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Ungleichheiten pp 119-153 | Cite as

Ressourcen und Belohnungen

  • Veit-Michael Bader
  • Albert Benschop

Zusammenfassung

Nachdem wir den feldspezifischen Kontext unserer Gliederung der Objekte der Aneignung umrissen haben, wollen wir nun im strategischen Kontext die zweite Achse unseres Gliederungsvorschlags begründen. Wir haben schon darauf hingewiesen, daß wir in einer sinnvollen Gliederung der Ressourcen selber die größte pro-theoretische Schwierigkeit sehen. In diesem Kapitel wollen wir (§ 1) zunächst die Begriffe Ressourcen und Belohnungen unterscheiden und erläutern und (§ 2) die uns wesentliche Differenzierung der Ressourcen in direkte und indirekte erörtern. Einer einfachen Einführung der drei Typen direkter Ressourcen folgt eine schematische Darstellung typischer direkter Ressourcen und Belohnungen in differenzierten gesellschaftlichen Arbeitsverhältnissen (§ 3). In (§ 4) erörtern wir die wichtigsten indirekten Ressourcen und in (§ 5) die indirekte Ressource Soziales Prestige. In Kapitel V wollen wir den forschungsstrategischen Nutzen unserer Behandlung der Ressourcen skizzieren und die relative handlungsstrukturierende Kraft verschiedener Ressourcen sowie zwei der sich bietenden theoretischen Möglichkeiten exemplarisch behandeln.

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Literatur

  1. 2.
    Vgl. zu ähnlich gelagerten Machtbegriffen: LASSWELL/KAPLAN 1950; DAHL 1957, ETZIONI 1968, GAMSON 1968. Vgl. die kritische Übersicht bei LUKES 1974. Vgl. klar zur Differenz von ‚Ressourcen‘ und ‚Macht‘: ETZIONI 1968:314 f.(trotz eines sehr viel begrenzteren Begriffs von ‚assets‘).Google Scholar
  2. Gerade weil wir einen so breiten Begriff von Ressourcen verwenden, müssen wir Warnungen berücksichtigen: „to define resources in such a vague, all-inclusive fashion is to rob the concept of much of its analytic utility“ (MCADAM 1982:32). Man würde in der Tat nicht übers allgemein bleibende Machtgerede hinauskommen, wenn sich kein sinnvoller Weg der Gliederung und der Unterscheidung der strukturierenden Kraft von Ressourcen aufzeigen ließe. Aber diesem Zweck ist nicht damit gedient, daß man ‚Machtchancen‘ nicht als Ressourcen definieren will. Begrenztere Ressourcenbegriffe verwendet z.B. ETZIONI. Seine ‚assets‘ umfassen nur die „non-symbolic aspects“ der Sozialstruktur. Sie werden als „mechanical“ oder „objective/ “physical„ umschrieben und den symbolischen oder normativen kontrastiert (1968: 327 ff, vgl. FN 32). Der ähnlich gelagerte Begriff der ‘facilities‘ bei Parsons ist breiter: er umfaßt alle übertragbaren und kontrollierbaren “possessions„, also nicht nur ‘physical‘, sondern auch ‘social and cultural objects‘, schließt aber nicht-übertragbare und nicht-aneigenbare, aber doch verwendbare Ressourcen aus (vgl. unten). Ähnlich breite Ressourcen-Begriffe wie wir verwenden LASSWELL/KAPLAN (‘influence and power base) und DAHL 1957:203: “base of an actor‘s power consists of all the resources — opportunities, acts, objects, etc. — that he can exploit in order to effect the behavior of another„. Ähnlich ROGERS 1974:1425, die jedoch Handlungschancen und ‘values‘ ausschließt.Google Scholar
  3. 5.
    Vgl. A.SMITH 1963: Buch I, Kap. I und II; Vgl. MARX MEW 23: Kap. 11–13; Marx erkennt „die aus der Kombination der Arbeiten entspringende Produktivkraft“ (381, 386, 407 u.ö.), behandelt sie jedoch in seiner Gliederung der einfachen Momente des Arbeitsprozesses: Arbeitsgegenstand, Arbeitsmittel und Arbeit, nicht getrennt, sondern als nähere Differenzierung der lebendigen Arbeit (ähnlich wie Wissenschaft und andere gesellschaftliche Faktoren, welche die Produktivkraft der Arbeit beeinflussen (vgl. BADER u.a. 1975: 203 f). TOMM (1968: 88 f) hingegen behandelt Organisation und Leitung als eigenständigen Faktor der Produktivkraft. Vgl. auch PICA 1973:197; WRIGHT 1985: 78 ff, 151 ff, 303–13). Vgl. ähnlich auch LUHMANN 1964: 152. In der marxistischen Tradition müßte man genauer unterscheiden zwischen notwendigen Bedingungen kooperativer Arbeitsprozesse einerseits und ‚produktiven‘ (im Sinne von ‘Wert‘ produzierenden) andrerseits. Schließlich hat ja auch Marx selber die These, daß nur lebendige Arbeit Wert schaffen könne, nicht daran gehindert, die objektiven Produktionsbedingungen als notwendige Faktoren materieller Produktionsprozesse zu analysieren. Sie braucht uns, die wir hier nicht an werttheoretischen Diskussionen interessiert sind, daher auch nicht zu hindern, Formen der Kooperation, Koordination und Organisation als selbständige und notwendige Faktoren aller gesellschaftlichen Arbeitsprozesse zu behandeln.Google Scholar
  4. 8.
    Vgl. zum Unterschied zwischen ‚Kompetenz‘ und ‘Motivation‘: TAYLOR, Ch. (1985), HACKER, VOLPERT u.a. 1983. Vgl. zu sprachtheoretischen Begriffen von Kompetenz: CHOMSKY, SEARLE 1969, AUSTIN 1962, HABERMAS 1981. Vgl. zu den (arbeits-)psychologischen Unterscheidungen: HACKER 1978, VOLPERT 1975,1980. Vgl. zu moralischen Kompetenzen: KOHLBERG 1982, SELMAN 1980, DÖBERT/NUNNER/WINKLER 1978; LEMPERT 1980, 1982, 1983. Vgl. zur Sozialgeschichte von Körperdisziplin, von Selbstdisziplin, Langsicht usw.: ELIAS 1976 I/II, vgl. auch FOUCAULT 1975, ZUR LIPPE 1981. Die hypothetische Konstruktion von Handlungs-und Leistungskompetenzen ist im Prinzip genauso uferlos wie die der Bedürfnisse, weil hinter jeder unterscheidbaren Handlung eine entsprechende Handlungskompetenz konstruiert werden kann. Der Grenzwert derartiger ‘Erklärungen‘ geht auch hier gegen Null. Schließlich wollen wir noch darauf aufmerksam machen, daß jede konkrete Handlung mehrere unterscheidbare Kompetenzen voraussetzt. Die hier analytisch unterschiedenen Kompetenzen erklären also jeweils nur Teilaspekte des ‚Könnens‘. Faktisch sind sie in verschiedenen Mischungen kombiniert. Wir danken J.Christis für die produktiven Schneißen, welche er uns im Dschungel der Qualifikationsdebatten geschlagen hat.Google Scholar
  5. 9.
    Dieser Aspekt von Kompetenzen wurde in der Sprachphilosophie des späten Wittgenstein klar herausgearbeitet. Der Bedeutung der ‚tacit skills‘ entspricht auf der Ebene der meta-theoretischen Grundlegung sozialen Handelns generell die Bedeutung des ‘praktischen Wissens‘, des jeweils implizit bleibenden, holistischen, nicht zur Disposition stehenden ‘Hintergrundwissens‘, das nicht prinzipiell, sondern jeweils nur themengerichtet und selektiv in diskursives Wissens transformiert werden kann (vgl. GIDDENS 1976: 76f,1979:56 f; BHASKAR 1979; HABERMAS 1981, POLANYI u.a.). Für die Analyse von Arbeitsqualifikationen vgl. WOOD 1986: „This knowledge is learnt through individual experience, is difficult — often impossible — to articulate in an explicit and formalised language, and is normally situationspecific“. Routine-Arbeiten implizieren Lernprozesse, in welchen Handlungen gar nicht bewußt werden und bewußte Handlungen quasi im ‘Vorbewußten‘ sedimentiert werden (ähnlich wie beim Tanzen, Rad-oder Autofahren, Skifahren, Klavierspielen usw.).Google Scholar
  6. 10.
    Vgl. recht nüchtern und klar bei COLLINS 1979, v.HOOF 1987, MERTENS 1983, WINDOLF/ HOHN 1984:26, bei BEECHEY 1982 u.a. Beim ‚Kauf‘ und betrügerischen Praxen des Erwerbs von Bildungstiteln ist diese Inkongruenz nur am offensichtlichsten. Sie durchzieht das gesamte Bildungssystem und muß daher durch komplexe Selektions-und ‘Test‘-Verfahren bearbeitet werden, in welchen selber eher ‘soziale‘ und ‘moralische‘ Anpassungskompetenzen prämiert werden.Google Scholar
  7. 11.
    Vgl. die drei ‚states‘ des ‘kulturellen Kapitals‘: ‘inkorporiertes‘, ‘objektiviertes‘ und ‘institutionalisiertes‘ kulturelles Kapital bei BOURDIEU. Vgl. die drei Dimensionen der Lebenswelt bei HABERMAS: kulturelle, soziale und personale Dimension.Google Scholar
  8. 12.
    Vgl. sehr klar hierzu: WEBER, COLLINS und in der feministischen Diskussion: BEECHEY 1982. Vgl. auch BADER 1986:89.Google Scholar
  9. 13.
    Im Unterschied zu WRIGHT 1985, 1986, GIDDENS 1973 u.v.a. Allerdings wird natürlich nicht umgekehrt ungelernte Arbeit einfach dadurch zu gelernter Arbeit, daß ‚tacit skills‘ entdeckt werden.Google Scholar
  10. 14.
    Schon Marx hat dieses Problem in seiner Analyse des ‚Doppelcharakters‘ von Leitungstätigkeiten in kapitalistischen Unternehmen exemplarisch umrissen. Diese resultieren einerseits aus dem arbeitsteiligen Charakter kooperativer Arbeitsprozesse, andrerseits aus seinem Charakter als Prozeß der Mehrwertproduktion und den damit gegebenen Macht-und Herrschaftsverhältnissen zwischen ‘Lohnarbeit und Kapital‘ (vgl. MEW 25: 397 ff; vgl. HERKOMMER/BIERBAUM 1979:79–86).Google Scholar
  11. 15.
    WRIGHT behandelt aus ähnlichen Gründen wie wir ‚organization‘ als ‘asset‘: ‘The way the process of production is organized is a productive source independent of the expenditure of labor power, the use of the means of production or the skills of the producers„ (1985:79). “The activity of using that asset is coordinated decisionmaking over complex technical divisions of labor„ (80). Aber ähnlich wie er die empirische Berufsdifferenzierung einfach unkritisch als Ausdruck ‘technischer‘ Arbeitsteilung behandelte (1978, 1980), ganz so als ob professionalistische Machtstrategien nicht bestünden, so gleiten auch hier ‘rein technische‘ und ‘Machtaspekte‘ der formellen wie informellen Organisationsstruktur nahtlos ineinander über (trotz: “authority, however, is not the asset as such„ (1985:80)).Google Scholar
  12. Obwohl Wright daher bei seiner Reformulierung der marxistischen Klassentheorie von ähnlichen Grundgedanken ausgeht („inequalities in distribution of control over productive assets“ (1985:72, 107) kommt er damit zu einer anderen Gliederung der direkten Ressourcen. John Roemer hatte nur zwei ‚productive assets‘ behandelt (nämlich die traditionellen: physical assets und skill assets). Wright erweitert das „inventory of productive assets“ wie folgt.Google Scholar
  13. 16.
    Weil diese Terminologie sich ihrer Kürze wegen immer mehr einzubürgern scheint, aber eben gar kein unschuldiges Kürzel für ‚Prozesse und Orte der Distribution (Verteilung)‘ ist, wollen wir hier nachdrücklich darauf aufmerksam machen, daß ‘Märkte‘ historisch spezifische Formen der Verteilung voraussetzen: Verteilung (von allen möglichen Objekten) durch Tausch, welche wiederum ein Minimum an Arbeitsteilung, faktischer Anerkennung von Privateigentum und von formaler Freiheit und Gleichheit unterstellen (vgl. BADER u.a. 1976: für Marx: 337 ff, für Weber: 211 ff, 233 ff). ‘Markt‘ und ‘Austausch‘ ist natürlich nicht auf kapitalistische Warenproduktion beschränkt. Aber wie immer man die verschiedenen historischen Formen von Märkten unterscheiden mag (z.B. im Ausgang von den getauschten Objekten, von den verschiedenen (traditionalen, konventionalen, rechtlichen) Marktregulierungen und -‘Ordnungen‘ usw.), man sollte all jene Verteilungsprozesse, welche nicht über Tausch vermittelt sind, nicht ‘Märkte‘ nennen: weder die unternehmensinternen Arbeits ‘märkte‘, noch die ‘politischen Märkte‘ in demokratisch verfaßten Staaten, und schon gar nicht die Allokation der Ressourcen und die Verteilung der Konsumtionsmittel in ‘command economies‘ sind als Märkte und Marktprozesse zu bezeichnen. Seit Marx‘ Kritik an der ‘ewigen bürgerlichen Ökonomie‘ kann man wissen, daß nicht alle Produktionsmittel ‘Kapital‘, nicht alle Distribution Tausch‘ und nicht alle Menschen ‘homines oeconomici‘ sind.Google Scholar
  14. Indirekte Ressourcen werden somit verwendet in ‚strategies of social closure‘. Schon dies müßte eigentlich ausreichend demonstrieren, daß eine „general theory of social closure“ (vgl. PARKIN 1979 u.a.) sachlich recht begrenzt ist und nicht für eine umfassende Theorie sozialer Ungleichheit versehen werden sollte.Google Scholar
  15. 17.
    Die unserer Ansicht nach historisch wichtigsten indirekten Ressourcen haben wir in gesperrten Großbuchstaben geschrieben. Wir versuchen die theoretischen und empirischen Gründe für die Bedeutung gerade dieser indirekten Ressourcen unten zu umreißen: vgl. Kap. IV, 4.3, V.1 und Teil II: Kap. VIII.Google Scholar
  16. 21.
    Die ‚Erzeugung‘ von Gewalt kann — vgl. oben — als spezifischer Arbeitsprozeß analysiert werden. Der durch Gewaltverhältnisse erzeugte Gebrauchswert ist Sicherheit vor Zerstörung von bereits in anderen Arbeitsprozessen geschaffenen Gebrauchswerten oder vor der Aneignung von Grund/Boden, Menschen, der eigenen Arbeitskraft wie der Resultate der eigenen Arbeit durch Andere. Unterm Gesichtspunkt der ‘leistenden‘ oder ‘erzeugenden Arbeit‘ wäre also die sonst nur normativ annähernd klare Unterscheidung zwischen ‘Verteidigung‘ und ‘Angriff‘ Vgl. zur historisch immensen Bedeutung des ‘Gebrauchswerts Sicherheit und Schutz‘ etwa die Studien von BLOCH zur Entstehung des west-und mitteleuropäischen Feudalismus gegen die chronischen Plünderungs-und Zerstörungszüge der Wikinger, Normannen, Sarazenen, Hunnen, Türken; vgl. MC NEILL zum permanenten Kampf sog. ‘zivilisierter Hochkulturen‘ Asiens und Europas gegen die Angriffe der Nomaden-und Steppenvölker (vgl. auch NORTH 1981, Kap. 10; LEVI/ NORTH 1982:317 ff). Gewalt selber jedoch -- als Resultat — kann nur als indirekte Ressource fungieren.Google Scholar
  17. 23.
    Vgl. z.B. SIERKSMA 1979 zum Kampf um die Höhe der Brautpreise bei den Ibo. Vgl. FINLEY 1973, 1981 und WEBER (AA, WG) über Sklavenpreise.Google Scholar
  18. 26.
    Vgl. WEBER WG 174, 841 u.ö. für Honoratioren-Politik; für‘ Honoratioren‘-Verwaltung (463, 559 ff, 568); für Rechtsprechung (462, 471, 511). Vgl. ausführlicher für Zeit als Ressource in Mobilisierungsprozessen: Teil II, Kap. VIII. Vgl. Kap. VI.2 zur gesellschaftlichen Strukturierung ungleicher Verfügungsgewalt über eigene und fremde Zeit.Google Scholar
  19. 27.
    Erst auf der Grundlage der Ausdifferenzierung von informellen ‚Macht‘- und formalisierten ‘Herrschafts‘-Strukturen wird die Webersche Unterscheidung zwischen Macht und Herrschaft, der wir folgen, relevant. KRECKEL hat diese Differenz wie die Bedeutung von Herrschaftspositionen generell klar formuliert: „Bei der Ressource Organisation geht es nicht nur ganz unbestimmt um Macht… Vielmehr geht es um positionale Macht“. Um Positionen also, welche Bürger „innerhalb einer arbeitsteiligen und hierarchischen Organisation bzw. im Verhältnis zu anderen Organisationen einnehmen“. Besonders wichtig seien Berufspositionen. „Sie sind in ein hierarchisches Geflecht von Rechten und Pflichten, Befehl und Gehorsam, Vorgesetzten und Untergebenen eingebaut; ebenso hierarchisch vorgestanzt sind die Beziehungen zwischen Positionsinhabern und Außenstehenden, Antragstellern, Klienten, Kunden, Arbeitssuchenden usw. Es geht hier also um asymmetrische Beziehungen: die daran Beteiligten sind mit unterschiedlichen Graden der Verfügungsgewalt oder Verhaltensautonomie ausgestattet. Die Quelle dieser Asymmetrien sind nicht persönliche Eigenschaften der Akteure, sondern deren Stellung in einem vorgegeben hierarchischen Gefüge — einem Betrieb, einer Behörde, einer Partei, einer Schule — sowie der Stellung dieser Organisation im hierarchischen Gesamtgefüge der Organisation.“ (KRECKEL 1982:633 f.)Google Scholar
  20. 29.
    Schwerpunkt interaktionstheoretischer (vgl. WARNER, LAUMANN, PAPPI u.v.a vgl. MAYER 1976) und vor allem sozialanthropologischer Studien (vgl. BOISSEVAIN 1966, 1974; BLOK 1974, BREMAN 1974, EISENSTADT/LEMARCHAND 1981; EISENSTADT/RONINGER 1984). Erst mit den Arbeiten des Anthropologen und Soziologen BOURDIEU wurde dem ‚sozialen Kapital‘ in allgemeineren Diskussionen sozialer Ungleichheit mehr Aufmarksamkeit gewidmet.Google Scholar
  21. 30.
    Vgl. BOURDIEU 1980:2, 1983; vgl. BOISSEVAIN 1974.Google Scholar
  22. 31.
    Die strategische ‚Objektivierung‘ der Anderen (vgl. oben: aus ‘Partnern‘ werden ‚Objekte‘) ist hier — wie in emotionalen und erotischen Verhältnissen — besonders auffällig. Personen werden zu Wasserträgern‘ oder ‘Steigbügelhaltem, ‘nützlichen Idioten‘ (oder analog zu ‘Lust‘- und ‘Liebesobjekten‘). Eine derartige strategische Objektivierung findet sich als Aspekt in allen menschlichen Beziehungen (vgl. z.B. das ‘Kollusionskonzept‘ bei WILLI 1975). Nicht daß man Andere überhaupt ‘gebraucht‘ oder ‘verwendet‘ ist aus normativ-demokratischer Perspektive das Skandalon, sondern wenn dies strukturell asymmetrisch geschieht. Ansonsten verwendete man ein zu naiv idealistisches Konzept von ‘Beziehungen um ihrer selbst willen‘, das nur die Kehrseite des beschränkt bürgerlichen Egoismus wäre. Vgl. auch UNGER 1987 II:536 u.ö.Google Scholar
  23. 32.
    Wir schließen uns hier der Ubersicht Boissevains (1974:24 ff) an, in welcher Resultate interaktions-und kommunkationstheoretischer Netzwerkanalysen übersichtlich zusammengefaßt sind.Google Scholar
  24. 33.
    Vgl. ‚multiplexity‘ bei Boissevain 1974:28. Dort auch die üblichen evolutionstheoretischen Argumente zur Differenzierung von Rollenmustern.Google Scholar
  25. 35.
    Vgl. exemplarisch: BOISSEVAIN 1974: 147 ff) zur Karriere und zur Professionalisierung der Vermittlungstätigkeit selber, spezialisiert für ‚brokers‘ als „professional manipulators of people and information, who brings about communication for profit“ (148). Die Chancen, broker zu werden hängen einerseits ab vom Willen und Vermögen, es zu werden (und diese sind klassenspezifisch wie individuell sehr verschieden: vgl. BOURDIEU 1983:193), andrerseits von „structure and content of his social network“ (BOISSEVAIN 153). Dabei sind vor allem wichtig: a) Zentralität in Netzwerken (Knotenpunkte im Informations-und Kommunikationsverarbeitungsnetz, für Dörfer: Kaufladen, Café-Besitzer und Handwerker (Barbiere, Schneider usw.); b) Zeit: „a person who has more time to devote to the management of his social relations is more likely to have more multiplex social relations and to be better informed than others. These are assets for a broker“. Vorteile der Dienstleister wie derer mit mehr Freizeit (vom arbeitslosen Einkommen bis zu den Junggesellen), c) „control over first order ressources“, weil sie mehr Einfluß auf andere möglich machen und den eigenen Signalen mehr ‘power‘ mit auf den Weg geben. Sie können so über größere ‘Abstände‘ gesendet werden.Google Scholar
  26. 37.
    Vgl. BOURDIEU 1980:2:„Le volume du capital social que possède un agent particulier dépend donc de l‘étendue du réseau des liaisons qu‘il peut effectivement mobiliser et du volume du capital (économique, culturel ou symbolique) possédé en propre par chacun de ceux auxquels il est lié“. Der Unterschied zwischen (1) und (3) wird durch BOISSEVAIN thematisiert als „first order“ versus „second order resources“. Unter Ressourcen erster Ordnung versteht er „resources, such as land, jobs, scholarship funds, specialized knowledge“, welche jene Kontaktperson selber besitzt, unter Ressourcen zweiter Ordnung versteht er „strategic contacts with other people who control such resources directly or who have access to such persons“ (BOISSEVAIN 1974:147). Im Anschluß hieran unterscheidet er mit MAYER (1967) zwischen ‚patrons‘ und ‘brokers‘.Google Scholar
  27. 40.
    In ‚La Distinction‘ wird ‘capital social‘ nicht näher erläutert. Aber auch in den späteren Texten (1980, 1983) wird oft nicht klar unterschieden zwischen sozialen Beziehungen selber und Habitus, Manieren, Lebensstilen, Prestige und ihren jeweiligen Symbolen. Bourdieu unterscheidet nicht zwischen ‘selektiver Assoziation‘ und ‘Patronage‘ und behandelt faktisch ausschließlich soziale Beziehungen zwischen Gleichen als ‘soziales Kapital‘.Google Scholar
  28. 43.
    In allen irgendwie dauerhafteren Interaktionen, wie ‚intim‘ sie immer sein mögen, entwickeln sich komplexe gegenseitige Erwartungen und Verpflichtungen (vgl. BUUNK 1983:67; TEDESCHI 1974; BOISSEVAIN 1974; BOURDIEU 1983:192 „Diese Verpflichtungen können auf subjektiven Gefühlen (Anerkennung, Respekt, Freundschaft usw.) oder institutionellen Garantien (Rechtsansprüchen) beruhen“.Google Scholar
  29. 45.
    Allen Karriereaspiranten sind Beziehungen und Freundschaften mit mächtigeren, hochplazierten Individuen willkommen. Vgl. zur Psychologie dieses Phänomens: SCHÜTTE/LIGHT 1978Google Scholar
  30. 47.
    Vgl. zu politischen Patronageverhältnissen: für Italien, Sizilien, Malta: BOISSEVAIN, BLOK, ROODUIJN; für Portugal: SILVA 1982, 1987; für Indonesien: WERTHEIM; für Indien: BREMAN 1974.Google Scholar
  31. 48.
    Vgl. auch KRECKEL 1982:628 „daß bestimmte allgemein anerkannte Symbole (Titel, Kleidung, Beruf usw.) ohne Ansehen der Person als Kennzeichen für die soziale Stellung der Betroffenen anerkannt werden und entsprechende Hoch-oder Geringschätzung nach sich ziehen.“ Die Anerkennung individueller Leistungen konstituieren ‚Achtung‘ oder ‘Ruf‘ (esteem), welche wir analytisch klar von ‘Prestige‘ unterschieden haben.Google Scholar
  32. 1.
    Alle Bedürfnisse sind sozial definierte, und das heißt immer auch: im Vergleich zu Anderen definierte Bedürfnisse. Unsere analytische Unterscheidung zwischen Prestigebedürfnissen und allen anderen impliziert nicht das Unding ‚monadologischer‘ Bedürfnisdefinitionen. Das überlassen wir gerne einer bestimmten Variante utilitaristischer Theorie. Ihr gegenüber hat z.B. ELIAS durchaus recht wenn er betont: „Was man als Zielsetzung der Mühe des langfristigen Strebens für Wert hält, ist niemals allein durch den Zuwachs an Genugtuung und an Wert bestimmt, den jeder Fortschritt in der Richtung auf das Ziel einem Menschen in den eigenen Augen gibt, sondern auch durch die Erwartung einer Bestätigung des eigenen Wertes oder eines Zuwachses an Achtung und Wert in den Augen anderer“ (1969:1150: „konstitutive Interdependenz der Werthaltungen“.Google Scholar
  33. 2.
    Es handelt sich auch hier um rein analytische Unterscheidungen. Faktisch gehen sowohl Prestige-und Distinktionsbedürfnis (und auch ‚prestige‘ und ‘esteem‘) wie Bedürfnis nach Anerkennung und nach Überlegenheit nahtlos ineinander über. Im Unterschied zu Elias, Bourdieu u.a., welche dies klar demonstrierten, sind diese analytischen Unterschiede jedoch zumindest aus normativen Gründen wichtig.Google Scholar
  34. 50.
    Vgl. ganz analog zur ‚Neuheit‘ alles Möglichen in ‘Moden‘: SIMMEL, GOFFMAN u.v.a.Google Scholar
  35. 51.
    Es ist außerordentlich schwierig, einen nicht in die Irre führenden Sammelbegriff für ‚alle anderen‘ Objekte zu finden. ‘Hard facts of inequality‘ (vgl. SHILS) suggeriert, daß Ungleichheiten der Prestigechancen nicht ‘faktisch‘ wären und nicht ‘hart‘ wären. ‘Objektive‘ Ungleichheiten (vgl. KRECKEL, RUNCIMAN 1972, vgl. oben) legt nahe, Prestige-Chancen nur als ‘subjektiv‘ zu betrachten. Sie können auch nicht als ‘materielle‘ Objekte zusammengefaßt werden und schon gar nicht als ‘wirkliche‘ im Unterschied zu illusorischen, eingebildeten. Wir begnügen uns daher mit obiger negativer Abgrenzung.Google Scholar
  36. 1.
    Auch wenn man den ‚Wert‘ des Geldes — wie Menger, Wieser, Mieses u.a. — als Ergebnis subjektiver Wertschätzungen erklären will (vgl. BADER u.a. 1976:227 f. u.ö.), so muß doch sein ‘objektiver‘ Wert von den jeweiligen subjektiven Grenznutzenschätzungen von Geldeinheiten unterschieden werden. In der subjektivistischen Geldtheorie wiederholt sich daher für utilitaristische Bewertungen genau jener Unterschied zwischen ‘objektiver Geltung‘ des Werts des Geldes und je subjektiver Nutzenschätzung, welchen wir für evaluative Prestigebewertungen formuliert haben als Differenz zwischen faktischer Geltung bestimmter Prestigehierarchien einerseits, jeweils subjektiven Bewertungen von Prestigechancen andrerseits.Google Scholar
  37. 2.
    Es zeigt vielleicht historisch neben ‚Arbeit‘ am klarsten die markante Differenz zwischen relativ niedriger Bewertung ‘in terms of prestige‘ und seiner enormen Effektivität im strategischen Handlungskontext (vgl. auch ELIAS 1969:98 ff). Mußte man jedoch im Frankreich des 17. Jh. noch mit Geld Adelstitel kaufen um zu gesellschaftlichem Prestige zu kommen, inzwischen hat sich die herrschende Prestige-Hierarchie den veränderten Machtverhältnissen angepaßt: (viel) Geld adelt selber.Google Scholar
  38. 53.
    Turners Formulierung: „prestige as valued resource“ (1984:125) läßt offen, ob es dabei um utilitaristische und strategische Bewertung von bereits konstituierten Prestige-Chancen geht oder um die spezifischen ‚evaluative rankings‘, welche diese Chancen als solche überhaupt erst konstituieren.Google Scholar
  39. 54.
    Und diese Planung von Prestige-Karrieren ist außerordentlich differenziert und entwickelt in Gesellschaftsformationen und bei Sozialen Klassen, welche extrem ‚prestigesensitive‘ sind (vgl. ‘höfische Gesellschaften‘, ‘lower upper-classes‘ und ‘upper-lowerclasses‘).Google Scholar
  40. 55.
    Vgl. Übersichten und Kritiken bei: KORNHAUSER 1949, 1953; BENDIX/LIPSET 1953, OGBURN 1953, PFAUTZ/DUNCAN 1953, COLEMAN 1965/6.Google Scholar
  41. 56.
    Vgl. DAVIS/MOORE 1945, BARBER 1957, SVALASTOGA 1959, SHILS 1969, ZING/ ZIPP 1979 u.v.a.Google Scholar
  42. 57.
    Vgl. NORTH/HATT 1947, HATT 1949, V. HEEK 1949, 1964, BOLTE 1959, HODGE 1962, BLAU/DUNCAN 1967, MAYER 1972, HANDL 1977, TREIMAN 1977, SWANBORN 1978, TULDER 1978. Vgl. die Berufseinteilungen des ILO: International Classification of Occupation‘ (ISCO). Vgl. kritisch: HUGHES, FREIDSON, LUTZ, SWANBORN, COXON u.a.Google Scholar
  43. 58.
    Vgl. z.B. COXON e.a. 1986:37, 75; GOLDTHORPE/HOPE 1972:36. Vgl. zur fiktiven Berufskenntnis und zum systematischen ‚upward bias‘: KAHL 1957:237, COXON e.a. 1986:16, 35, 39).Google Scholar
  44. 59.
    Vgl. klar und kritisch: LASSWELL/NELSON 1960, LASSWELL 1965, SHILS 1969, KIMBERLEY 1970, COXON e.a. 1986.Google Scholar
  45. 60.
    Vgl. COLEMAN 1965/6:341; BOLTE 1983:404; vgl. für Berufsprestige: v. DOORN 1955, REISS 1961, PENN 1975, SWANBORN 1978, HALLER/BILLS 1979, PAWSON 1982, COXON e.a. 1986.Google Scholar
  46. 61.
    Vgl. LAUMANN/GUTMANN 1966, STEWARD/PRANDY/BLACKBURN 1973, STEWARD e.a. 1980.Google Scholar
  47. 62.
    Jede Prestigebewertung umfaßt faktisch einander durchdringende und voneinander abhängige evaluative und kognitive wie informative Aspekte. Forschungsstrategisch ist es sinnvoll, zuerst die kognitiven Komponenten zu untersuchen (vgl. REISS 1961:106 f, vgl. COXON 1986:87). KIMBERLEY zeigt, daß „a lack of such consensus would produce the same type of variation as lack of knowledge produces“, nämlich daß die „evaluations would tend to vary from member to member“ (1970:79, vgl. 96 f). Es ist nicht weiter überraschend, daß PARSONS diese Probleme völlig ignoriert (vgl. z.B. 1953:109).Google Scholar
  48. Vgl. klar zu enormen Differenzen der ‚prestige-sensitivity‘: SHILS 1969:321; ELIAS 1969 pass., WESTERGAARD/RESLER 1975; BOURDIEU 1981.Google Scholar
  49. 63.
    Vgl. z.B. STEHR (1971), SVALASTOGA 1959; ähnlich: GORDON 1963:13, ABRAHAMSON u.a. 1976:487; RUNCIMAN 1969; GIDDENS 1971:163, BERTING 1965; DE JAGER/MOK 1978:144 u.v.a.Google Scholar
  50. 64.
    Vgl. KAHL/DAVIS 1955, KAHL 1957, BOLTE 1959, GOLDTHORPE/HOPE 1972, TREIMAN 1977, COXON e.a. 1986.Google Scholar
  51. 65.
    Man muß natürlich die gesellschaftliche Objektivität von (Teil-) Prestige-Hierarchien nicht übertreiben: Sie sind nicht bloß subjektiv und willkürlich, sondern historisch und gesellschaftlich strukturiert und von der subjektiven Meinung des Einzelnen unabhängig. Sie sind auch nicht gänzlich instabil. Aber ihre Struktur ist nicht unveränderlich, ihre gesellschaftliche ‚Geltung‘ ist nicht unabhängig von der Veränderung der faktischen subjektiven Prestigebewertungen und ihre Stabilisierung durch Institutionalisierung bestimmter Verhaltenserwartungen ist ein riskantes Unternehmen.Google Scholar
  52. 66.
    Die differenzierteste Darstellung findet sich in der Rechtssoziologie im Zuge der Behandlung der elementaren rechtsbildenden Mechanismen, welche den bekannten Behandlungen des ‚Hobbesschen‘ Problems der Ordnung weit überlegen ist. Gegen vorschnelle Kritik soll hier ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß Luhmanns Behandlung der Institutionalisierung als Prozeß 1. unabhängig ist von den jeweiligen inhaltlichen Normprojektionen, und 2. nicht nur die Chancen der sozialen Stabilisierung, sondern auch die enorme Anfälligkeit und Labilität als Folge von Institutionalisierungen klar herausarbeitet (vgl. besonders:72 u.ö.).Google Scholar
  53. 67.
    Vgl. ausführlicher zum komplexen Zusammenhang zwischen empirischer Konstitution normativer Ordnungen und den verschiedenen Typen der Orientierung an als empirisch geltend unterstellten: BADER 1989 am Beispiel der Legitimität.Google Scholar
  54. 69.
    Vgl. LIPSET/BENDIX 1953, PFAUTZ/DUNCAN 1953, KORNHAUSER 1953, CHINOY 1950, DAVIS/GARDNER 1941. Vgl. auch BOURDIEU 1966.Google Scholar
  55. 70.
    BROTZ (1958) läßt eigentümlich unentschieden, ob es eine „unitary status hierarchy“ gebe. Einerseits meint er: „a society must have some over-all principle that establishes what is respected“, andrerseits meint er, daß sie „cannot possibly exist in a large, complex society“. Wenn es sie gibt, dann nur als politisch definierte, herrschaftlich bedingte. Ohne sie gäbe es nur „different perspectives and different hierarchies“. Er plädiert daher für eine Repolitisierung der Stratifikationsanalyse, welche für ihn weiterhin auf ‚Status‘ begrenzt bleibt. Das Prinzip, „that adequately explains the precize relationship of the crucial hierarchies of social status and political authority“ sei politische Macht und Einfluß. Diese sind „more comprehensive and prior to any other hierarchy“ (572). Die politisch herrschende Klasse ist auch die moralisch herrschende: „sets the tone for the whole society“.Google Scholar
  56. 71.
    Vgl. z.B. WEBER 1974: 531 über ‚Macht‘ als „Grundlage sozialer Ehre“ und umgekehrt soziales Prestige als Grundlage von Macht.Google Scholar
  57. 72.
    Elias entwirft keine systematische Ressourcengliederung und seine Behandlung der Machtquellen bleibt auch sachlich selektiv und unzureichend. Dennoch macht er auf einige Ressourcen aufmerksam, welche sonst in der Regel ignoriert werden: Soziale Beziehungen, „residence and oldness“ (deren Einfluß nicht auf den anderer Ressourcen reduziert werden kann), Prestigebewertungen (die als effektive Beschränkung der Zugangschancen zu religiösen und politischen Clubs, Kneipen, Cliquen von Heranwachsenden usw. fungieren); schließlich: „power.. derived from greater cohesion and solidarity, from greater uniformity and elaboration of norms and beliefs and from greater discipline, external and internal, which went with them“ (152, vgl. 153 „civilising differentials“ als Machtdifferenzen.). Die zivilisatorischen Unterschiede haben wir in den verschiedenen allgemeinen Leistungsqualifikationen integriert (vgl. oben). Solidarität und Zusammenhalt werden wir in Teil II ausführlicher behandeln: vgl. Kap. IV: Kollektive Identität als Ressource.Google Scholar
  58. 73.
    Vgl. Kritisch: H. BERGER 1974.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1989

Authors and Affiliations

  • Veit-Michael Bader
  • Albert Benschop

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