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Ungleichheiten pp 227-245 | Cite as

Subjekte der Aneignung, Kriterien sozialer Schließung und allokative Ungleichheiten

  • Veit-Michael Bader
  • Albert Benschop

Zusammenfassung

In den letzten beiden Kapiteln haben wir zu zeigen versucht, wie unsere pro-theoretische Gliederung der Ressourcen für die Analyse spezifischer Machtverhältnisse fruchtbar gemacht werden kann. In den nun folgenden Kapiteln werden wir uns aus Raumgrunden auf die Behandlung des grundbegrifflichen Gerüsts beschränken müssen. Diese Einschränkung wird dadurch erträglicher, daß wir mit der Behandlung der Objekte der Aneignung die wichtigsten theoretischen Schwierigkeiten überwunden haben. Wir hatten in Kapitel IV gänzlich und in den Kapiteln V und VI weitestgehend abstrahiert von den Fragen, wer Objekte und Positionen warum aneignen oder besetzen kann. Wir wollen nun die möglichen Subjekte der Aneignung (§ 1) und die Ursachen selektiver Allokation (§ 2) diskutieren und dabei die besondere Bedeutung askriptiver Prestigedichotomien und ihrer rechtlichen und staatlichen Sanktionierung herausarbeiten. Auf dieser Grundlage behandeln wir die Kriterien sozialer Schließung (§ 3). Wir werden mit sozialer Schließung einen weiteren wichtigen Typus strukturell asymmetrischer Macht kennenlernen, der in neo-weberianischen Theoriestrategien bis zur Ausschließlichkeit verabsolutiert und in der marxistischen Tradition bisher nahezu gänzlich vernachlässigt wurde. Wir befinden uns von nun an in gut erkundetem und gangbarem Gelände und werden uns daher auf ein Minimum an Erklärungen und Abgrenzungen beschränken.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. die schon angeführten Kritiken von M.G.M.SMITH, FURNIVALL, V.D.BERGHE, KUPER, REX u.a. am Parsonianismus wie am Marxismus.Google Scholar
  2. 2.
    Und sie sind nur schwerlich wie üblich als ‚ökonomische‘, ‚politische‘, ‚kulturelle‘ und ‚religiöse‘ Organisationen oder Verbände zu gliedern.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. z.B. die nichtablassenden Diskussionen darüber, ob nun natürliche Personen, Familien oder Haushalte die adäquaten ‚units‘ von Klassenanalysen darstellen: vgl. SCHUMPE1ER 1927/1953: 158, PARSONS 1940:77; 1949:328; 1953:427; GOODE 1964:81; PARKIN 1971:14, 18, 23 ff; GIDDENS 1973; WRIGHT 1979:60 ff; BISCHOFF e.a. 1982:48; GOLDTHORPE 1983, 1984; STANWORTH 1984. Darüberhinaus können natürlich — wie bereits angedeutet — auch Organisationen: corporations, Staaten, Parteien, Kirchen usw. Ausbeutungspositionen besetzen.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Kap. IV.5 zur spezifischen Eigenart der Konstitution und Existenz von Prestigechancen überhaupt. Vgl. speziell zu Prestige als Ressource: Etzioni 1968:327; EISENSTADT 1971:28, 33; MAYER 1976,168.Google Scholar
  5. 5.
    Leo Kuper zeigt für rassistische Praxen, wie diese „differential political incorporation“, dieses „system of domination with political inequality between the races“ (1974: 227) die Grundlage bildet für „differential access“ to land, means of production, industrial resources usw. „It introduces a fundamental distinction in the life chances“, „extending to all spheres of life“ (229 et pass.). Auch PARKIN hat zurecht darauf aufmerksam gemacht, daß staatliche, politische und juristische Diskriminierung und Unterdrückung bei der Entstehung stabiler askriptiver Schließungspraxen eine entscheidende Rolle spielen (vgl. 1979:95 ff; 1982:102). Allerdings überzieht er dieses Argument und ignoriert daher jene Prozesse, in welchen staatliche Diskriminierung nicht an der Wiege askriptiver Diskriminierung steht, sondern schon bestehende ‚gesellschaftliche, ‘kulturelle‘ usw. Diskriminierungen politisch und juristisch fixiert und sanktioniert, und damit natürlich rückwirkend eminent verstärkt und stabilisiert, ohne sie jedoch ‘ex nihilo‘ zu schaffen.Google Scholar
  6. 6.
    Wir haben oben schon generell auf die enorme Bedeutung von ‚politischen Rechten‘, von ‘Staatsbürgerschaft‘ usw. als Ressourcen aufmerksam gemacht und die grundlegend irreführende Kontrastierung von ‘sozialer‘ Ungleichheit und ‚politischer Macht‘ durchbrochen (vgl. mit großem Nachdruck: BENDIX 1964, T.H. MARSHALL 1950, LOCKWOOD 1985 u.a.). Im jetzigen Zusammenhang gilt besonders, daß soziologische Analysen von ‘ascriptive role allocation‘, von askriptiver Schließung, Diskriminierung, Unterdrückung und Ausbeutung als ‘a-politische‘ gar nicht denkbar sind.Google Scholar
  7. 7.
    Dies ist die seit Locke bekannte Standardargumentation. Bei Parsons geht es also in der Behandlung der ‚criteria of allocation‘ nicht mehr um „possessions“, sondern um „qualities and performances“. Weil wir einen anderen Begriff von ‘Besitz‘ und einen breiteren Begriff von Ressourcen verwenden (auch Kompetenzen werden ‘besessen‘, auch sog. ‘ascriptive cultural identities‘ sind als indirekte Ressourcen verwendbar) geht es bei uns um jene spezifischen Ressourcen, die unter (1) und (2) zusammengefaßt sind. Gouldners diesbezügliche Parsons-Kritik halten wir zumindest analytisch für irreführend und zirkulär: „The achievement-ascription distinction also makes it seem that rewards are allocated either in terms of how well the individual does or else in terms of his imputed cultural identities, both of which are culturally valued attributes. What this distinction ignores is that individuals may receive differential advantage simply because of what they have, their possessions, resources, facilities..“ (GOULDNER 1970: 323)Google Scholar
  8. 8.
    In gegenwärtigen Ansätzen zu sog. ‚Theorien sozialer Schließung‘ wird entweder behauptet, die Unterscheidung zwischen positionaler und allokativer Ungleichheit sei irrelevant (vgl. PARKIN 1979), oder es wird behauptet, daß sowohl die Strukturierung von Positionen wie die Rekrutierung von Personen durch soziale Schliessung zu erklären sei (vgl. MURPHY 1983, 1986, vgl. schon REX 1970, COLLINS 1975, 1979, u.a.). Der Vorteil einer derartigen ‘einheitlichen‘ Perspektive wird jedoch durch einen empfindlichen Verlust an Differenzierungsfähigkeit erkauft. Die Berufungen auf Max Weber als Ahnherrn einer derartigen einheitlichen ‘Schließungstheorie‘ verkennen den Status seiner Grundkategorien und machen Weber ‘einheitlicher‘ als er ist. Wir behandeln soziale Schließung daher als Teilperspektive und Schließung als einen spezifischen Typus asymmetrischer Macht, der Ausbeutung, Unterdrückung und Diskriminierung weder umfaßt noch ersetzt. Vgl. die ausführliche Kritik bei BADER 1984. Vgl. die vergleichbare Kritik an der Überdehnung des Schließungskonzepts bei GIDDENS 1980:889 „only one mode among others“. Allerdings erlaubt die eher tastende Formulierung von Giddens eine ebenso simple wie arrogante Reaktion (vgl. PARKIN 1980:892).Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. WG 236 u.ö. Weber selber hat die Vielzahl der möglichen Schließungskriterien nicht systematisch geordnet, erwähnt jedoch mindestens die folgenden: ethnische (WG 237), rassische (201, 234), sprachliche (328), religiöse (29, 330 ff) Unterschiede; örtliche und soziale Herkunft, Abstammung, „ästhetisch auffällige Unterschiede des.. Habitus, und..in die Augen fallende Unterschiede in der Lebensführung des Alltags“ (238) wie Bart-und Haartracht, Kleidung, Ernährungsweise, gewohnte Arbeitsteilung der Geschlechter, alle möglichen Bräuche und Sitten. Vgl. auch BENSCHOP 1987: 24 ff.Google Scholar
  10. 10.
    Wenn sich auf der Grundlage derartiger faktischer oder vermeintlicher Gemeinsamkeiten ‚Gemeinschaften‘ im Weberschen Sinne herausbilden (was natürlich keineswegs ‘selbstverständlich‘ ist, vgl. Teil II, Kap. IV), dann bietet die freiwillige oder erzwungene, subjektiv bejahte oder verworfene, ‘Zugehörigkeit‘ zu derartigen Gemeinschaften (Nachbarschaften, Dörfern, Stadtteilen, Regionen usw.; Sprachgemeinschaften; Gemeinschaften des Habitus und der alltäglichen Lebensstile und Kulturen; sozialen Klassengemeinschaften) einerseits jeweils vorhandene und einsetzbare Kriterien der Monopolisierung und Schließung. Andererseits werden derartige ‘Unterschiede‘ erst in Situationen der Konkurrenz und des Kampfs als solche ‘wahrgenommen‘, ‘erfahren‘, ‘entdeckt‘ und vor allem verfeinert, kultiviert, ja sogar ‘erfunden‘.Google Scholar
  11. 12.
    Auch die zeitliche Dauer der Anwesenheit, der Zugehörigkeit selber kann — in Einwanderungsgesellschaften z.B. zwischen den verschiedenen Generationen von Einwanderern besonders offensichtlich — als Kriterium der Schließung fungieren (vgl. für Community-Studien auch ELIAS/SCOTSON 1965; vgl. zur (faktischen oder vermeintlichen) gemeinsamen Geschichte als Dimension kollektiver Identitität: Teil II, Kap. IV).Google Scholar
  12. 13.
    Der normative Unterschied zwischen askriptiven und individuell erworbenen Rekrutierungskriterien ist also nicht einfach ein empirischer (vgl. auch GOULDNER 1970:320 ff). Faktisch funktionieren ‚achievement criteria‘ daher in variablem Maße (1) als Verschleierung der ungleichen Chancen, um Kompetenzen zu erwerben, und (2) als Legitimationslegende für zusätzliche Belohnungen, also als meritokratische ideologische Ressource privilegierter Klassen, Eliten, professioneller Gruppen. Auch in der Tradition der funktionalistischen Stratifikationssoziologie und der Pluralismustheorie wurde der analytische Unterschied zu oft verwendet, um die faktische Chancenungleichheit dem Blick zu entziehen, welche auch in den ‘open societies‘ der ‘individualistischen‘ Rekrutierung zugrunde liegt. Wir haben schon oben darauf hingewiesen, daß eine radikale, nicht halbierte Version des liberalen Prinzips der Chancengleichheit z.B. mit erblichfamilialer Übertragung ungleicher Verfügungsgewalt über wichtige gesellschaftliche Ressourcen nicht vereinbar ist, und daß dies in der liberalen Tradition — zumindest im Prinzip — von Mill bis Parsons erkannt ist.Google Scholar
  13. 14.
    ‘Radikale‘ Kritiker funktionalistischer Stratifikationssoziologie haben also einerseits durchaus recht, wenn sie die ideologische Funktion kritisieren, welche ‚achievement‘ in derartigen Theorien offener Gesellschaften erfüllen (vgl. PARKIN 1974, 1979). Andrerseits folgt daraus nicht, daß der Begriff ‚achievement‘ selber „highly suspect“ (1979:71) werde. Wir haben oben schon die analytische Blindheit dieser ‘normativen‘ Soziologie kritisiert, die einfach alles ‘Ausbeutung‘ nennt. Hier zeigt sich ihre ‘normative‘ Blindheit selber. Wenn man darauf verzichtet, normative Kriterien für „a mode of social selection based an standards of justice which are ‘non-discriminatory“‘ (1974:16) auszuarbeiten und ‘kollektivistische‘ wie ‘individualistische‘ Kriterien einfach als verschiedene — normativ gleichwertige — Kriterien der Schließung und ‘Grundlagen der Ausbeutung‘ behandelt, dann verbaut man sich die Perspektive einer meritokratischsozialistischen Kritik am prinzipiell ‘halbierten‘ Meritokratismus in gegenwärtigen kapitalistischen und etatistisch-sozialistischen Gesellschaften. Auch wenn man — wie PARKIN — die Begriffe ‚ascription vs. achievement‘ durch ‘collectivist vs. individualist‘ ersetzen wollte, folgt daraus noch lange nicht, daß man „property and credentials“ als rein individualistische Kriterien der Schließung behandeln muß.Google Scholar
  14. 15.
    Vgl. die ausführlichen und detaillierten Kritiken an der rassistischen ‚scientific ideology‘, welche seit der Mitte des 19. Jh. in den verschiedensten Versionen immer wieder die abstrusesten ‘rassischen Gentypen‘ konstruierte: MONTAGU 1953, REX 1970, BARKER 1981, STEPHAN 1982, ROSE e.a. 1984 u.v.a. Vgl. auch den Versuch der Entwicklung eines differenzierten Begriffs von ‘Rasse‘, rassistischen Praxen und Ideologien bei BADER 1984.Google Scholar
  15. 17.
    Vgl. ausführlich und kritisch gegen Rex, Miles u.a. bei BADER 1984:124 ff.Google Scholar
  16. 18.
    Die Verdrängung eines derartigen Erfahrungskerns ist eine wichtige theoretische Schwäche in gegenwärtigen ‚Diskurs-Theorien‘ und eine politische Schwäche des abstrakten, sentimentalen Anti-Rassismus (vgl. auch MEMMI 1983:109).Google Scholar
  17. 20.
    Wir haben oben die vielfältigen Versuche der ‚ideological scientists‘ kritisiert, Ungleichheiten der faktischen Leistungsqualifikationen (wie z.B. den berühmten IQ) biologisch-genetisch zu begründen. Demselben Strickmuster folgt auch die soziobiologische Behauptung einer genetisch verankerten, daher universellen und unausrottbaren ‘Xenophobie‘. Nicht nur für demokratische Ethik, sondern auch für nüchterne kritische Sozialwissenschaft gilt demgegenüber, daß ‘das Fremde‘, das ‘Andere‘ nicht einfach ‘von Natur‘ und spontan das ‘Schlechtere‘ oder Bedrohliche und Angsterregende ist, von dem das ‘Eigene‘ abgegrenzt und mit überlegenen und höher bewerteten Eigenschaften ausgestattet werden muß. Das Fremde und Andere ist auch das Anziehende, Verlockende, Attraktive. Daher ist es erstaunlich, daß sogar klar anti-rassistische Autoren wie Memmi sich dazu verleiten lassen, den Fremdenhaß (Ethnophobie, Xenophobie usw.) als eine „strikt individuelle Motivation“, ja sogar als „primär, fast tierisch“ zu behandeln (MEMMI 1983:112).Google Scholar
  18. 21.
    Dieser ‚sentimentale Anti-Sexismus‘ wird in bestimmten diskurstheoretischen Analysen der ‘konstruktie van vrouwelijkheden‘ als einzige Alternative zum ‘anatomy is destiny‘ präsentiert (vgl. kritisch zu COWARD u.a.: BADER 1984:475 ff.) Vgl. kritisch: F. HAUG u.v.a.Google Scholar
  19. 22.
    Vgl. die scharfen Kritiken an angeblich ‚biologisch‘ determinierter sozialer Ungleichheit zwischen Frauen und Männern: HUBBARD/HENIFEN/FRIED 1979, HUBBARD/ LOWE 1979, ROSE 1982 u.a.Google Scholar
  20. Wenn wir also sagen, daß biologische Geschlechtsunterschiede Unterschiede der faktischen Leistungskompetenzen bedingen, so muß dies sehr klar und begrenzt aufgefaßt werden: 1) es geht um den einfachen Sachverhalt des Kindertragens und -gebärens, nicht um irgendwelche obskuren Konstrukte genetisch verankerter niedrigerer Intelligenzquotienten o.ä. und schon gar nicht um irgendwelche angeblich fraulichen Eigenschaften, wie Emotionalität, ‚unlogisches‘ Denken usw., welche mit vielen anderen Konstruktionen Momente der herrschenden Frauenbilder und ‘gender-identities‘ bilden. Im strengen Sinne askriptive Schließung auf der Basis von ‘sex‘ findet sich also in all jenen Fällen, in welchen die Berufung auf die faktisch sehr wohl existierenden Geschlechter-unterschiede irrelevant ist. 2) Die Bewertung der geschlechtsbedingten unterschiedlichen Leistungskompetenzen ergibt sich nicht aus ihnen selber (und wenn schon, dann können Frauen, was Männer nicht können! Vgl. hierzu die plausiblen Interpretationen des ‘Raubs des Frauengeheimnisses‘ bei SIERKSMA:1979, p. 60 ff.).Google Scholar
  21. 26.
    So werden z.B. die alltäglichen Praxen des Rassismus gegenwärtig dominant kulturalistisch oder neo-nationalistisch legitimiert (vgl. kritisch für GB: BARKER 1982, für die BRD: STAECK/KARST 1982; für NL: BADER 1984 u.v.a.Google Scholar
  22. 28.
    Vgl. COX 1948/70, SNYDER 1962, KUPER 1974 u.a.Google Scholar
  23. 29.
    Vgl. BADER 1984 ausführlicher zur praktisch-politischen Bedeutung der Unterscheidung zwischen rassistischen und neo-nationalistischen Ideologien.Google Scholar
  24. 30.
    Vgl. z.B. MILES 1982 exemplarisch für askriptive Diskriminierung von Iren in Großbrittannien. Vgl. genereller: BONACICH 1970, CASTLES/KOSACK 1973, BURAWOY 1976, REICH 1981, ROSS 1982. Weil wir oben Klassenlagen im Unterschied zu Ausbeutungspositionen schon unter Bezug auf ihre relativ dauerhafte Besetzung durch natürliche Personen definiert haben, ergaben sich für unsere Behandlung von Klassenlagen im Falle askriptiver Ausbeutung schon Überschneidungen zwischen positionalen und allokativen Ungleichheiten, etwa bei ‚racist‘ und ‘sexist exploitation‘.Google Scholar
  25. 32.
    Um erwartbare Vorwürfe des ‚Klassenreduktionismus‘ zu vermeiden, wollen wir nochmals darauf hinweisen, daß wir von allen Überlagerungen von Klassenlagen, Elitepositionen, Interaktionspositionen und Prestigepositionen zum Zweck der Vereinfachung der Darstellung bewußt abstrahieren. In dieser Hinsicht sind auch die für die Diskussion der verschiedenen sozialökonomischen und historischen Bedeutung von ‘Nationalismus‘ und ‘Rassismus‘ sehr fruchtbaren Modelle von BONACICH 1970 zu einfach. Sowohl die ‘class division‘ wie die ‘ethnic division‘ können den jeweiligen historisch-empirischen Forschungszwecken entsprechend weiter differenziert werden.Google Scholar
  26. 34.
    Vgl. DAVIS (1981), BELL-HOOKS 1981; vgl. REDDOCK 1986 für Trinidad und Tobago.Google Scholar
  27. 35.
    Vgl. BONACICH 1973, WERTHEIM 1964 u.a. zur Lage der chinesischen Handels-und Geldkapitalisten in Südostasien, der indischen in Ostafrika, der ‚reichen Juden‘ in Europa usw.Google Scholar
  28. 36.
    Vgl. z.B. PHIZACKLEA/MILES 1979.Google Scholar
  29. 37.
    Vgl. etwa: COX 1948/1970, POULANTZAS 1968, SZYMANSKI 1983, MILES 1982, ASH 1972, WRIGHT.Google Scholar
  30. 38.
    So werden z.B. in der Tradition des ‚althusserianischen‘ Marxismus askriptive Schließung und Diskriminierung nur als ‘oberflächliche‘ oder ‘sekundäre‘ Erscheinungsformen von Klassenspaltungen thematisiert (vgl. POULANTZAS 1968, SZYMANSKI 1983, MILES 1982 u.a.). Poulantzas geht in diesem Klassenreduktionismus am weitesten und die Kritiken von PARKIN 1979, BECKER 1986 u.a. an dieser Position sind stichhaltig. Allerdings werden sie zumindest bei Parkin 1979 vorschnell generalisierend gegen marxistische Theorieprogramme überhaupt gewendet. Auch BOURDIEU behandelt „geschlechtsspezifische Koeffizienten“, „Wohnsitz“ und „geographische Verteilung“, „ethnische Zugehörigkeit“, „soziale Herkunft“, „Alter“ usw. einfach als „sekundäre Merkmale“ von Klassen, als „Nebenmerkmale“ usw. (vgl. 1981: 176 ff). Die ‘primären‘ und ‘sekundären‘ Klassenmerkmale sind „hierarchisch gestaffelt“ (183), von „ungleichem funktionalem Gewicht und folglich von ungleicher strukturierender Wirksamkeit“. Wie üblich führt dies zu nicht weiter begründeten Behauptungen eines funktionalen und historischen Primats: „Gruppen, deren Mobilisierungsbasis auf einem sekundären Kriterium beruht (werden, d.V.) mit größerer Wahrscheinlichkeit durch weniger dauerhafte und tiefgreifende Affinitäten und solidarische Beziehungen zusammengehalten..als jene Kollektive, deren Mobilisierung in den fundamentalen Bestimmungsfaktoren einer gemeinsamen Klassenlage gründet“. (ebd.)Google Scholar
  31. 39.
    Vgl. etwa SZYMANSKI 1983:629 für viele andere. Die Behauptungen des Primats der Klassenstrukturierung für die gesamte objektive Lebenslage im Vergleich zu askriptiver Schließung und Diskriminierung werden erst dann sinnvoll, wenn sie in empirische Forschung übersetzt werden. Vgl. die Versuche, einen derartigen ‚Primat der Klassen‘ empirisch zu demonstrieren für die Einkommens-und materiellen Lebensverhältnisse insgesamt: IMSF 1973; BISCHOFF u.a. 1982; vgl. sehr viel differenzierter, aber im Ergebnis ähnlich: BERGER 1986 (für ‘sex and class‘). Vgl. WRIGHT 1979 Kap. 8, 9 (für ‘sex, race and class‘) für die USA. Vgl. auch SZYMANSKI 1983, Kap. 3 und 10–11.Google Scholar
  32. 40.
    Vgl. exemplarisch GLAZER/MOYNIHAN 1975:17: „it is property that begins to seem derivative, and ethnicity that seems to become a more fundamental source of stratification“Google Scholar
  33. 41.
    Eine derartige Strategie sollte nicht mit der Parkins verwechselt werden. Parkin erklärt den Unterschied selber für irrelevant: „Closure an racial grounds.. plays a directly equivalent role to closure an the basis of property and credentials“ (1979:94, vgl. 1974(1983):129, 133). Solange man nur am Ergebnis ‚Ausschließung‘ interessiert Ist, ist dagegen natürlich nichts einzuwenden. Wenn man hingegen an den verschiedenen Grundlagen dieser Schließungen, ihren unterschiedlichen Legitimationen und Legitimationschancen sowie den durchaus unterschiedlichen Wirkungsweisen dieser beiden Ressourcenarten interessiert ist (vgl. oben), sind in dieser Nacht des ‘actionism‘ alle Kühe schwarz. Hier sei nur noch angemekrt, daß Parkins Klassenbegriff es gar nicht mehr zuläßt, den Zusamenhang zwischen ‘Klassen‘ und ‘ethnic groups‘ als solchen zu thematisieren. Ironischerweise führt ihn seine Marxismuskritik zu einem mindestens ebenso umfassenden und ‘katholischen‘ Klassenbegriff wie jener, den er so heftig kritisiert.Google Scholar
  34. 43.
    Im Gegenzug gegen biologistisch-genetische, psychologistische und ‚primordialistisch‘ kulturelle Legenden, welche gerade die Diskussion sog. ‘ethnischer Identität‘ lange dominierten, weist zum Beispiel Anthony Smith im Anschluß an Max Weber zurecht und mit großem Nachdruck auf die Bedeutung von strategischen Interventionen von Organisationen, konkurrierenden Ideologien und oppositionellen intellektuellen Eliten bei der Herausbildung dieser Identitäten (vgl. SMITH 1981). Aus dieser Perspektive lassen sich — im Anschluß an FOUCAULTs ‘La volonté de savoir‘ z.B. „de uitdoktering“ von ‘gender identities‘ sinnvoll analysieren (vgl. HEKMA 1987).Google Scholar
  35. 44.
    Vgl. etwa DUMONT 1966, BETEILLE 1972.Google Scholar
  36. 46.
    Vgl. die verschiedenen Begründungsversuche dieser marxistischen Thesen bei: COHEN 1980, WRIGHT 1985, ELSTER 1985, BURRIS 1987, THERBORN 1986 u.a.. Die gesellschaftsformationsübergreifenden Begründungen dieser claims sind zweifach: a) evolutionär: „that only class relations have an internal logic that generates systematic tendencies towards cumulative and progressive social change“ (BURRIS 1987:78) b) strukturtheoretisch ‚materialistisch‘ wird der Primat der ungleichen Verfügung über materielle Produktionsmittel behauptet. Beide Argumente sind petitiones principii und gegen Erfahrung weitgehend immunisiert. Vgl. auch die Kritiken von PRZEWORSKI 1985.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1989

Authors and Affiliations

  • Veit-Michael Bader
  • Albert Benschop

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