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Organisation des Lebensraums bei Großstadtkindern — Einheitlichkeit oder Verinselung?

  • Helga Zeiher
Part of the Biographie und Gesellschaft book series (BUG, volume 9)

Zusammenfassung

Die Entstehung eigener Räume für Kinder gilt Kindheitshistorikern als eines der Zeichen für die historische Herausbildung von Kindheit als einer besonderen gesellschaftlichen Lebensform. Daß im Schulhaus und nicht mehr nur im gemeinsamen Alltag mit Erwachsenen gelernt wird, daß in Familienwohnungen eigene Kinderzimmer abgegrenzt werden, daß zum Spielen draußen besondere Plätze hergerichtet werden, zeigt an, daß ein Zustand gesellschaftlicher Arbeitsteilung erreicht ist, der zu einer räumlichen Trennung der Generationen führt. ARIES spricht von einem „langen Prozeß der Einsperrung der Kinder (...), der bis in unsere Tage nicht zum Stillstand kommen sollte und den man als Verschulung (...) bezeichnen könne“ (1975, S. 48). Bis heute sind immer mehr und immer detaillierter definierte Lebensfunktionen der Kinder aus ihrer traditionellen Einbettung in familiäre und nachbarschaftliche Lebenszusammenhänge gelöst und je für sich von gesellschaftlichen Zentralinstanzen organisiert worden. Dieser Prozeß hat bei uns zuletzt in den sechziger und siebziger Jahren einen starken Entwicklungsschub erfahren, verursacht durch das Ineinandergreifen einer Reihe von Veränderungen. Ohne auf die treibenden gesellschaftlichen Kräfte eingehen zu können, seien hier nur die wichtigsten Erscheinungen aufgezählt, sofern sie Abdrücke im gebauten und gestalteten Raum hinterlassen haben, die für Kinder von Bedeutung sind.

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© Leske + Budrich, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Helga Zeiher

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