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Vom Übergang des sozialen Raums

  • Hubert Beste
Chapter
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Part of the Reihe: Studien zur Inneren Sicherheit book series (SZIS, volume 3)

Zusammenfassung

Bis in die siebziger Jahre galten die Großstädte als Zentren des Wirtschaftswachstums. Seitdem hat sich eine neue Hierarchie herausgebildet, in der sich Stadtregionen mit schrumpfender und prosperierender Ökonomie gegenüberstehen. Doch auch in den Wachstumsregionen verläuft die wirtschaftliche Entwicklung widersprüchlich. Im Gegensatz zu der Annahme, daß sich Dienstleistungen bevorzugt in den Agglomerationszentren verdichten, profitierten die Kernstädte am wenigsten von dem Tertiarisierungsprozeß der achtziger und neunziger Jahre. Hingegen ist insbesondere im Umland der Verdichtungsräume die Anzahl der mit Dienstleistungen beschäftigten Personen überproportional angestiegen.

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Literatur

  1. 31.
    Als fortgeschrittenes Beispiel kann hier die Bauindustrie gelten. So ist etwa der Berliner Bauarbeitsmarkt deutlich nach Qualifikation, Nationalität und Aufenthaltsstatus gespalten und hierarchisiert: Den festen Kern und die höchste Rangstellung bilden deutsche Facharbeiter, gefolgt von qualifizierten Arbeitern aus den EU-Ländern. Deutsche ohne Qualifikationen bilden die nächste Lohn- und Hierarchiestufe. Sie sind nur noch in prekären Zeitarbeitsverhältnissen beschäftigt. Nochmals deutlich geringer werden osteuropäische Arbeiter mit zeitlich befristeten Werkverträgen entlohnt (Cyrus 1995). Am untersten Ende dieser Rangordnung bewegt sich die Gruppe der illegalen Arbeitsmigranten, die absolute Minimallöhne bezieht und zudem der Gefahr von Kontrollen und der sofortigen Abschiebung ohne Lohnauszahlung ausgesetzt ist (vgl. Jahn/Lanz/Ronneberger 1997).Google Scholar
  2. 32.
    Während gegenwärtig in der profitorientierten Sicherheitsbranche etwa 250.000 Personen tätig sind, nähert sich die Zahl der Beschäftigten im Gebäudereinigungsgewerbe einer halben Million an. Damit arbeiten in dieser Branche mehr Menschen als in der Automobilindustrie (Schmiede 1996). Bezeichnenderweise stellen die diversen Reinigungsdienste überwiegend Migrantinnen ein. Von den ‘hochwerti-Google Scholar
  3. (Fortsetzung...)Google Scholar
  4. 32(... Fortsetzung)Google Scholar
  5. gen’ Dienstleistungen weitgehend ausgeschlossen, bildet diese Gruppe von Frauen den Kern der unqualifizierten Arbeitskräfte (vgl. Jahn/Lanz/Ronneberger 1997). Bei den genannten Zahlen ist allerdings zu berücksichtigen, daß es sich keineswegs auschließlich um sozialversicherungspflichtige Mitarbeiterinnen handelt. Typisch hierfür ist etwa das private Sicherheitsgewerbe, in dem in hohem Maße mit billigen Teilzeit- und Aushilfskräften unterhalb der Sozialversicherungsgrenze operiert wird, so daß die Anzahl der festangestellten Sicherheitsbediensteten vom Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen e.V. (BDWS) bezogen auf das Jahr 1998 deutlich niedriger mit 118.000 (davon 81.500 Beschäftigte West) angegeben wird (vgl. auch Beste 1998; Kirbach 1998).Google Scholar
  6. 33.
    Siehe hierzu die nachfolgenden Ausführungen in Abschnitt 9.2.Google Scholar
  7. 34.
    Vgl. zu diesem Komplex die Beiträge in dem von Heitmeyer/Dollase/Backes hrsgg. Sammelband “Die Krise der Städte”; Analysen zu den Folgen desintegrati-ver Stadtentwicklung für das ethnisch-kulturelle Zusammenleben, Frankfurt/M. 1998. Zur Entstehung der “neuen sozialen underclass” siehe den Artikel von Häußermann in diesem Band (S. 145 ff.).Google Scholar
  8. 35.
    Eine aufschlußreiche Analyse der Auseinandersetzungen um den Begriff des “Ghettos” einschließlich einer weiterentwickelten Begriffsdefinition liefern Marcu-se 1998a und Wacquant 1998.Google Scholar
  9. 36.
    Erster Frankfurter Sozialbericht. Erstellt im Auftrag des Sozialdezernats der Stadt Frankfurt am Main von Peter Bartelheimer, Frankfurt/M. 1997. “Dieser erste Frankfurter Armutsbericht”, so Richard Hauser im Vorwort, sorgte vor allem in den Reihen der CDU für Aufregung, da ihm eine einseitige, zumindest aber tendenzielle Berichterstattung vorgeworfen wurde. Zur Verbindung mit einer neuen “law-and-order”-Politik siehe den Artikel von Klaus Ronneberger: “Die Erosion des Sozialstaats und der Wandel der Stadt”, in: FR v. 9.2.1998, S. 8 (Dokumentation).Google Scholar
  10. 37.
    Nach dem Bundessozialhilfe-Gesetz (BSHG) wird ein solcher Bezug genau definiert als “laufende Hilfe zum Lebensunterhalt” (HLU). Können Einzelpersonen oder Haushalte ihren notwendigen Lebensunterhalt aus eigenem Einkommen oder Vermögen nicht mehr bestreiten, so haben sie nach dem BSHG einen Rechtsanspruch auf diese staatliche Unterstützungsleistung.Google Scholar
  11. 38.
    Allerdings muß dabei die Heterogenität der ausländischen Bevölkerung berücksichtigt werden. Neben EU-Bürgern leben und arbeiten in Deutschland viele Arbeitsmigranten der ersten, zweiten und dritten Generation etwa aus der Türkei oder dem ehemaligen Jugoslawien sowie seit den achtziger Jahren auch eine wachsende Zahl von Asylbewerbern und Flüchtlingen. Der unterschiedliche Status dieser Gruppen erleichtert oder erschwert den Zugang zum Arbeitsmarkt.Google Scholar
  12. 39.
    Weiterführend zur Gesamtthematik des Abschnitts Ronneberger, K.: Postmodernismus und städtischer Raum. Urbanisierungsstrategien und Architektur in den 90er Jahren am Beispiel Frankfurt, in: Schwarz, U. (Hg.): Risiko Stadt? Perspektiven der Urbanität, Hamburg 1995, S. 157 ff.Google Scholar
  13. 40.
    Krätke (1998) spricht in diesem Zusammenhang auch vom Aufkommen einer “Dealer-Ökonomie”, die sich speziell im Bau von gewaltigen Bürohalden niederschlägt. Dabei ist das Immobiliengeschäft durchaus systematisch auf die Erzielung von Verlusten ausgerichtet, die im Wege der Abschreibung steuermindernd geltend gemacht werden können: “Heute stärkt die erhöhte Mobilität des Kapitals eine Verselbständigung der Finanzanlagesphäre, und die städtische Grundstücksverwertung bildet darin einen wichtigen Bestandteil” (ebda., S. 20).Google Scholar
  14. 41.
    Etwa bestehend aus Buch- und Ökoläden, Fahrradkooperativen, Bistros und Szenekneipen sowie Einzelhandels-Geschäften unterschiedlichster in- und ausländischer Provenienz.Google Scholar
  15. 42.
    Vgl. hierzu auch Hennig, E. u.a.: Ethnisch-residentielle Segregation von Migranten in Frankfurt am Main und Amsterdam, in: frankfurter statistische berichte 3’97, hrsgg. v. Amt für Statistik, Wahlen und Einwohnerwesen, Zeil 3, 60313 Frankfurt am Main, S. 139 ff.Google Scholar
  16. 43.
    Eine instruktive Auseinandersetzung mit diesem Begriff findet sich bei Dangschat, J.S.: “Soziale Brennpunkte” — ein ehrlicher Begriff für die bürgerliche Hilflosigkeit, in: Widersprüche, Heft 55 (2/1995), S. 33 ff.Google Scholar
  17. 44.
    Amt für Statistik, Wahlen und Einwohnerwesen der Stadt Frankfurt am Main (Hg.): Statistisches Jahrbuch Frankfurt am Main 1997, Dezember 1997, S. 151.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2000

Authors and Affiliations

  • Hubert Beste

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