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Technik, Arbeitsorganisation und Qualifikation

  • Peter Hauptmanns
Chapter
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Part of the Neue Informationstechnologien und Flexible Arbeitssysteme book series (NIUFA, volume 7)

Zusammenfassung

Im Maschinenbau stieß eine vollständige Rationalisierung an ihre Grenzen. Die damit verbundene Notwendigkeit zu einer größeren Standardisierung der Produkte, um Produktivitätsvorteile zu erreichen, andererseits aber die Dominanz der Einzel- und Kleinserienfertigung, um kundenindividuelle Produktanforderungen zu erfüllen, führte zu einem Rationalisierungsdilemma, einem der Produktion des Maschinenbaus als inhärent zugeschriebenen Widerspruchs zwischen Markt- und Produktionsökonomie (vgl. z.B. Benz-Overhage u.a. 1982, Hirsch-Kreinsen 1984, Bergmann u a 1986). Eine vollständige Standardisierung der Produkte war nicht möglich, der Maschinenbau war (und ist) von einer Fertigung in kleinen oder allenfalls mittleren Seriengrößen mit einer großen Anzahl von Varianten im Produktspektrum geprägt. Dies erforderte eine arbeits- und kostenintensive Fertigung mit einem hohen Anteil an qualifizierten Facharbeitern. Hoch arbeitsteilige Strukturen ließen sich im Maschinenbau nur dort umsetzen, wo eine Großserienoder Massenproduktion die weitgehende Zergliederung der Arbeit erlaubte und somit auf den Einsatz von qualifizierter Facharbeit zugunsten von Anlerntätigkeiten verzichtet werden konnte. „An diesem Dilemma vermochten auch die konventionellen Rationalisierungsverfahren, die schon von jeher, verstärkt in den 60er Jahren, im Maschinenbau praktiziert wurden, nichts Grundsätzliches zu ändern: exaktere Vorplanung und zeitliche Vorbestimmung von Teilprozessen kollidierten mit Vielfalt und begrenzter Antizipierbarkeit der Fertigungsprozesse und liefen daher vielfach ins Leere.“ (Bergmann u.a. 1986, S. 11f.)

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Literatur

  1. 38.
    Darüber hinaus werden in zunehmendem Maße auch soziale Qualifikationen, wie z.B. die Fahigkeit zur Arbeit im Team, die Fähigkeit zur Mitarbeitermotivation u.3. gefordert; vgl. z.B. Müller (1991); Lichtenberg (1990); Spreter-Müller (1988); Gaugler (1987). Allerdings ist die tatsächliche Relevanz dieses Bereichs nicht unumstritten (z.B. Klein/Kürzel 1993 ).Google Scholar
  2. 45.
    Die allerdings noch relativ zurückhaltend vollzogen wird; vgl. Schumann u.a. (1990a); Ostendorf/Seitz (1992).Google Scholar
  3. 46.
    Dies kann allerdings im Rahmen dieser Untersuchung nicht weiter diskutiert werden. Vgl. dazu stattdessen z.B. Schreuder (1989); Baethge/Oberbeck (1986); Wolf u.a. (1992); Behr u.a. (1991).Google Scholar
  4. 48.
    Vgl. Lutz (1986); zum Bereich Kontrolle Manske (1991) sowie als Gegenposition HirschKreinsenu.a. ( 1990, S. 171).Google Scholar
  5. 49.
    Zu vergleichbaren Resultaten kommt auch die auf Nordrhein-Westfalen beschränkte, dafür aber über den Maschinenbau hinausgehenden Untersuchung des Institut Arbeit und Technik Gelsenkirchen; vgl. Lehner/Nordhause-Janz (1992, S. 36ff.) sowie B. Widmaier ( 1991, S. 24ff.).Google Scholar
  6. 50.
    Einen Gesamtüberblick über die Entwicklung verschiedener Branchen bieten Pries u.a. (1989 und 1990 ). Krititsch zur dort vorgestellten Konvergenzthese: Voelzkow/Eichener (1991).Google Scholar
  7. Weitgehend unberücksichtigt bleiben dabei allerdings spezielle Formen der Arbeitsorganisation wie z.B. die qualifizierte Gruppenarbeit. Die Analyse der Diffusion dieser speziellen Form der Organisation von Arbeitsaufgaben ist - auf der Grundlage der auch in dieser Arbeit genutzten Daten des NIFA-Panels - ausführlich dargestellt in Saurwein (1992 und 1993). Zur allgemeineren Diskussion des Konzepts vgl. auch Minssen (1993). Ebenfalls nicht näher ausgeführt werden soll an dieser Stelle das Kontrollpotential im Maschinenbau, vgl. dazu Freriks u.a. (1992).Google Scholar
  8. 52.
    Eine ausf[hrliche Darstellung der verschiedenen Aspekte der Arbeitsorganisation, unter besonderer Berücksichtigung einer flexibel automatisierten Produktion, bietet Flimm (1990).Google Scholar
  9. 54.
    Vgl. zu den Ergebnissen der ersten Welle des NIFA-Panels zu diesem Themenkomplex Ostendorf/Seitz (1992).Google Scholar
  10. 61.
    Die Ähnlichkeit mit der Typisierung des ISF (ausführlich dargestellt in Hirsch-Kreinsen u.a. 1990 ) ist beabsichtigt. Im Prinzip wurde versucht, anhand der NIFA-Daten diese Typisierung nachzuvollziehen. Da aber die Typen des ISF eher theoretisch gebildet wurden und in diese Typenbildung nicht nur die Arbeitsorganisation einging, wurde hier bewußt eine andere Bezeichnung gewählt, um eine völlige Gleichsetzung der beiden Klassifikationen - und daraus zwangsläufig entstehende Mißverständnisse - zu vermeiden.Google Scholar
  11. 63.
    Selbst innerhalb einzelner Studien werden generelle Prognosen, die z.B. fir die Automobilindustrie und die chemische Industrie abgegeben werden, für den Maschinenbau relativiert. So behaupten z.B. Kem/Schumann in ihrer Studie zum “Ende der Arbeitsteilung ?”, daß die dort aufgestellte These der Bedeutungszunahme der Facharbeit für den Maschinenbau insofern nicht gelte, als diese Branche nie durch einen Bedeutungsverlust der Facharbeit charakterisiert war (Kern/Schumann 1984, S. 197 ).Google Scholar
  12. 65.
    Einen guten und knappen Überblick über die Rationalisierungsgeschichte bietet z.B. Mickler ( 1981, S. 24ff.).Google Scholar
  13. 66.
    Eine Darstellung der verschiedenen Mechanisierungs-bzw. Automatisierungsstufen bieten z.B. Kem/Schumann ( 1985, S. 59f.).Google Scholar
  14. 67.
    Die Art der Arbeitsteilung im Fordschen Konzept hatte nicht nur dequalifizierende Konsequenzen flit-die Beschäftigten, Ford arbeitete sogar mit einer physischen Zuordnung zu Arbeitsplätzen, die die Grenzen des Zynismus wohl überschritt: “The lightest jobs were again classified to discover how many of them required the use of full faculties, and we found that 670 could be filled by legless men, 2637 by one-legged men, two by armless men, 715 by one-armed men, and ten by blind men. Therefore, out of 7882 kinds of job… 4034 did not require full physical capacity” ( Henry Ford, My Life and Work, zit. nach Littler 1985, S. 15 ).Google Scholar
  15. 69.
    Daher soll dies hier auch nicht weiter ausgefiihrt werden. Zur Diskussion über die Struktur der Arbeitsorganisation in der Automobilindustrie und die qualifikatorischen Folgen vgl. z.B. Dohse u.a. (1984), Malsch (1989).Google Scholar
  16. 70.
    Wesentliche Elemente des `Scientific Management’, wie Taylors Methode der Arbeitsanalyse, die der Aufgabenzuschneidung und Arbeitszergliederung vorausgehen muß, genannt wird, waren darüber hinaus die Personalauswahl und das Entlohnungssystem. Zur Entstehungsgeschichte der Taylorschen Methode vgl. die Darstellungen in Kieser (1993, S. 72ff.), Lutz/ Schmidt (1977, S. 112ff.) oder Braverman (1977, S. 73ff.); zu der schon sehr früh einsetzenden Kritik und zu Gegenpositionen zum Taylorismus wie Human-Relations-Approach und Organisationspsychologie ebenfalls Kieser (1993, S. 86ff.); Lutz/Schmidt (1977, S. 117ff.).Google Scholar
  17. 71.
    Diese bestand aus den zentralen Komponenten der Tarifautonomie und der sozialstaatlichen Absicherung der Arbeitnehmer auf der einen sowie der Erschließung und Absorption traditionell bäuerlich-handwerklicher Produktionsbereiche fir die industrielle Produktion auf der anderen Seite (Bechtle/Lutz 1989, S. 25f).Google Scholar
  18. 74.
    Polarisierung heißt aber hier nicht unbedingt wenig qualifizierte und viel unqualifizierte Arbeit. Kern/Schumann ( 1985, S. 153) sprechen von polarisiert auch schon bei 40:60 oder 40:40:20-Verhältnissen ( Steuer-/Führungsarbeit, repetitive Handarbeit, Automationsarbeit).Google Scholar
  19. 75.
    Pries u.a. ( 1990, S. 123) veranschaulichen dies durch das Bild einer `Eieruhr’ als Gegensatz zum ursprünglichen `Pyramiden’-Modell.Google Scholar
  20. 76.
    Diese hat allerdings nur geringen Einfluß auf die deutsche Industriesoziologie genommen. Eine umfassendere Rezeption der Labour-Process-Debate fand fast nur am Wissenschaftszentrum Berlin statt (vgl. HildebrandtlSeltz 1987). Umgekehrt wurden allerdings auch die Resultate der deutschen industriesoziologischen Analysen in der englischsprachigen Welt nicht rezipiert und eingearbeitet (Lappe 1986 ).Google Scholar
  21. 77.
    Wobei sich die generelle Kritik vornehmlich dagegen richtet, daß Bravermans marxistischer Analyseansatz wesentliche Kategorien der Marxschen Theorie vernachlässigt oder falsch einsetzt (vgl. z.B. Littler/Salaman 1982).Google Scholar
  22. 78.
    Bei Kern/Schumann die “Nullmessung”, das “Stadium, in dem die Arbeitsausführung vollständig dem Arbeitenden überlassen ist” (Kern/Schumann 1985, S. 54).Google Scholar
  23. 79.
    Produktions-und Zeitökonomie bezeichnen hier zwei verschiedene Betrachtungsweisen des gleichen Sachverhalts: die produktionsökonomische Interpretation der inneren Verwertungslogik bezieht sich auf kostenstrukturelle Aspekte, während die Zeitökonomie die Quantifizier-und Vergleichbarkeit der Teilarbeiten betrifft und als solche die Basis der einzelnen Stückkostenpositionen darstellt“ (Benz-Overhage u.a. 1981, S. 104f.).Google Scholar
  24. 80.
    Hier wird als Argument die Dominanz der nach wie vor eher zentralistisch ausgerichteten Techniklinien PPS, DNC und CAD/CAM aufgeführt (Köhler 1991, S. 416).Google Scholar
  25. 83.
    Gerade die nur unzureichend vorhandene empirische Evidenz ist in der Diskussion dieser Ergebnisse dann auch auf Kritik gestoßen (vgl. z.B. Dull 1985).Google Scholar
  26. 84.
    Z.B. durch Robotereinsatz in der Automobilindustrie, vgl. auch Brock/Vetter (1986), Fürstenberg (1987).Google Scholar
  27. 85.
    So beispielsweise im Maschinenbau dem des Systembetreuers,der über technische, disponierende und soziale Qualifikationen verfügen muß (Kern/Schumann 1984, S. 195ff.).Google Scholar
  28. 88.
    Allerdings sehen Kritiker dieser Thesen wie z.B. Dull (1985) in dieser Entwicklung keine neuen Produktionskonzepte,sondern nur einen Formwandel der Rationalisierung mit dem Ziel, neue Formen der Nutzung von Arbeitskraft zu entwickeln, die die Rationalisierungsbarrieren tayloristischer und fordistischer Produktionsmodelle überwinden sollen.Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1995

Authors and Affiliations

  • Peter Hauptmanns

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