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Ritual und Vergessen

Zu René Girards Theorem der méconnaissance
  • Konrad Thomas
Part of the Grenzüberschreitungen book series (GRENZ, volume 1)

Zusammenfassung

Als erstes verstehe ich Ritual in einem sehr weiten, das heißt zunächst formalen Sinn: vom kleinsten Alltagsritual bis zu großen religiösen Zeremonien. Rituale bestehen aus festgelegten Handlungsabläufen, und zwar solchen, die einen kommunikativen Sinn haben. Das Zähneputzen ist kein Ritual, denn es hat keinen kommunikative Sinn, aber selbst die flüchtige Begrüßung ist ein Ritual, weil es etwas mit der Beziehung der Individuen zu tun hat. Ich beziehe aber nun nicht nur die Handlungen und die sprachlichen Äußerungen, die zu den Handlungsabläufen unmittelbar dazu gehören ein, sondern sprachliche Äußerungen im allgemeinen. Wenn zu einer festlichen Tafel eine Tischrede gehört, dann ist die Tischrede selbst nicht nur ein notwendiger Abschnitt in der Handlungskette der festlichen Tafel, sondern dann ist die Tischrede selbst auch inhaltlich ritualisiert: das, was gesagt wird, und das, was nicht gesagt wird. Insofern sind Erzählungen, die einen ›Sitz im Leben‹ haben — wie man in der biblischen Forschung sagt — auch rituell bestimmt.

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Literatur

  1. Durkheim, Emile: Die elementaren Formen des religiösen Lebens, Frankfurt am Main 1981.Google Scholar
  2. Girard, René: Das Heilige und die Gewalt, Frankfurt am Main 1992a.Google Scholar
  3. Girard, René: Ausstoßung und Verfolgung, Frankfurt am Main 1992b.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1998

Authors and Affiliations

  • Konrad Thomas

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