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Ideologisierung und Individualisierung: zum Wandel der Funktion ästhetischer Qualität von der Antike zur Moderne

  • Ingrid Volkmer

Zusammenfassung

Die Geschichte der Ästhetik ist eine Geschichte des Nachdenkens über das ‘Schöne’, um dessen Abgrenzung gegenüber dem ‘Häßlichen’ zu definieren. Das Häßliche wird nicht theoretisch kategorial benannt, die ästhetische Bestimmung bleibt weitgehend diffus. Statt dessen konzentrieren sich die Überlegungen zur Ästhetik traditionell auf die theoretische Formulierung des Schönen. Das ‘Häßliche’ wird nur selten genauer beschrieben oder überhaupt erwähnt, denn das “Imaginationstheorem vom Bösen verbietet inhaltsästhetische Affirmationen” (Bohrer, 1985:473).

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Literatur

  1. 2).
    Der Begriff “Ästhetik” wurde insbesondere von Baumgarten (1750, 1970) zur Binnendifferenzierung der Philosophie eingeführt. Baumgarten beschreibt damit eine damals neue wissenschaftliche Disziplin, die sich, in inhaltlicher (nicht struktureller) Abgrenzung zur Logik versteht. “Ästhetik” umfaßt bei Baumgarten die Philosophie des “niederen Erkenntnisvermögens”, das in darauf folgenden anderen theoretischen Entwürfen als “sinnliche Wahrnehmung” (Meier, 1754, 1976) umschrieben wird. Um die weiteren Ausführungen dazu nicht vorwegzunehmen, jedoch die Termini einheitlich zu wählen, benutze ich den Begriff “ästhetisch” bzw. “Ästhetik” bereits bei der Skizzierung der antiken und mittelalterlichen Theorieentwürfe des “Schönen”.Google Scholar
  2. 3).
    Diese Synonymität läßt sich möglicherweise auf eine Übersetzungsproblematik zurückführen, auf einen Übersetzungsfehler wie Baeumler (1972) meint, weil im Griechischen Adverb und Adjektiv nicht unterschieden werden.Google Scholar
  3. 5).
    Aristoteles’ Relativierung setzt an bei dem Gedanken: “es gäbe nicht eine Tapferkeit, eine Gerechtigkeit, eine Besonnenheit, sondern von anderer Art seien die diesen Namen tragenden männlichen, von anderer Art die weiblichen Tugenden” (zit. nach Schasler, 1872, 1971:123). Auf dieser Basis wird Aristoteles’ theoretischer Entwurf weiter ausgelegt und es folgt der Schritt zur Individualisierung, der auf der Basis der genannten Sichtweise nur geschlechtsspezifisch gedeutet werden kann.Google Scholar
  4. 7).
    ‘Häßlichkeit’ wird erst im 19. Jahrhundert als ästhetische Kategorie empfunden und definiert (vgl. dazu insbesondere Bohrer, 1985).Google Scholar
  5. 8).
    Plotin bezieht sich dennoch auf das Schöne, denn das Häßliche kann abgelegt werden, weil es das Schöne nur überdeckt (vgl. Plotin, 1956:12)Google Scholar
  6. 9).
    ‘Nicht verstehen’ heißt in diesem Fall anders verstehen. Die breite Bevölkerung verstand diese Kunst anders als das gehobene Bürgertum. Bis heute haben sich Rezeptionsideologien in der Kunst konserviert. Daß diese jedoch mit aktuellen Interpretationsmustern aufgelöst werden können, zeigen Marcuse (1980) und auch Weiß (1983).Google Scholar
  7. 14).
    Wenngleich Schasler darauf hinweist, daß es falsch wäre, die “Populärphilosophie” als “eine bestimmte Stufe in der substanziellen Philosophie zu betrachten” (Schasler, 1872, 1971:347), so ist allein die damit erreichte methodologische Ebene für die Philosophiegeschichte bedeutsam.Google Scholar
  8. 15).
    Wie ‘revolutionär’ dieser Ansatz in der damaligen Zeit verstanden wurde, spiegelt sich in der Debatte insbesondere zwischen Gottsched und Breitinger/Bilfinger wieder, in der Gottsched die Position vertritt, daß Kunst sich an bestimmten Regeln zu orientieren habe, wenn sie es anstrebt ‘schön’ zu sein. Breitinger/ Bilfinger dagegen vertreten die Sichtweise (ähnlich der Baumgartens), daß allein die Erkenntnis Schönheit bestimme. Gottsched lastet diesen Positionen an, die “Regellosigkeit in der deutschen Dichtung” herbeizuführen (vgl. Schmidt, 1875:35).Google Scholar
  9. 16).
    Der theoretische Stellenwert von Georg Friedrich Meier, der aus heutiger Sicht, ohne Zweifel, als bedeutend im Rahmen der Diskussion um Ästhetik zu bewerten ist, wurde in der zeitgenössischen Debatte jedoch vernachlässigt. Seine Überlegungen wurden bis in das späte neunzehnte Jahrhundert hinein scheinbar nicht verstanden, sein Ansatz wurde als “trockene Schematik” beurteilt und konnte allenfalls als “praktische Anleitung für Denjenigen, der sich mit den sogenannten schönen Wissenschaften befaßt” dienen; ästhetisch haben sie “keinen Wert” (Schasler, 1872:354). Ein weiterer ‘merkwürdiger’ Aspekt im Kontext seines wissenschaftlichen Werkes ist, daß seine philosophische Beziehung zu Baumgarten gespannt zu sein schien. Es ist zu vermuten, daß eine nicht unerhebliche Konkurrenzsituation bestand, die sich insbesondere an der Forts, von letzter Seite Veröffentlichung einer ersten Abhandlung zur Wissenschaft der Ästhetik entzündete. Es bleibt erstaunlicherweise bis heute offen, ob Baumgarten tatsächlich durch Meiers Veröffentlichung (“Die Anfangsgründe aller schönen Wissenschafen”) dazu inspiriert wurde, die “Aesthetica” zu publizieren, weil der Zeitpunkt der Veröffentlichungen eng aufeinander folgt (vgl. Meyer, 1874:28).Google Scholar

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1991

Authors and Affiliations

  • Ingrid Volkmer

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