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Die Welt der Musik und die Jugend Eine Einleitung

  • Dieter Baacke

Zusammenfassung

Musik erschließt ein weites Feld ästhetischer Erfahrung in der lebensweltlichen Wirklichkeit ebenso wie in den Bereichen von Phantasie, Traum und Vorstellungen, also denen der Wirklichkeitstranszendenz. Heute finden wir sie nicht nur in den Kirchen, im Konzertsaal, Opernhaus oder in der Hausmusik oder, in ihrer populären Form, auf Schützenfesten, Straßenparaden oder öffentlichen Auftritten von Musikmeistern oder Gauklern, die sich durch Musik begleiten lassen. Sie ist vielmehr, über Radio und Fernsehen, das ganze mediale Verteilsystem sowie unterschiedliche Tonträger und Wiedergabegeräte derart gegenwärtig und in unseren Alltag eingebunden, daß sie uns nicht mehr als befreundetes oder befremdendes Gegenüber in Augenblicken der Sammlung, der Stille, der reflektierenden Muße oder Entspannung gegenübertritt, sondern als allgegenwärtig unser Leben begleitet. Eingelassen in unsere Alltäglichkeit gibt sie dieser Nachhall, füllt die Zeit, grundiert den Erfahrungsraum, erreicht unsere Empfindungen oder läuft an ihnen vorbei — alles ist möglich. Jugendliche von heute fürchten die akustische Leere; selbst in Momenten der Konzentration, wenn sie beispielsweise Schularbeiten machen, sind sie gewohnt, sich von Musik („berieseln“ wäre falsch) begleiten zu lassen (Baacke/ Frank/ Radde 1991). Neben der optischen Kultur unbewegter und bewegter Bilder und Zeichen, die ebenfalls weiter im Vormarsch ist, und oft mit ihr untrennbar verbunden als Soundtrack und stimulierende Hintergrundsmusik füllt sie allgegenwärtig unsere Zeiträume aus. Dieser Tatbestand kann auch so formuliert werden: „Musikalische Sozialisation“ ist keine Besonderheit des ästhetischen Lernens mehr, wie sie uns in einer Erziehung zur Musik und in dafür offenen Bildungsprozessen begegnet, sondern sie widerfährt heute jedem, sei er musikalisch oder nicht, an der Welt der Musik interessiert oder nicht, und es gibt in einer sonst so binnendifferenzierten Gesellschaft moderner Form kaum einen Systemausschnitt, in dem sie uns nicht begegnet. In Kirche und Kaufhaus, auf Hotelfluren oder in Badeanstalten, über den Walkman beim täglichen Gang zur Schule und zurück, im häuslichen Zimmer über Cassettenrekorder und CD-Gerät, während der Reise und noch beim Einschlafen ist Musik als „Verbrauchsmusik“, aber auch als ausgewählter Begleiter unterschiedlicher emotionaler Phasen akustisch präsent. Längst dröhnt sie nicht immer nur laut, so daß sie auf Zimmerlautstärke gestellt werden müßte; Kopfhörer und andere technische Vorkehrungen machen sie gleichzeitig zum Intimerlebnis inmitten vieler Menschen, und gerade Jugendliche sind es, die diese Form zentrierend — isolierender Begegnung auswählen.

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Dieter Baacke

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