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Metropolitanisierung und Häuserkampf — der Konflikt um die Westendsanierung

  • Hubert Beste
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Part of the Reihe: Studien zur Inneren Sicherheit book series (SZIS, volume 3)

Zusammenfassung

Der Ausbau Frankfuts zur Metropole erfolgte in den sechziger Jahren strikt nach den Vorgaben einer wachstumsorientieren Wirtschaftspolitik. Diese bestand in der konsequenten Umsetzung des Modells der “autogerechten Stadt” sowie in der Expansion der Tertiärökonomie in der City und in den city-nah gelegenen Stadtteilen mit entsprechenden Verdrängungseffekten für die betroffene Quartiersbevölkerung. Gegen die Folgen dieser ökonomischen und städtebaulichen Restrukturierungspolitik regte sich gegen Ende der sechziger Jahre erstmals in verschiedenen Stadtteilen Widerstand. Insbesondere im Westend kam es für einige Jahre zu heftigen Auseinandersetzungen, die im sogenannten Häuserkampf einen besonders militanten Ausdruck fanden. Die Qualität der sozialen und politischen Auseinandersetzungen erklärt sich vor allem aus der strategischen Bedeutung, die dem Westend im Rahmen der Frankfurter Stadtentwicklung zukam. Dieses Viertel verfügte über bestimmte Voraussetzungen, die es für die Standortstrategien der Banken, Versicherungen und anderer Dienstleistungsunternehmen besonders attraktiv machte: Die gründerzeitliche Bausubstanz mit vielen erhalten gebliebenen Villen und großbürgerlichen Wohnungen erleichterte nicht nur eine einfache Umwandlung von Wohn- in Gewerberaum, sondern die Größe der Grundstücke vereinfachte auch Arrondierungsgeschäfte, die für die Errichtung von Bürohochhäusern unumgänglich waren.

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Literatur

  1. 4.
    Dieser Vorgehensweisc sahen die Ordnungskräfte, jedenfalls partiell, offenbar tatenlos zu. Exemplarisch dafür ist etwa folgender Vorgang: “Gertler (der Spekulant; Anm. d. Verf.) hatte bereits einen Teil der Fenster zerschlagen, um das Haus unbewohnbar zu machen. Zuvor hatte er türkische und jugoslawische Arbeiter, die im zweiten Stock wohnten, vertrieben, indem er sie samt Mobilar auf Lastwagen verladen und gegen ihren Willen abtransportieren ließ. Sie würden ‘in Lager außerhalb Frankfurts’ gebracht, erklärte Gertler. Zu empörten Anwohnern sagte er: ‘Was ich mit meinen Mietern mache ist meine Sache’ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 29.8.1972). Die alarmierten Polizeibeamten leiteten auch keinerlei Untersuchungen über den Tathergang der Verschleppung ein” (Roth 1975, S. 43).Google Scholar
  2. 5.
    Die politische Stoßrichtung der Bürgerinitiative nahm mitunter seltsame Formen an. So wandte sich beispielsweise die AGW an die Immobilieneigner jüdischer Abstammung mit der Bitte, sich “zu überlegen, ob die Gewinne aus den Grundstücksspekulationen in diesem Umfang den Schaden aufwiegen, den sie ungewollt sich selbst, ihren Kindern und ihren jüdischen Mitbürgern u.U. zufügen”; anwohnende Migranten forderte der Vorstand der BI auf, “Lärm zu vermeiden und keine Abfalle neben die Mülltonnen zu werfen und Kinder nicht rücksichtslos auf dem Trottoir fahren zu lassen” (zit. nach Stracke 1980, S. 74).Google Scholar
  3. 6.
    So behauptete etwa der damalige Oberbürgermeister Rudi Arndt, daß sich große Mengen hochexplosiven Benzins in den belagerten Häusern befänden: “Das kann Tote und Schwerverletzte geben”. Und der damalige Polizeipräsident Knut Müller erklärte gegenüber der Presse: “Die besetzten Häuser sind Brutstätten der politischen Kriminalität. Dort wird ein Klima des Terrors gezüchtet. Schwere strafbare Handlungen wurden dort begangen, denken sie nur an die Vergewaltigungsdelikte und die Rauschgiftszene in den Häusern Bockenheimer Landstraße 111 und 113 (…)” (zit. n. Hamann 1973, S. 19).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2000

Authors and Affiliations

  • Hubert Beste

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