAZ v. 8.7.1998, S. 17, 19; Die Zeit v. 16.7.1998, S. 27).Google Scholar
  4. 28.
    Siehe hierzu die Zeitschrift “Password”, Heft 5, 1995.Google Scholar
  5. 29.
    Dieses Unternehmen ist inzwischen von Compaq aufgekauft worden.Google Scholar
  6. 30.
    So kletterte der Mietindex für Büros von 100 Punkten (1980) auf einen Höchststand von 317 im Jahr 1991. Während noch 1988 die Monatsmiete in Citylage bei 36 bis 42 Mark pro Quatratmeter lag, stiegen die Mieten 1990 im Bankenviertel und im Westend auf 70 bis 75 Mark. 1992 konnten sogar Spitzenmieten von bis zu 100 Mark erzielt werden (Ronneberger/Keil 1995, S. 351). Nach Einschätzung des Londoner Immobilienunternehmens “Jones Lang Wootton” belegte Frankfurt 1998 mit bis zu 65 Mark pro Quadratmeter wieder den Spitzenplatz unter bundesdeutschen Metropolen im Bereich klimatisierter Büroflächen (FR v. 20.6.1998, S. 24).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2000

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  • Hubert Beste

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