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Das Politische des Alltags. Das Beispiel ‚Umweltbewußtsein‘

  • Angelika Poferl

Zusammenfassung

Der folgende Beitrag geht von der Annahme aus, daß sich — vorbei an allen Klagen und Beschwörungen der Politikverdrossenheit — in den letzten Jahren und Jahrzehnten zunehmend Prozesse einer Politisierung des Sozialen anbahnen, die auch das private, alltägliche Handeln einbeziehen. Die Diffundierung politisch relevanter Themen in die Sozial- und Alltagssphäre hinein ist kein einseitiger Trend. Sie bedeutet, daß umgekehrt Prozessse der ‚Sozialisierung‘ von Politik stattfinden, d.h. der sozialen Aneignung, kulturellen Ausdeutung und damit vor allem auch: Modellierung politischer issues auf der Ebene des Alltags, im mikrosozialen Bereich. Was darüber hinaus in welcher Weise politisch bedeutsam und zu einem Politikum, einem gesellschaftlichen „Streitobjekt“ (Palonen 1995: 422) wird, bricht oft erst im Privaten, in Problemen individueller Lebens- und Alltagsbewältigung auf; die Öffentlichkeit ‚macht‘ daraus ein Thema, das politisch verhandelbar wird. Andererseits werden politische Kriterien und Prinzipien der Lebenswelt des Alltags durch öffentliche Problemartikulation verfügbar gemacht und — ‚angereichert‘ durch Expertenwissen, normative Leitbilder, pädagogische Anweisungen — in die spezifisch pragmatische Rationalität und Logik privat-alltäglichen Handelns integriert.

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  • Angelika Poferl

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