Advertisement

Einleitung

  • Werner Lindner
Part of the Studien zur Jugendforschung book series (SZJUG, volume 17)

Zusammenfassung

Die gewaltsamen Ausschreitungen Jugendlicher zu Beginn der 90er Jahre, unweigerlich mit den Namen Hoyerswerda, Rostock Mölln oder Solingen verbunden, haben die gesamte bundesrepublikanische Gesellschaft zu einer intensiven Diskussion über Ausmaß, Ursachen und Struktur der neuen Jugendgewalt veranlaßt. Besonders seit dem abrupten Anwachsen fremdenfeindlicher Gewalttaten nach 1989 hat sich dieser Gewaltdiskurs extensiviert, so daß die ursprüngliche Intention: Erklärung, Intervention und Prävention von Jugendgewalt hinter der Unübersichtlichkeit sich ausdifferenzierender Auseinandersetzungen verblaßt ist. Allein die Fachliteratur über Aggression und Gewalt füllt mittlerweile ganze Bibliotheken, ohne daß dem Gewaltdiskurs dabei eine einheitliche Begriffsklärung zugrunde läge. Wenn von „Gewalt“ die Rede ist, besteht nach wie vor Unklarheit darüber, worum es eigentlich geht und die Debatte erweist eine Vielzahl konkurrierender Forschungs- und Erklärungsansätze, die mit differenten Gewaltbegriffen operieren.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    vgl.: Butterwegge, C.: Jugend, Gewalt und Gesellschaft.; in: deutsche jugend, 42. Jg. H.9, 1994, S. 384–394;Google Scholar
  2. 1a.
    Kersten, J.: Anmerkungen zur deutschen Jugendgewalt-Debatte, in: Recht der Jugend und des Bildungswesens, 2/1994, S. 187–198;Google Scholar
  3. 1b.
    Baecker, D.: Gewalt im System, in: Soziale Welt, Jg. 47, 1/1996, S. 92–109Google Scholar
  4. 2.
    vgl. Rusinek, B.-A.: Das Glück der Provokation. Gewalt in historischen Jugendkulturen; in: Breyvogel, W. (Hrsg.): Lust auf Randale. Jugendliche Gewalt gegen Fremde, Bonn 1993, S. 83–106Google Scholar
  5. 3.
    Rutschky, M.: Antiautoritäre Revolte von rechts? — Nachrichten aus dem Beitrittsgebiet, in: Taz v. 8.7.1993; Der Spiegel Nr. 50/1992, S. 36;Google Scholar
  6. 3a.
    Butterwegge, C.: Zur modischen Fehldeutung des Rechtsextremismus/Rassismus als Jugendrevolte und soziale Protestbewegung, in: deutsche jugend, 41. Jg., 1993, S. 483–487;Google Scholar
  7. 3b.
    Farin, K./Seidel-Pielen, E.: Krieg in den Städten. Jugendgangs in Deutschland, 2. Aufl. Berlin 1991, S. 9Google Scholar
  8. 4.
    vgl. Stephan, C.: Eine deutsche Hysterie, in: Der Spiegel, Nr. 4/1995, S. 174–178;Google Scholar
  9. 4a.
    Thiersch, H.: Gewalt — Bemerkungen zur gegenwärtigen Diskussion, in: Thiersch, H./ Wertheimer, J./Grunwald, K.: „... überall in Köpfen und Fäusten.“ Auf der Suche nach Ursachen und Konsequenzen von Gewalt, Darmstadt 1994, S. 1–22Google Scholar
  10. 5.
    so Der Spiegel Nr. 9/1993, S. 232Google Scholar
  11. 6.
    ebd., S. 234; Radtke, F.-O.: „Multikulturelle Streetgangs“ revisited. Veröffentlichte Gewalt und organisierte Angst in Deutschland, in: Ferchhoff 1995, S. 217–231Google Scholar
  12. 7.
    H.P. Duerr zit. in: Der Spiegel Nr. 3/1994, S. 79Google Scholar
  13. 8.
    Butterwegge 1994, S. 386; Reulecke, J.: Jugendprotest — ein Kennzeichen des 20. Jahrhunderts?, in: Dowe, D.(Hrsg.): Jugendprotest und Generationenkonflikt in Europa im 20. Jahrhundert, Düsseldorf 1986, S. 1–12,Google Scholar
  14. 8a.
    Münchmeier, R.: Wie sich die Bilder gleichen. Der historische Fundus der neuen Jugenddebatte, in: deutsche jugend, 30. Jg., 1980, S. 445–456,Google Scholar
  15. 8b.
    Eckert, R.: Jugendprotest, Bürgerinitiativen und Parteiendemokratie. Konflikt und kein Ende?, in: deutsche jugend, 30. Jg., 1980, S. 68–76;Google Scholar
  16. 8c.
    Mitterauer, M.: Sozialgeschichte der Jugend, Frankfurt/Main 1986, S. 207ff;Google Scholar
  17. 8d.
    Willems, H.: Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Anmerkungen zum gegenwärtigen Gewaltdiskurs, in: Otto, H.U./Merten, R.(Hrsg.): Rechtsradikale Gewalt im vereinten Deutschland. Jugend im gesellschaftlichen Umbruch, Bonn 1993, S. 88–108Google Scholar
  18. 9.
    Darauf verweist z.B. die Aussage: „Gewalt und Gegengewalt sind nur als situative zureichend verständlich und lassen sich nur kontextnah beurteilen.“ Narr 1983, S. 59Google Scholar
  19. 10.
    vgl. Brand, V.: Jugend und jugendliches Protestpotential: sozialgeschichtliche Untersuchung des Jugendprotestes von der Jugendbewegung zu Beginn des Jahrhunderts bis zu den Jugendkulturen der gegenwärtigen Risikogesellschaft, Frankfurt/Main — Bern — New York — Berlin 1993;Google Scholar
  20. 10a.
    Wienkoop, C.: Gegenwelten. Zur Analyse jugendlicher Subkulturen und ihrer Entstehungsbedingungen, Diss. Bonn 1989;Google Scholar
  21. 10b.
    Breyvogel, W. (Hrsg.): Autonomie und Widerstand. Zu Theorie und Geschichte des Jugendprotestes; Essen 1983;Google Scholar
  22. 10c.
    Rolke, L.: Protestbewegungen in der Bundesrepublik, Opladen 1987;Google Scholar
  23. 10d.
    Simon, T.: Raufhändel und Randale. Sozialgeschichte aggressiver Jugendkulturen und pädagogischer Bemühungen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Weinheim und München 1996Google Scholar
  24. 11.
    Die über diesen Aspekt noch hinausgehende Frage, ob eine solche Reproduktion von Medienschemata nicht ohnehin längst durch die umfassende „televisonäre Kodierung“ der gesamten modernen Realität abgelöst und daher obsolet werde, soll hier zunächst offen bleiben. Sie wird konkret am Beispiel von‘Gewaltverläufen erörtert. Vgl. Baudrillard, J.: Agonie des Realen, Berlin 1978;Google Scholar
  25. 11a.
    Welsch, W.: Zur Aktualität ästhetischen Denkens, in: Ders.: Ästhetisches Denken, Stuttgart 1990, S.41–78, hier: S. 58;Google Scholar
  26. 11b.
    Luhmann, N.: Die Realität der Massenmedien, 2. erw. Aufl., Opladen 1996Google Scholar
  27. 12.
    „Massenmedien bilden nicht nur das Forum, in dem sich die Akteure darstellen und wechselseitig, etwa in Form verbaler Kritik, aufeinander beziehen. Auch die direkten Interaktionen zwischen Bewegungen und anderen Akteuren werden (...) in aller Regel erst durch die Massenmedien den nicht beteiligten Akteuren sichtbar gemacht und erlangen damit den Status einer sozialen Tatsache.“ Rucht, D.: Öffentlichkeit als Mobilisierungsfaktor für soziale Bewegungen, in: Neidhardt, F. (Hrsg.): Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen, Sonderband 34 der KZfSS, Opladen 1994, S. 337–358; S. 346Google Scholar
  28. 13.
    Narr, W.-D.: Über die Notwendigkeit und Möglichkeit, Gewalt zu bewerten, in: Callies, J. (Hrsg.): Gewalt in der Geschichte, Düsseldorf 1983, S. 37–72; S. 51Google Scholar
  29. 14.
    vgl. Brake, M.: Soziologie der jugendlichen Subkulturen, Frankfurt/Main 1981;Google Scholar
  30. 14a.
    Clarke, J.: Jugendkultur als Widerstand, 2. Aufl., Frankfurt/Main 1979Google Scholar
  31. 14b.
    Tholen, G.C./Winheim, R.-M.: Zeichen der Revolte — Revolte der Zeichen, in: dies.: Zeichen ohne Botschaft: verliert die Forschung ihre Jugend? Frankfurt/Main 1985, S.37–48;Google Scholar
  32. 14c.
    Wirth, H.-J.: Die Schärfung der Sinne. Jugendprotest als persönliche und kulturelle Chance, Frankfurt/Main 1984Google Scholar
  33. 14d.
    Diedrichsen, D./Hebdige, D./Marx, O.-D.: Schocker — Stile und Moden der Subkultur, Reinbek b. Hamburg 1979Google Scholar
  34. 15.
    vgl. Kersten 1994Google Scholar
  35. 16.
    Sack, F.: Defmition der Gewalt — am Beispiel Jugend, in: Neidhardt 1973a, S. 39–62; S. 59fGoogle Scholar
  36. 17.
    Die den Zeitrahmen dieser Arbeit überdauernde Aktualität dieses Deutungsdefizites ergibt sich aus den Vorgängen um die Hannoveraner Punk-Krawalle im August 1994, Lindner, W.: Die Punk-Krawalle in Hannover. Ein Nachtrag, in: deutsche jugend, 10/1994, S. 430–432Google Scholar
  37. 18.
    vgl. dazu z.B.: McClintock, F.H.: Jugendkonflikte und Gewaltkriminalität in Großbritannien, in: Häußling, J.M./Brusten, M./Malinowski, P.: Jugendkonflikte. Kriminologische Forschungen und Analysen aus neun Ländern, Stuttgart 1981, S. 69–79Google Scholar
  38. 19.
    vgl. dazu Neidhardt, F.: Gewalt — Soziale Bedeutungen und sozialwissenschaftliche Bestimmungen des Begriffs, in: Bundeskriminalamt (Hrsg.): Was ist Gewalt? Auseinandersetzungen mit einem Begriff, Bd.1, Wiesbaden 1984, S. 109–147Google Scholar
  39. 20.
    Cremer-Schäfer, H.: Skandalisierungsfaallen. Einige Anmerkungen dazu, welche Folgen es hat, wenn wir das Vokabular „der Gewalt“ benutzen, um auf gesellschaftliche Probleme und Konflikte aufmerksam zu machen; in: Kriminologisches Journal, 24 Jg., 1992; S. 23–36Google Scholar
  40. 21.
    Neidhardt 1984, S. 127fGoogle Scholar
  41. 22.
    ebd. S. 125, Hervorh. von mir, W.L.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1996

Authors and Affiliations

  • Werner Lindner

There are no affiliations available

Personalised recommendations