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Robinsons Tag

Notizen zur Faszinationsgeschichte nationaler Feiertage
  • Thomas Macho
Part of the Grenzüberschreitungen book series (GRENZ, volume 1)

Zusammenfassung

Überlegungen zur Faszinationsgeschichte1 nationaler Feiertage setzen eine Beschäftigung mit dem Zeitalter der Konstitution und psychosozialen Grundlegung europäischer Nationalstaaten voraus. Der Problemhorizont dieser Epoche läßt sich an einer Frage thematisieren, die seit damals aufgeworfen — und neuerdings unter aktuellen Rahmenbedingungen der sogenannten europäischen Einigung wieder verhandelt wird: der Frage nämlich nach den kulturellen Techniken, die angewendet werden müssen, um eine steigende Menschenzahl — etwa die Gesamtheit der Einwohner einer Metropole, einer Region oder eines politisch regierten Territoriums — mit verbindlichen Idealen von einer gemeinsamen Identität, Sprache, Geschichte oder Zukunft auszurüsten und vertraut zu machen. Wie können Menschen in wenigen Jahren und Jahrzehnten auf eine neue, komplexe und daher unsinnliche Organisationsform vorbereitet und eingeschworen werden? Mit welchen Symbolen, Mythen, Kulten, Inszenierungen, Denkmälern, Briefmarken, Wappen, Hymnen, Fahnen, Münzen oder Ornamenten läßt sich plausibel machen, daß nun eben die Europäer — so wie zuvor die Franzosen, Engländer, Holländer, Spanier, Deutschen oder Italiener — den Operationsraum der Weltgeschichte betreten, und ihre wirtschaftlichen Triumphe und Expansionen, ihre verteidigungspolitischen Erfolge und — nach wie vor blutigen — Siege erstreiten sollen?

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Literatur

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1998

Authors and Affiliations

  • Thomas Macho

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