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Theorie und Methode: Die Familienbiographische Fallrekonstruktionsmethode als Sinnverstehender Untersuchungsansatz

  • Andrea Lanfranchi
Part of the Biographie und Gesellschaft book series (BUG, volume 18)

Zusammenfassung

In letzter Zeit werden in der Methodendiskussion immer mehr Lanzen gebrochen für qualitatives Denken in der sozialwissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung. In Psychologie, Soziologie und (Sonder)pädagogik hat man lange gedacht — insbesondere nach dem Exodus vieler deutscher Psychologen und Soziologen aus dem nationalsozialistischen Deutschland und der damit verbundenen Ausrichtung an angloamerikanische Forschungsdesigns nach dem Zweiten Weltkrieg -, dass in die Wissenschaft nur gehört, was sich zählen und messen lässt. Die forcierte Entwicklung von Messtechniken und von statistischen Datenverarbeitungsprozeduren unterbrach produktive Lebenslaufforschungen wie die von STERN (1925) und BÜHLER (1933). Solche Studien sind kein Relikt vorwissenschaftlicher Arbeit. Im Gegenteil: sie sind nie in Beliebigkeit, Verwaschenheit und Unkontrollierbarkeit verfallen und beweisen somit, dass das Er-Zählen und die biographische Rekonstruktion und Interpretation schon lange vor den Hauptströmen der Quantifizierung ihre volle wissenschaftliche Berechtigung hatten.1

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Lieratur

  1. 1.
    In der Praxis konnte übrigens auf Erzählungen und familienbiographische Rekonstruktionen nie verzichtet werden. So haben z.B. in der psychologischen und sonderpädagogischen Diagnostik Interviews, Anamnese und Exploration einen zentralen Wert.Google Scholar
  2. 2.
    Dazu vgl. BLANKENBURG (1981) und THOMAE (1987). Nomothetisch heisst auf die Aufstellung von Gesetzmässigkeiten zielend; idiographisch heisst biographische Einzelfälle individuell verstehend.Google Scholar
  3. 3.
    Für detailliertere Ausführungen vgl. FERCHHOFF (1986, S.244–257, S.280–281) und SOEFFNER (1989, S.51–65).Google Scholar
  4. 4.
    Solche Modelle nach dem „normativen Paradigma“ sahen einen funktionalen Bezug von internalisierter Handlungsdispositionen und institutionalisierter Verhaltenserwartungen auf entsprechende Handlungssituationen — im Rahmen eines allgemein akzeptierten Systems kulturell etablierter Symbole und Bedeutungen. (Vgl. etwa PARSONS 1968a).Google Scholar
  5. 5.
    Zum Konstruktivismus als neuem epistemologischen Denkmodell vgl. paradigmatisch VON FOERSTER (1981), VON GLASERSFELD (1981), WATZLAWICK (1988); für dessen Auswirkungen auf die diagnostische und therapeutische Arbeit vgl. z.B. SCHIEPEK (1986), resp. SIMON (1988a); für dessen Reflexion im schulischen Bereich vgl. MÜLLER (1991).Google Scholar
  6. 6.
    Subsumtion heisst, etwas unter bestehende Oberbegriffe, Kategorien, Etiketten zu ordnen.Google Scholar
  7. 7.
    Ein eklatantes Beispiel dazu ist das Lehrbuch der biograpischen Forschung von FUCHS (1984). Vom Objektivitätsmythos geplagt, widmet dieser Autor hunderte von Seiten der Beantwortung der Frage: „Wie erhebe ich richtig Daten?“ Wenn es dann um das Analysieren und Interpretieren des biographischen Materials geht, findet man spärliche zwanzig Seiten. Wie viele andere grosse Methodologen, redet FUCHS in seinem Lehrbuch wie die Blinden über die Farbe. Er weiss, wie es geht, macht es aber nicht. Nach HILDENBRAND (persönliche Mitteilung), sei das Erhebungs„problem“ kein Problem, solange man nicht mit Leitfadeninterviews arbeitet (vgl. Fussnote 31, S.57); die Analyse sei ein Problem.Google Scholar
  8. 8.
    Als Übersetzung von Grounded Theory hat sich im deutschen Sprachraum der un-glückliche Begriff „Gegenstandsbezogene Theorie“ eingebürgert. (GLASER & STRAUSS 1973, deutsch übersetzt 1979). Die Übersetzung dieses Terminus führte zu vielen Missver-ständnissen (vgl. HILDENBRAND in seinem Vorwort zu STRAUSS 1991, S.11) und sollte daher fallengelassen werden.Google Scholar
  9. 9.
    Theoretical Sampling wird definiert als das Heranziehen von Beispielen von Vor-kommnissen, Ereignissen, Handlungen, Populationen usw., das von der sich entwickelnden Theorie geleitet wird. Es wird eingesetzt zur Herstellung von Vergleichen zwischen diesen und innerhalb dieser Beispiele von Aktivitäten, Populationen usw. (STRAUSS 1991, S.49).Google Scholar
  10. 10.
    Betreffend den Übergang von der bereichsbezogenen zur formalen Theorie siehe die Ausführungen in GLASER & STRAUSS (1973, S.71–99; 1979, S.91–111) und STRAUSS (1991, S.303–313).Google Scholar
  11. 11.
    Als Datenmaterial gelten: „Protokolle von realen, symbolisch vermittelten sozialen Handlungen oder Interaktionen, seien es verschriftete, akustische, visuelle, in verschiedenen Medien kombinierte oder anders fixierte Archivierungen.“ (OEVERMANN et al. 1979, S.378).Google Scholar
  12. 12.
    Der Pfeil (⇒) bedeutet hier — wie in einem Lexikon -, dass das betreffende Stichwort in der vorliegenden Diskussion der wichtigsten Schlüsselbegriffe zur objektiven Hermeneutik näher definiert wird.Google Scholar
  13. 13.
    Dies mag im ersten Moment unglaubwürdig klingen, leuchtet jedoch am konkreten Beispiel unmittelbar ein: Jeder Mensch kann, zumindest in seiner Erstsprache, unendlich viele regelgerechte Sätze bilden und rein intuitiv unkorrekte Sätze als solche erkennen. Er kann jedoch meist nicht angeben, warum das so ist. (Vgl. die universalgrammatischen Regeln nach CHOMSKY).Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. dazu die Ausführungen von SOEFFNER (1989) zu HEGELS (1970) „Ästhetik“ (S.34) und zu DILTHEYs (1900) „kunstmässigem Verstehen“ (S.68).Google Scholar
  15. 15.
    Da die Sequenzanalyse ein grundlegendes Verfahren bei der Fallrekonstruktion ist, möchte ich OEVERMANN, statt ihn ungenau zu paraphrasieren, direkt zu Wort kommen lassen: „Diese sequenzanalytische Strukturrekonstruktion ist also wesentlich darauf angewiesen, die Optionen oder Möglichkeiten des weiteren Verlaufs einer Interaktion an jeder Sequenzposition oder Zustandsstelle eines Interaktionsablaufs aufgrund einer extensiven Auslegung der objektiven Bedeutungsstrukturen zu bestimmen und dann die objektive Bedeutung der tatsächlich erfolgten nächsten Bewegung im Interaktionsablauf darauf abzubilden.“ (OEVERMANN 1981, S.50–51).Google Scholar
  16. 16.
    Die Identifizierung von Sinnstrukturen als eine Art „roter Faden“ in der Beschreibung von sozialen Interaktionen wird auch in anderen Wissenschaftsbereichen - wenn auch mit unterschiedlichen Zielsetzungen aber mit einem ähnlichen sequenzanalytischen Prinzip - angestrebt. Z.B. in SELVINIs et al. (1985) System- und Organisationstheorie: „Nach etwa zwei Jahren gelang es uns dann, in den ganz unterschiedlich gelagerten Situationen eine Art Leitfaden auszumachen, der bestimmte wiederkehrende Phänomene miteinander verband. Die in Sequenzen erfolgende Analyse der einzelnen Situationen liess uns jenseits der an der Oberfläche vorhandenen Unterschiede den repetitiven Charakter dieser Situationen erkennen. Mit anderen Worten, wir konnten in den verschiedenen Organisationen bestimmte redundante Phänomene ausmachen, die immer wieder gleich ausfielen, und dies ungeachtet der Heterogenität der untersuchten Organisationen.“ (S.204).Google Scholar
  17. 17.
    Es handelt sich um den sogenannten „hermeneutischen Zirkel“, welcher vor allem von HEIDEGGER (1977) beschrieben wurde und in MAYRING (1990, S.17 f.) „hermeneutische Spirale“ genannt wird. Mit diesem Begriff ist gemeint, dass Verstehen im Interpretationsvorgang ein ständiges Schliessen vom Ganzen auf das Einzelne und umgekehrt bedeutet, und dass das eigene Vorverständnis offengelegt und zu einem erweiterten Gegenstandsverständnis schrittweise weiterentwickelt wird.Google Scholar
  18. 18.
    In diesem Sinne ist ein häufiger Vorwurf an die strukturale Hermeneutik, wonach sie grosse Datenmengen gar nicht bewältigen könne, nicht gerechtfertigt. Es gibt gar keine grossen Datenmengen. Wenn die einzelnen Interpretationschritte (wie später an einem Beispiel illustriert) konsequent befolgt werden, muss nicht „möglichst viel von unserem Material“ (BRUNNER 1988, S.74) verwendet werden. Auch ist das Verfahren der objektiven Hermeneutik nicht „viel zu zeitintensiv, um die Interviewprotokolle, die in der ersten Phase der offenen Interviews einen Umfang von 2'700 Seiten hatten, zu bewältigen“ (LENZ 1989, S.13). Wer sich die Mühe nimmt, zu verstehen, was objektive Hermeneutik sensu OEVERMANN ist, braucht keine 2’700 Seiten zu transkribieren, bzw. er braucht nur einen kleinen Teil davon streng sequenzanalytisch zu interpretieren. - Zur Widerlegung der Vorurteile, wonach objektive Hermeneutik nicht für „grössere“ Datenmengen geeignet sei, am Einzelfall klebe, viel zuviel in den Ausgangstext hineinlege und nicht verallgemeinerungsfähig sei, siehe SOEFFNER (1989, S.185 f.) sowie OEVERMANN (1983b; 1986).Google Scholar
  19. 19.
    Auf HILDENBRAND (1990c, S.286 f.) verweise ich für detailliertere Ausführungen zum Begriff der „objektiven Möglichkeiten“ und dessen wissenschaftstheoretische Verankerung in der Phänomenologie HUSSERLs (1950) und MERLEAU-PONTYs (1984) und in Max WEBERs (1988) Wissenschaftslehre.Google Scholar
  20. 20.
    Für die hermeneutische Konzeption von SARTREs „Flaubert“ vgl. FRANK 1980.Google Scholar
  21. 21.
    Nach den klassischen Methoden der quantitativen Variablenforschung wären das völlig heterogene Bedingungen, die wohl kaum in einem faktoren- oder neuerdings clusteranalytischen Ansatz nebeneinander operationalisiert werden könnten.Google Scholar
  22. 22.
    Als Beispiel für ein solches Subsumtions-Modell kann die Studie von BUCHHOLZ, GMÜR, HÖFER & STRAUS (1984) angesehen werden. Zunächst wird eine Typenbildung vorgenommen (S.53), dann werden die zu untersuchenden Familien den erfundenen Typen zugeordnet (S.55–57) und schliesslich wird das Datenmaterial (ausgewählte Gesprächsausschnitte und Beobachtungen) zu Illustrationszwecken nachgeführt (S.57 f.).Google Scholar
  23. 23.
    Früher sprach HILDENBRAND (z.B. 1987) von „Einzelfallrekonstruktion“. Heute empfiehlt er, den Zusatz „Einzel“ zu vermeiden, denn dieser Zusatz suggeriert, „dass gegenüber dem einzelnen Fall erst die vielen Fälle die Wissenschaftlichkeit einer Forschung garantieren.“ (HILDENBRAND 1990c, S.288). Sein Verständnis von „Einzelfallanalyse“, oder eben von „fallrekonstruktiver Forschung“, ist freilich ein ganz anderes als jenes, das z.B. von PETERMANN & HEHL (1979) und THOMAE & PETERMANN (1983) der N=1-Methodologie zugrundegelegt wird. HILDENBRAND setzt sich zum Ziel, die sinnhafte Strukturierung sozialer Wirklichkeit im Lichte der Dialektik von Allgemeinem und Besonderem zu erschliessen, wahrend PETERMANN mühselig versucht — nachdem Einzelfallstudien in der „offiziellen“ Psychologie keinen guten Ruf geniessen (bzw. genossen haben) — aus der Defensive heraus die Wissenschaftswürde hereinzuholen.Google Scholar
  24. 24.
    SARTRE’s Flaubert-Analysen gelten als umfassendster Versuch, ein Individuum als individuiertes Allgemeines zu verstehen: vgl. HILDENBRAND 1990b, S.234.Google Scholar
  25. 25.
    Das dialektische Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, von Besonderem und Allgemeinem, zeigt eindeutige Affinitäten mit der von DURKHEIM (1970) beschriebenen Spannung von „psychobiologischem und soziokulturellem Selbst“; sowie mit dem von MEAD (1968) entwickelten dialektischen Ansatz von „Selbst-Subjekt“ (das I als pure ego und als spontan handelndes Subjekt) und „Selbst-Objekt“ (das „Me“ als empirical ego, als individuelle Spiegelung des gesellschaftlichen Gruppenverhaltens). (Vgl. auch OEVERMANN et al. 1979,. S.375 und OEVERMANN 1991, S.298).Google Scholar
  26. 26.
    Zur Begründung dieser Wahl vgl. Kap. 1, Abschnitt „Süditalienische Immigranten als grösste ethnische Minorität“.Google Scholar
  27. 27.
    Alle Namen und alle Angaben zu Personen und Orten, die zur Identifizierung der Familien führen könnten, wurden anonymisiert. Als Hilfe für den Leser und für die Leserin — sozusagen als „Erinnerungsanker“ während der Lektüre der Fallkontrastierungen — werden die erfundenen Familiennamen mit der Herkunftsregion assoziiert: - Familie SARTI: Herr SARTI kommt aus Sardinien (seine Frau jedoch aus Kampanien).- Familie SICILIANO: Herr und Frau SICILIANO kommen aus Sizilien. - Familie PUGLIESI: Herr und Frau PUGLIESI kommen aus Apulien.Google Scholar
  28. 28.
    Dietikon (siehe Abbildung 5) zählt rund 21’000 Einwohnerinnen und Einwohner und hat einen Ausländeranteil von 28%. Die Einwohnerzahl überschritt um die Jahrhundertwende 2’000 und nahm bis 1930 stetig zu, bis sie ca. 6’500 erreichte (Ausländeranteil: 4%). Anschliessend blieb sie bis 1950 mehr oder weniger stabil. Danach entwickelte sich Dietikon von einer Land- in eine Industriegemeinde. Ein rasanter Bevölkerungsanstieg setzte ein und erreichte 1974 mit 24’000 Einwohnerinnen und Einwohnern (Ausländeranteil: 27%, davon mehr als die Hälfte Italienerinnen und Italiener) seinen Höhepunkt. Im Stadtentwicklungskonzept von Juli 1988 (vom Stadtrat herausgeben) wird für eine Reduktion oder zumindest für eine Plafonierung der Ausländerzahl plädiert: „Der Ausländeranteil darf nicht ansteigen. Assimilierte Ausländer, vor allem aus der zweiten Generation, sollten vermehrt eingebürgert werden, während bei den Wanderbewegungen der Ausländer die Zuzüge die Wegzüge nicht überwiegen sollten“ (S.13.). Dieses Ziel soll über den Zuzug von (schweizerischen) Familien mittleren Einkommens erreicht werden — das heisst, durch die Förderung „eines familienfreundlichen Wohnungsangebots“ (S.13), durch das „Beibehalten eines attraktiven Bildungsangebot auf allen Stufen und eines kinderfreundlichen Freizeit- und Sportangebots“ (S.13) und konkret durch „Renovationen, Ausbauten und Ersatzbauten von Altliegenschaften“ (5.13). Damit wird beabsichtigt, dass die heute vorwiegend in Mehrfamilienblöcken mit bescheidenem Standard und viel Autolärm und Abgasen in zum Teil ghettoisierten Zuständen lebenden Ausländerinnen und Ausländer im eigentlichen Sinne vertrieben werden sollen. Neben der Förderung von komfortableren Wohnungen mit mindestens vier Zimmern wollen die Behörden noch mit einer anderen (noch bedenklicheren) Strategie verhindern, dass neue ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach Dietikon kommen. Gegenüber den Sozialwerken, die speziell Ausländerinnen und Ausländern zugute kommen, wird „ZurückhaltungȌ (5.13) empfohlen: „Zwar ist eine Integration fremdsprachiger Kinder sicherzustellen, aber es ist zu vermeiden, dass Dietikon als Einwanderungsgebiet besonders attraktiv erscheint“ (S.13).Google Scholar
  29. 29.
    Schlieren (siehe Abbildung 5) weist eine Bevölkerungszahl von 13’000 Einwohnerinnen und Einwohnern auf. Der Ausländeranteil beträgt 29%. Während sich im benachbarten Dietikon (obige Fussnote) die Einwohnerzahl von 1950 auf 1990 verdreifachte und die Ausländerzahl verfünffachte, hat sich die Einwohnerzahl von Schlieren von 1950 (6’000 Einwohnerinnen Einwohner mit einem Ausländeranteil von 6%) bis 1990 verdoppelt. Die Ausländerzahl hat sich auch in Schlieren verfünffacht. (Geschäftsbericht der Stadt Schlieren 1990 und Gemeindestatistik 1990, herausgegeben vom Stadtrat). Im Unterschied zu Dietikon wurden für diese Gemeinde keine Stabilisierungsmassnahmen der Ausländerzahlen geplant oder zumindest nicht ausdrücklich in einem veröffentlichten Bericht festgelegt.Google Scholar
  30. 30.
    Schwamendingen (siehe Abbildung 5) wird im "Sozialatlas der Stadt Zürict (ZEUGIN & SCHMID 1984) als sozial besonders belastet dargestellt. Der Ausländerantel beträgt rund 28%. (Statistik der Städtischen Koordinationsstelle für Ausländerfragen an 31.12.90). Im grossen und ganzen gleicht die Bevölkerungsexplosion in diesem bis 1950 vorwiegend ländlichen Aussenquartier der Stadt Zürich der Situation der Gemeinden Dietikor und Schlieren.Google Scholar
  31. 31.
    Wie später, im Laufe der sequenzanalytischen Interpretation der Familiengespräche noch ausgeführt wird, wurde bei den Kindern der Familie SICILIANO und der FamilieGoogle Scholar
  32. PUGLIESI differenzialdiagnostisch ausgeschlossen, dass den gemeldeten und beobachteten Lem- und Leistungssschwächen ein basales Intelligenzproblem und/oder eine organische Störung, wie z.B. eine minimale cerebrale Dysfunktion, zugrundeliegt. Ebenso konnte eruiert werden, dass bei der Zuweisung der SICILIANO-Kinder in die Lernbehindertenklasse keine unkontrollierte bzw. überstürzte Zuteilung von seiten des abklärenden Schulpsychologischen Dienstes erfolgte.Google Scholar
  33. 32.
    Persönliche Mitteilung von Professor Bruno Hildenbrand, Berufsakademie VillingenSchwenningen, anlässlich seiner Gastvorlesung vom 21. Juni 1990 am Institut für Sonderpädagogik der Universität Zürich, die den Titel trug: „Das familienbiographische Fallrekonstruktions-Modell — Methoden und Anwendungsbereiche.“Google Scholar
  34. 33.
    Persönliche Mitteilung von André Bussing, Professor für Arbeits- und Rehabilitationspsychologie an der Universität Konstanz, anlässlich seiner Gastvorlesung vom 9. Juli 1990 am Institut für Angewandte Psychologie der Universität Zürich, die den Titel trug: „Zur Dynamik im Verhältnis von Arbeit und Freizeit im Spiegel qualitativer Interviews.“Google Scholar
  35. 34.
    Illustrative Beispiele liegen vor allem in den Interviews mit der Familie SARTI vor, in welchen sich Frau SARTI’I mit meiner Mitarbeiterin Frau Sanchez immer wieder verbündete und ihr viele Details über ihr früheres und jetziges Beziehungsleben ins Ohr flüsterte, sozusagen von Frau zu Frau.Google Scholar
  36. 35.
    Ein Beispiel findet sich in LENZ (1988): bei einer 150-seitigen Transkription sagt der Interviewer fast 1000 mal „hmh“ und sonst fast nichts. Bei einer 18jährigen Studentin klappt das gut. Ich stelle mir aber vor, dass z.B. ein italienischer Fabrikarbeiter recht erstaunt und sogar irritiert dreinschauen würde, wenn ihn jemand um Informationen über seine Familie bittet und dann — indem er ganz künstlich und für lange Zeit „hmh“ sagt -, nicht zeigt, dass er sich für die Familie interessiert.Google Scholar
  37. 36.
    Die Minikassetten haben den Vorteil, dass sie sich für die Transkription mittels Kopfhörer und Fussschalter besser eignen, weil dank speziellem Wiedergabegerät das Band automatisch um ein paar Worte zurückspult, wenn man beim Transkribieren stoppt.Google Scholar
  38. 37.
    Die Videoaufzeichungen, im Vergleich zu den Tonbandaufnahmen, erlaubten zwar, „hautnah“ zu erfassen, wie die Leute zueinander sassen, wie sie sich bewegten oder nicht bewegten und wie sich ihre Emotionen beim Erzählen ausdrückten. Indikatoren dafür sind etwa Mimik und Gestik, welche — assoziiert an die auditiv erfassbaren, phonetischen und paralinguistischen Merkmale wie Sprechstimme, Tonfall, Geschwindigkeit, Pausen, Melodie — wichtige Elemente für die Erfassung einer „Gestalt“ sind. In der vorliegenden Untersuchung stellten Videoaufzeichnungen aber auch — viel mehr als die Tonbandaufnahmen, bei welchen das unscheinbare Diktier- und das kleine Kassettengerät nach wenigen Minuten „vergessen“ wurden — ein zeitweise massives und gewissermassen voyeuristisches Eindringen dar in intime Bereiche der Familienwelt. Obwohl der uns begleitende Kameramann Hanspeter Ammann — von Beruf Videokünstler und Psychoanalytiker — mit grösster Sensibilität und durch direkten Dialog während des Drehens sehr gut verstand, Ängste und Hemmungen bei den Interviewten (und beim Interviewer) abzubauen, waren die am Gespräch Beteiligten weniger spontan als sonst, und es gab häufig ein nie zuvor beobachtetes Abwägen der Wortmeldungen. Übrigens: Mit der Begründung, dass heute fast alle Leute ein Videokassettengerät haben und dass sie nicht „in anderen Stuben“ erscheinen wollen, verweigerte mir die Familie SICILIANO die Erlaubnis, bei ihnen mit Video aufzunehmen. (Was, bei allem Verständnis für ihre Entscheidung, auch eine Information über ihre Fallstruktur darstellte, wie wir in Kap. 5.2.3 noch sehen werden).Google Scholar
  39. 38.
    Diese Einteilung erfolgte in Anlehnung an HILDENBRAND (1984, 3.Kurseinheit, S.10 f.): siehe Beispiel im Anhang (9.2); die vollständige Datenmaterialsammlung kann bei LANFRANCHI (1991b) eingesehen werden.Google Scholar
  40. 39.
    Die Genogramme der Familien SARTI, SICILIANO und PUGLIESI befinden sich am Schluss des Buches. Das verwendete, möglichst einfache graphische Darstellungssystem entstammt aus meiner Praxis als Familientherapeut. Es basiert erstens weitgehend auf den therapeutischen Erfahrungen, die SLUZKI (1979) in der Arbeit mit Migrantenfamilien beschrieben hat: „In the course of the first interview, the therapist should establish which phase of the process of migration the family is currently in and how they have dealt with the vicissitudes of previous phases“ (S.389), und zweitens auf dem &#x201ETransitional Mapping“ nach LANDAU (1982): „A comprehensive map should extend beyond that of the individual’s and familiy’s life cycle to include the transational position of the rnultigenerational family in society“ (S.559). Unterdessen sind ausgeklügelte Notierungssysteme entstanden (McGOLDRICK & GERSON 1990), wobei die Hauptsymbole die gleichen geblieben sind.Google Scholar
  41. 40.
    Die vollständige Transkriptsammlung befindet sich in LANFRANCHI (1991b). Ein Beispiel wird im Anhang (9.1) reproduziert. Jede Seite besteht aus 50 Zeilen, deren Numerierung auf jeder Seite neu beginnt. Der Buchstabe bezeichnet die Dialogrolle.Google Scholar
  42. 41.
    Übersetzungsregel: vgl. Note 15, S.145).Google Scholar
  43. 42.
    Für einen Überblick über verschiedene franskriptionstechniken: vgl. EHLICH & SWITALLE (1976); für differenziertere Verfahren, vor allem aus der Linguistik, vgl. das Bei-spiel von DI LUZID & AUER (1986); für weitere Hinweise zur Kodierung von Textstellen vgl. die von OEVERMANN (1988, S.53) vorgeschlagene Konvention.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Andrea Lanfranchi

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